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International Norwegen im Walfang weltweit die Nummer eins

Nicht Japan, nicht Island – und auch nicht die beiden Länder zusammen töten weltweit am meisten Wale, sondern Norwegen. In den letzten zwei Jahren gingen fast 1400 tote Wale auf das Konto von Norwegen, trotz internationalem Walfang-Moratorium. Doch die Vereinbarung interessiert das Land nicht.

Ein gefangener und blutender Minkwal.
Legende: Für den Fang von Minkwalen gibt es eigentlich ein Moratorium. Doch Norwegen tötet jährlich zahlreiche von ihnen. Keystone/Archivbild

Norwegen wurde in den vergangenen zwei Jahren weltweit zur Walfangnation Nummer eins – und bleibt trotzdem weitgehend von Kritik verschont. Das bemängeln nun die Umweltorganisationen Pro Wildlife, OceanCare und Animal Welfare Institute (AWI).

Kritik: Förderung von kommerziellem Walfang

Die Organisationen werfen der norwegischen Regierung vor, den Walfang systematisch zu fördern, um eine sterbende Industrie am Leben zu halten. In den vergangenen beiden Jahren habe Norwegen mehr Wale getötet als Japan und Island zusammen.

Wir haben der Entscheidung juristisch widersprochen und sind daher nicht daran gebunden.
Autor: Fischereiministerium Norwegen

In dem Bericht «Frozen in Time», den die Organisationen veröffentlichten, heisst es, dass Norwegen das kommerzielle Walfangmoratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) kontinuierlich untergrabe und den Export von Walfleisch fördere. Zudem finanziere die norwegische Regierung eine Reihe von Projekten, die den Absatz von Walprodukten wie Heilmittel und Kosmetik im Land ankurbeln sollen.

Norwegen widerspricht dem Tadel

Das norwegische Fischereiministerium widersprach dem Vorwurf, das Moratorium zu ignorieren. «Wir haben der Entscheidung juristisch widersprochen und sind daher nicht daran gebunden», hiess es.

Nach Angaben der Artenschutzorganisationen fielen 2014 und 2015 in Norwegen 1396 Zwergwale den Harpunen zum Opfer. Japan habe im gleichen Zeitraum 663 Grosswale getötet, Island 345. Während auf Island diplomatischer Druck ausgeübt werde und Japan für sein Walfangprogramm vor dem Internationalen Gerichtshof zu Verantwortung gezogen worden sei, bleibe Norwegen von Kritik weitgehend verschont.

In einem der weltweit modernsten und wohlhabendsten Länder ist der Walfang nicht mehr zeitgemäss.
Autor: Sandra AltherrBiologin von Pro Wildlife

Nach Angaben des norwegischen Fischereiministeriums wurden im vergangenen Jahr 660 Zwergwale gefangen. «Die geschätzte Zahl der Zwergwale in norwegischen Gewässern ist mehr als 100'000», erklärte das Ministerium. Zwergwale (Minkwale) gehören mit rund acht Metern Länge zu den Grosswalen und sind damit im Walfangmoratorium aufgenommen worden.

«In einem der weltweit modernsten und wohlhabendsten Länder ist der Walfang nicht mehr zeitgemäss», sagt Sandra Altherr, Biologin und Mitbegründerin von Pro Wildlife in München. «Wale zu schlachten hat in einer fortschrittlichen Gesellschaft keinen Platz – es schadet dem internationalen Ansehen des Landes.»

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Edi Steinlin (rosi)
    Das kann es nicht sein, das muss aufhören, bis dato wusste ich nicht, dass die Norweger solche "Schlächter" sind.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Die Norweger gaben sich selbst eine Abschussquote. Letztes Jahr töteten sie 729 Zwergwale. Die höchste Zahl seit 1993. Die Quote für 2015 liegt bei 1286 Tieren. Es ist absurd: Während in den riesigen Schutzgebieten auf Spitzbergen keine Pflanze beschädigt werden darf, wird weiter brutaler Walfang betrieben. Sea Shepherd plant Aktionen in den nördlichen Gewässern. Dass sich die Tierschützer jetzt davon aufhalten lassen, ist allerdings unwahrscheinlich ...dieses Masaker muss aufhören.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Jagd auf Meeressäuger: Norwegen meldet Walfang-Rekord, was für ein Hohn! In diesem Jahr wurden bereits 682 Tiere getötet, so viel wie nie zuvor seit dem Neubeginn der Jagd vor über 20 Jahren. Die blutige Jagd geht weiter. Hier verstösst Norwegen gegen das Walfangverbot. Es muss ein Ende des Walfangs erzwungen werden. Dabei ist die norwegische Fischerei auf die Jagd von Walen überhaupt nicht angewiesen. Die Tiere werden zumeist zu Tierfutter verarbeitet. Grausam und unverständlich.
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