Obama zeigt Erdogan die kalte Schulter

Der türkische Präsident reist in die USA. Er weiht im Bundesstaat Maryland eine Moschee ein, welche die Türkei mitfinanziert hat. Gerne hätte er US-Präsident Obama dabei gehabt. Doch der will nicht. Die Beziehungen der beiden Staaten sind angeschlagen.

US-Präsident Obama und der türkische Präsident Erdogan treten Arm in Arm vor das Weisse Haus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Noch im Mai 2013 traten Erdogan und Obama im Garten des Weissen Hauses gemeinsam vor die Medien. Reuters/Archiv

Offiziell fehlt US-Präsident Brack Obama schlicht die Zeit für ein bilaterales Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayip Erdogan. Für SRF-Korrespondent Beat Soltermann sind diese Terminschwierigkeiten «zwar ein guter, allerdings wohl nicht der wahre Grund», weshalb Obama Erdogan nicht zu Gesprächen treffen wird.

2013 war das noch anders: Damals empfing Obama Erdogan im Weissen Haus zu ausführlichen Gesprächen, unter anderem über den Konflikt in Syrien. Im Anschluss traten die beiden gemeinsam vor die Medien. Seither sind die Beziehungen zwischen Washington und Ankara aber merklich abgekühlt.

«Die USA sind mit ihrem Nato-Partner nicht zufrieden», sagt Soltermann. Sie ärgern sich, dass die Türkei im Kampf gegen die Terrorgruppe «Islamischer Staat» IS ausgerechnet die Kurden schwächt – den wichtigsten Verbündeten der USA. Umgekehrt sei die Türkei wegen des engen Verhältnisses der USA mit den syrischen Türken «sehr sauer», sagt Journalist Thomas Seibert in Istanbul.

Einschätzungen von Journalist Seibert in Istanbul

5:42 min, aus SRF 4 News aktuell vom 29.03.2016

Erdogan ist pikiert

Dennoch: Erdogan hätte Obama bei der Einweihung der von der Türkei mitfinanzierten Moschee im US-Bundesstaat Maryland gerne dabei gehabt. Es sei natürlich ein Affront für den türkischen Präsidenten, wenn Obama ihm nun die kalte Schulter zeige, sagt Seibert. «Die Türken überschätzen sich hier ein bisschen. Sie haben offenbar geglaubt, dass Erdogan die Türen des Weissen Hauses immer offen stehen.»

«  Die türkische Regierung hat offenbar geglaubt, dass Erdogan die Türen des Weissen Hauses immer offen stehen. »

Thomas Seibert
Journalist in Istanbul

Dem türkischen Präsdienten geht es bei seinem Besuch in den USA nämlich vor allem um eine Selbstdarstellung als mächtigen Politiker im Nahen Osten, wie Seibert sagt. Mit der Einweihung der Moschee wolle Erdogan zudem «eine Art inoffiziellen Anführer der islamischen Welt» verkörpern.

Treffen mit US-Vizepräsident Biden

Geplant ist immerhin ein Treffen Erdogans mit US-Vizepräsident Joe Biden. Hinter verschlossenen Türen werde Biden dem türkischen Präsidenten wohl ins Gewissen reden, sagt Soltermann in Washington. Öffentlich rechnet er aber nur mit «diplomatischen Floskeln»: Biden werde die Türkei weiter als wichtigen Bündnispartner im Kampf gegen den IS bezeichnen.

«  US-Vizepräsident Biden kann kaum Druck auf Erdogan ausüben. Die USA sind auf die Türkei angewiesen. »

Beat Soltermann
SRF-Korrespondent in Washington

Im Kampf gegen die Terrororganisation sind die USA in der Tat auf die Türkei angewiesen. Das weiss auch Erdogan. Es wird für Biden deshalb auch mit Blick auf andere Differenzen wie die eingeschränkte Pressefreiheit in der Türkei schwierig, Druck auf Erdogan auszuüben. «Das weiss natürlich auch Erdogan» sagt Soltermann.

Abwarten auf beiden Seiten

Auch Seibert in Istanbul erwartet wenig von dem Treffen zwischen Biden und Erdogan. «Beide Länder haben mehr oder weniger stillschweigend beschlossen abzuwarten», sagt er. Die türkische Regierung warte das Ende der Amtstzeit Obama ab und hoffe auf einen Neuanfang der Beziehungen unter Obamas Nachfolge. Schliesslich sei auch die amerikanische Regierung im Moment nicht mehr bereit, mit Erdogan zusammenzuarbeiten.