Obama an die junge Generation: «Seid Vertreter des Wandels»

Umringt von hunderten junger Menschen, scheint Barack Obama in London ganz in seinem Element zu sein. Aus dem Publikum kommen ernste Fragen, der Präsident gibt nachdenkliche Antworten. Er appelliert an die Studenten, die Chance zu packen, «die Welt jetzt neu zu formen».

Obama mit Mirkofon in der Hand vor jungen Leuten. (reuters) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jackett weg, Hemd umkrempeln: US-Präsident Obama stellt sich den Fragen der jungen Generation. Reuters

Am zweiten Tag seines Grossbritannien-Besuchs stellt sich US-Präsident Barack Obama den Fragen junger Briten in einer offenen Runde. Eine sogenannte «Town Hall» in einer ehemalige Ausstellungshalle.

Die erste Frage stellt eine junge Nordirin aus Belfast. Sie stellt attestiert, die USA spiele eine wichtige Rolle im Friedensprozess in Nordirland. Die Studentin möchte deshalb gerne wissen, wie es damit weitergehen wird mit der neuen Präsidentin oder dem neuen Präsidenten.

«Ich fühle mich geehrt, Präsident Obama eine Frage gestellt zu haben»

In seiner Antwort schlägt Obama den Bogen von Nordirland – als Vorbild für viele andere Regionen der Welt – zu den Möglichkeiten, die junge Menschen heute haben.

Studentin McCarney befragt Präsident Obama

4:26 min, vom 23.4.2016

Er beschwört das Auditorium, sich nicht von einfachen Lösungen blenden, nicht von Kräften mitreissen zu lassen, die dann nicht mehr zu kontrollieren seien. «Die Möglichkeiten, die ihr jetzt habt, die Welt neu zu formen, sind unvergleichlich», sagt Obama zu den etwa 700 jungen Menschen im Saal. Das sei ein unglaubliches Privileg.

Obamas Botschaft an die Jungen: «Ihr müsst Pessimismus und Zynismus zurückweisen. Denn Fortschritt ist möglich, Probleme können gelöst werden.» Dieser Weg sei allerdings auch der Schwerere. Denn es müssten «Barrieren überwunden und Brücken gebaut werden». Man müsse für Werte wie Toleranz und Vielfältigkeit einstehen.

«  Fortschritt erfordert Anstrengungen, Beharrlichkeit, Disziplin – und Vertrauen. »

Barack Obama
US-Präsident

Genau so seien aber etwa Bürgerrechte, Frauenrechte wie auch Arbeiterrechte erreicht worden: Durch Anstrengung, Beharrlichkeit, Disziplin und Vertrauen. Obama: «Viele, die vor uns waren, haben ihr Leben riskiert, damit wir es besser machen können.»

«  Ihr seid die Generation, die Einwanderung und Pluralismus nicht als Belastung begreift, sondern als Chance. Seid Ihr die Vertreter des Wandels!» »

Barack Obama
US-Präsident

Weitere Fragen hatten die Studenten zu Klimawandel, Armut und Ungleichheit, die Zukunft Grossbritanniens in der Europäischen Union. Sowie die Frage nach Obamas Vermächtnis.

Obama lacht, «zunächst mal bin ich ja noch ein paar Monate im Amt.» Dann zählt er auf: Seine Gesundheitsreform, die wirtschaftliche Erholung nach der grossen Finanzkrise, der Atomvertrag mit Iran, «darauf bin ich sehr stolz». Auf welche Führungseigenschaft er besonders Wert gelegt habe? Obama: «Eine dicke Haut hilft sehr.»

Am Sonntag wird der US-Präsident nach Deutschland weiterreisen und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Technikmesse Cebit besuchen. Dort könnte ihm ein weniger herzlicher Empfang bevorstehen. In Hannover demonstrierten bereits heute rund 25'000 Menschen gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA.