Hackerangriff im US-Wahlkampf Obama will Hacker-Bericht noch vor Amtsende

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im August hat Wikileaks E-Mails von Mitgliedern des Parteivorstandes der Demokraten veröffentlicht. Darin stand, dass das Führungsgremium bereits im Vorwahlkampf für Hillary Clinton und gegen ihren Rivalen Bernie Sanders war.
  • Die USA verdächtigen Russland, die E-Mails gehackt zu haben.
  • Obama hat jetzt einen Untersuchungsbericht angeordnet. Er will die Ergebnisse noch vor seinem Amtsende im Januar.

US-Präsident Barack Obama hat eine Untersuchung von Hackerangriffen während des Wahlkampfs um seine Nachfolge angeordnet. Er habe die Geheimdienste angewiesen, noch vor Ende seiner Amtszeit im Januar einen Bericht vorzulegen, sagte seine Beraterin für Innere Sicherheit, Lisa Monaco.

Während des Wahlkampfs waren E-Mails der Demokratischen Partei und eines wichtigen Mitarbeiters der Kampagne Hillary Clintons an die Öffentlichkeit gelangt.

Die von Obama angeordnete Untersuchung soll dem Muster der Cyberattacken auf den Grund gehen und eine Bestandsaufnahme der Sicherheitsvorkehrungen liefern, sagte Regierungssprecher Eric Schultz in Washington.

Gehackte Mails im August veröffentlicht

Die US-Regierung beschuldigt Russland, hinter einer Reihe von Angriffen auf Computersysteme politischer Organisationen und Institutionen zu stehen, und sich so in den Wahlkampf eingemischt zu haben. Der Kreml streitet das ab.

Eklat bei den Demokraten

4:01 min, aus Tagesschau vom 25.7.2016

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte im August gehackte E-Mails von Mitgliedern und Mitarbeitern des Parteivorstandes der Demokraten veröffentlicht. Daraus ging hervor, dass das Führungsgremium im Vorwahlkampf stark zugunsten von Hillary Clinton und gegen ihren Rivalen Bernie Sanders voreingenommen war. Die Enthüllungen führten zum Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz.

Später wurde bekannt, dass der Hackerangriff noch umfangreicher war. Ausserdem gab es weitere Enthüllungen von anderen Plattformen. Schon damals verdächtigten Experten und Regierungskreise russische Hacker mit Verbindungen zu Regierungsorganisationen.

Der künftige US-Präsident Donald Trump glaubt nicht, dass sich Russland in den US-Wahlkampf eingemischt hat, berichtet SRF-Korrespondent Beat Soltermann.

Lecks auch in den Wahlkämpfen 2008 und 2012

Im Oktober hatten das Heimatschutzministerium und das Büro des nationalen Geheimdienstdirektors eine Erklärung veröffentlicht, in der sie ranghohe Beamte der russischen Regierung bezichtigen, die Angriffe genehmigt zu haben. Russland wies die Vorwürfe als haltlos zurück. Wikileaks-Gründer Julian Assange erklärte, die gehackten E-Mails nicht von einem staatlichen Akteur bekommen zu haben.

Der Bericht über die Cyberattacken soll dem Präsidenten noch vor dem Ende seiner Amtszeit am 20. Januar 2017 vorgelegt werden und die Erkenntnisse an Mitglieder des Kongresses weitergegeben werden.

Gegenstand der Untersuchung sind auch die Wahlkämpfe in 2012 und in 2008. Vor acht Jahren hatte es Hackerangriffe auf die Wahlkampfteams von Obama und seines republikanischen Konkurrenten John McCain gegeben, für die die USA China verantwortlich machten.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Assange bleibt in der Botschaft

    Aus 10vor10 vom 5.2.2016

    Der Wikileaks-Gründer Julien Assange verbleibt weiterhin auf unbestimmte Zeit in der ecuadorianischen Botschaft in London. Heute wandte sich Assange wieder einmal an die Öffentlichkeit.

  • Julian Assange erhält Deckung von der UNO

    Aus Tagesschau vom 5.2.2016

    Seit Sommer 2012 lebt Wikileaks-Gründer Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London, um einer Verhaftung zu entkommen. Ein UNO-Menschenrechts-Gremium kommt nun zum Schluss: Der Zustand komme einer willkürlichen Haft gleich. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Urs Gredig in London.

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    Aus 10vor10 vom 18.8.2014

    Seit fast zwei Jahren geniesst Wikileaks-Gründer Julian Assange Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London. Dort lebt er wie ein Gefangener. Beim Verlassen des Gebäudes würde er sofort festgenommen: Schweden verlangt die Auslieferung des gebürtigen Australiers. Heute kündigt er an, dass er die Botschaft bald verlassen wolle.