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International «Nur mithilfe der Rebellen kommen wir zur Absturzstelle»

Seit Tagen versuchen die OSZE-Beobachter in der Ukrainer zur Absturzstelle von Flug MH17 zu gelangen. Der Vize-Chef der Mission, der Schweizer Alexander Hug, beschreibt, welch ein Spiessrutenlauf das ist.

¨Der Vize-Chef der OSZE-Mission in der Ukraine, der Schweizer Alexander Hug.
Legende: ¨Der Vize-Chef der OSZE-Mission in der Ukraine, der Schweizer Alexander Hug. Reuters

SRF: Ich erreiche Sie auf Ihrem Mobiltelefon. Wo sind Sie und wie sieht es aus?

Alexander Hug: Wir sind heute früh in Donezk losgefahren und haben uns durch die verschiedenen Kontrollpunkte der Frontlinie durchverhandelt. Wir machen gerade einen Bogen um die umkämpften Gebiete und werden wieder versuchen, in rebellenkontrolliertes Gebiet vorzustossen. Das ist eine neue Route, die wir bis jetzt noch nicht getestet haben. Wir werden sehen, was der heutige Tag bringt.

Wie muss man sich das vorstellen, wird immer noch gekämpft?

Ja. Es ist aber nicht so, dass es eine lange Frontlinie gibt. Es sind vereinzelte, verschachtelte Gefechte. Es gibt keine klaren Grenzen. Deshalb ist es auch so gefährlich, sich zu bewegen. Man kann sich an keinen Grenzen orientieren.

Und Sie selber sitzen jetzt in einem normalen Fahrzeug?

Ich sitze in einem gepanzerten Fahrzeug in einem Konvoi, der von einer ukrainischen Militäreinheit begleitet wird. Am Anfang waren es die Rebellen, die den Konvoi anführten, jetzt ist es die Regierung. Am Ende der Strecke wird es wieder wechseln, wenn wir in Rebellengebiet eindringen.

Gestern konnte man lesen, dass die Behörden der selbsternannten Volksrepublik Donezk sich überlegen, die Zusammenarbeit mit der OSZE zu beenden, da sie nicht neutral sei. Ist das wirklich so?

Nein, das war eine Falschmeldung. Ich habe heute bis zwei Uhr morgens mit den Rebellenführern verhandelt. Heute Morgen wurden wir durch die verschiedenen Kontrollpunkte gelotst. Ohne Zusammenarbeit wäre dies nicht möglich. Sie besteht also weiterhin.

Aber Sie wurden mit den Vorwürfen, die OSZE sei nicht neutral, konfrontiert?

Nein, das wurde uns nicht gesagt. Die Zeitungsmeldung, die das sagte, wurde von den Rebellen auch sofort dementiert.

Wenn ich Sie richtig verstehe, ist die Zusammenarbeit mit den Separatisten nicht schlecht?

Ich möchte die Zusammenarbeit nicht charakterisieren. Das ist ein Arbeits- und in gewisser Weise auch ein Vertrauensverhältnis.

Das Interview führte Romana Costa.

OSZE-Mission in der Ukraine

Alexander Hug

Alexander Hug

Der Jurist diente in der Schweizer Armee, wo er für die OSZE Einsätze in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo leistete. Momentan ist Hug stellvertretender Leiter der OSZE-Sondermission in der Ukraine.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Nun, OSZE Beobachter Michael Bociurkiw kann Maschinengewehreinschüsse wohl schon von Raketensplittereinschlägen unterscheiden, weil ja die Maschinengewehreinschüsse Linear sich folgen im Gegensatz zu Raketensplitter die Random Einschläge zeigen würden. Seine Aussage ist glaubhaft. Und bringt das ganze Absturz Drama plötzlich in ein anderes Licht.
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    1. Antwort von Roger Stahn, Fraubrunnen / St. Sulpice
      Im Netz war kurz nach dem Abschuss ein Bild von einem Flügelsegment, welches Spuren eines Streifschusses, der in Verlängerung direkt zum Cockpit führt, zu finden. Sollte Kiew den Abschuss zu verantworten haben, dann verliert der Westen -welcher seit Monaten kritiklos Kiew unterstützt- vollends das Gesicht. Die USA sprach ja von einem Irrtum, es fragt sich nur wessen Irrtum...
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  • Kommentar von M.Krebser, Thun
    Ein sehr interessanter Artikel zum Verständnis, wie der Westen arbeiten um immer weiter sein Einflussbereich auszudehnen und um Russland zu isolieren: "Demokratisierung ist eher ein Kollateralnutzen".
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  • Kommentar von S. Meier, Adliswil
    Der Tagesspiegel berichtet: Die Ukraine hat Australien + Niederlanden die Entsendung bewaffneter Kräfte an den Absturzort der MH17 gestattet. Beide Länder dürften insgesamt 950 bewaffnete Soldaten + Ermittler stationieren, beschloss das Parlament in Kiew am Donnerstag. Ich möchte auch den Artile in The Telegraph von Tom Parfitt, Fear and resentment at MH17 crash site as fighting advances, empfehlen.
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