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International NSA knackt verschlüsselte Daten

Daten-Verschlüsselung als Schutz gegen US-Späher. Eine todsichere Sache, dachte sich so mancher Internetnutzer. Doch weit gefehlt. Die Agenten des NSA-Geheimdienstes lesen auch chiffrierte Infos im World Wide Web mit. Und arbeiten dabei offenbar mit Anbietern verbreiteter Sicherungstools zusammen.

Menschen mit Plakat
Legende: Protest in Berlin gegen die Späher vom NSA-Geheimdienst - seine Agenten knacken offenbar auch verschlüsselte Daten. Keystone/Archiv

Die NSA-Behörde habe mit Supercomputern, technischen Tricks, Gerichtsbeschlüssen und einiger Überzeugungsarbeit bei IT-Unternehmen die Mehrheit der bekannten Verschlüsselungssysteme geknackt oder umgangen. Dies berichten jetzt die «New York Times» und der «Guardian».

Das milliardenteure NSA-Programm gehöre zu den grössten Geheimnissen der Behörde, berichten die Zeitungen weiter. Das Programm soll nach einer Schlacht im amerikanischen Bürgerkrieg mit dem Codenamen «Bullrun» versehen sein. Es sei nun durch die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden ans Tageslicht gekommen.

SSL-Sicherung aufgebrochen

Den Angaben zufolge können die Geheimdienste Datenübertragungen mitlesen, die via SSL verschlüsselt sind. Mit dieser Technik werde die Kommunikation des Browsers mit Websites codiert. In der Adresszeile wird dann das Kürzel «https» angezeigt.

Diese Verbindungssicherung zu torpedieren sei den US-Spähern gelungen, wie die neuen Dokumente nahelegen. Der «Bullrun»-Dienst hat, gemäss den aktuellen Veröffentlichungen, Fähigkeiten, um weitverbreitete Onlineprotokolle wie HTTPS, Voice-over-IP und SSL zu überwinden. Ziel sei es, «in kommerzielle Verschlüsselungssysteme Hintertüren einzubauen».

Zugriff auf Verschlüsselungs-Design

Damit aber nicht genug. Offenbar ist es ihnen gelungen, auf das Design von Verschlüsselungstechniken Zugriff zu bekommen. So hätten sie inzwischen Einfluss auf globale Standards, nach denen solche Sicherheitsprogramme entwickelt werden, was die «versteckte Beeinflussung» von Programmentwicklungen erlaube. Die Dienste nutzten ihre Macht, um von den Anbietern deren Schlüssel zu erpressen.

Den amerikanischen und britischen Spähtrupps von NSA und GCHQ ist es, nach Darstellung der Zeitungen, ferner gelungen, durch Kontakte zu den vermeintlich vertrauenswürdigen Verschlüsselungsanbietern Hintertüren in die sicheren Verbindungen einzubauen.

Für das Programm «Bullrun» würden allein in diesem Jahr 254,9 Millionen Dollar bereitstehen, heisst es in den Berichten. Seit 2011 sollen mehr als 800 Millionen Dollar dafür ausgegeben worden sein. Die Ausgaben für die Spähsoftware «Prism» nehmen sich dagegen mit etwa 20 Millionen Dollar pro Jahr vergleichsweise gering aus.

London mit eigenem Projekt

In Grossbritannien ist laut «Guardian» ein eigenes Datenspäh-Projekt gestartet worden: Codename «Edgehill».

Ziel des Projekts war oder ist es, den gesicherten Datenverkehr von drei grossen, nicht namentlich genannten Betreibern zu knacken. Auch 30 Virtual Private Networks seien im Visier gewesen. Das sind Anbieter, die ihren Kunden garantieren, dass sie über eine sogenannte VPN-Verbindung unbeobachtet surfen. Viele Firmen nutzen VPN, um Mitarbeiter im Aussendienst mit den eigenen Servern zu verbinden.

Keine Sicherheit mehr

Kein Internet-Nutzer kann mit Blick auf die jüngsten Enthüllungen seine Daten mehr in Sicherheit wägen, befürchten Experten. Die Zeitungen berichten ferner, dass Mitarbeiter der Geheimdienste darum gebeten hätten, die neuesten Erkenntnisse nicht zu publizieren. Man befürchte, dass dann unter Umständen neue Verschlüsselungstechniken installiert werden und damit der Zugang der Dienste zu Informationen erschwert werde. Darauf hätten sich «Guardian», «New York Times» und «ProPublica» aber nicht eingelassen. Auch wenn manche Fakten nicht erwähnt wurden.

Nur sehr wenige Mitarbeiter in den Diensten hätten, wie es heisst, Zugang zu den Top-Secret-Informationen der USA. Und nur die Partnerbehörden in Grossbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland seien im Bilde. Der britische Geheimdienst GCHQ habe es beim Code-Knacken in jüngster Zeit besonders auf Ziele wie Google, Yahoo, Facebook und Microsoft abgesehen gehabt.

Neue NSA-Enthüllungen

In ihren aktuellen Geschichten über die NSA-Affäre berichten New York Times, Guardian und ProPublica über verschiedene Aspekte der neuen Snowden-Dokumente. Dabei wird nicht zuletzt auf die drohende Aushöhlung des Internets als Kommunkationsplattform durch Geheimdienste hingewiesen.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Joe Schweizer, Basel
    Und dann gibt es noch Leute die sagen: ja dem Staat kann man vertrauen. Ja der Staat wird's schon recht machen und der Staat soll gestärkt werden. Liebe Leute: Wenn in einem solchen Staat plötzlich Leute mit ganz speziellen Weltbildern an die Macht kommen (und da gibts genug Beispiele) dann hat's sich definitiv ausgelacht. Die USA ist mittlerweile ein Kommunistischer Stasi-Staat geworden, so wie viele andere "Demokratien" mittlerweile auch.
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    1. Antwort von B. Küng, Seeland
      Stasi-Staat, dem kann ich beipflichten, aber die USA kommunistisch?? Ich würde sagen, kapitalistisch auf die übelste Art.
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    2. Antwort von H.Bernoulli, Zürich
      @Sand: letztlich verschwinden die Unterschiede zwischen Kapitalismus und Kommunismus immer mehr: eine kleine Elite besitzt Macht und Reichtum, unterdrückt die Menschen, welche ärmlich leben (aktuell 50% der US-Bevölkerung) usw. in beiden Systemen. Und beide Systeme steuern dem Bankrott zu und verursachen riesige Umweltschäden.
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  • Kommentar von CHRISTIAN ALEXANDER STAUB, CH-3613 STEFFISBURG
    DA GIBT ES NUR EINEN EINZIGEN KOMMENTAR : USA = SCHURKEN-STAAT ! ....UND MIT DIESEN KORRUPTEN SCHURKEN SCHLIESS DIE CH-LANDES-REGIERUNG IMMER NOCH VERTRÄGE.... ....GOTSEIDANK GIEBT ES DIE SELBSTLOSEN, VERANTWORTUNGSVOLLEN, TODESMUTIGEN HELDEN DER WHISTLEBLOWERS....
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    1. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      Jawoll, ausrotten, das ganze Pack, als erstes werde ich sofort den PC totschlagen, wenn ich mit Schreiben hier fertig bin, und dann jeden Tag einen, dort wo ich gerade bin. Wenn wir alle zusammenhalten, sind wir, zumindest in der Schweiz in einigen Jahren soweit, alle Computer totgeschlagen zu haben. Dann noch einen Verein für die Handy-Bekämpfung, das aber sollen die Weiber organisieren, irgendwie. Sorry, es überkam mich einfach etwas...
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Mein Gott, gibt es immer noch Leute, die glauben im Netz wäre was sicher ??? - Grundsätzlich gilt, alles, radikal alles im Netz, am Netz und meist noch darum herum, kann eingesehen werden. - Nur Idioten und ewig Naive glauben heute noch an "geschützte Daten" im Netz.
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    1. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      Das war ja auch einer der Hauptgründe, warum das Internet vom US-Militär überhaupt für die breite Anwendung freigegeben wurde.
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    2. Antwort von Philipp Etter, Homburg
      Liebe leute Warum nennt man das www wohl Netz Denkt darüber nach
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