Obamas Klimapolitik – eine Slalomfahrt

Ein Trip durch die Wildnis, eine Gletschertour: Obama inszeniert seinen Kampf gegen den Klimawandel in Alaska recht medienwirksam. Umweltaktivisten applaudieren ihm allerdings nur verhalten. Denn schon bald wird hier nach Öl gebohrt.

Obama an einem Hafen, links jede Menge Journalisten mit Mikrofonen, im Hintergrund Berge mit Schnee. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Obama setzt sich für erneuerbare Energien ein, unterstützt aber auch die Förderung von Schiefergas. Reuters

Heute schliesst Barack Obama seine klimapolitische Tour durch Alaska ab. Er stellt sich als Musterpräsident für den Klimaschutz dar und redet der Weltgemeinschaft ins Gewissen. Umweltschutzorganisationen freut das nur teilweise: Schöne Worte seien das, sagen sie. Sie kritisieren, dass er dem Energiekonzern Shell kürzlich die Erlaubnis erteilt hat, im arktischen Meer vor Alaskas Küste nach Öl zu bohren.

Eine Protestgruppe taucht an jedem Auftritt Obamas in Alaska auf. Einer ist als Eisbär verkleidet, andere tragen eine selbstgebastelte Bohrinsel mit der Aufschrift «Profit». Unter ihnen ist auch Danielle Redmond vom Alaska Climate Action Network. Es passe nicht zu seiner Rolle als Klimaschützer, dass Obama es zulasse, dass im ökologisch heiklen Polarmeer nach Erdöl gebohrt werde. «Es ist ein Widerspruch. Ich verstehe es nicht. Die Wissenschaft sagt klipp und klar: Das Öl muss im Boden bleiben», sagt Redmond.

Öl fördern statt importieren

Obama will auf seiner Reise nicht darüber sprechen, dass er Shell erlaubt hat, vor der Küste Alaskas zu bohren. Im Vorfeld aber stellte er klar: «Noch braucht unsere Wirtschaft Öl und Gas. Und ich bin der Meinung, dass wir es selber fördern sollten anstatt es zu importieren.»

Seine Regierung setze sich dafür ein, dass alle nötigen Sicherheitsmassnahmen getroffen würden: «Die Sicherheit war und bleibt die erste Priorität, wenn es um Ölbohrungen vor der US-Küste geht. Gleichzeitig versuchen wir, von der fossilen Energie wegzukommen.» Etwa mit seinem Klimaschutzplan, gemäss dem die Kraftwerke ihre CO2-Emissionen massiv senken müssen.

Ein Streit um eine Zeitbombe

Alaska ist aber von diesem Plan ausgenommen. Denn dort ist die Erdöllobby besonders mächtig: 80 Prozent der Einnahmen des US-Gliedstaates stammen von der Erdölindustrie. Das US-Energieministerium schätzt, dass gewaltige Reserven unter dem Polarmeer schlummern. Russland stösst bereits in dieses Gebiet vor.

Michael Brune, Direktor des Umweltschutzverbandes Sierra Club, sagte dem Fernsehsender PBS: «Ein Rennen mit Russland darüber, wer zuerst in der Arktis bohren darf, ist wie ein Streit um eine Zeitbombe. Herrschaft über die Arktis sollte nicht dadurch definiert werden, wer sie zuerst zerstören darf.»

Im letzten Januar hat Obama Teile Alaskas zum Naturschutzgebiet erklärt und von Ölbohrungen ausgenommen. Gleichzeitig hat er Erdölbohrungen vor der atlantischen Küste erlaubt. Er fördert erneuerbare Energie, hat aber den ökologisch bedenklichen Schiefergas-Boom stets befürwortet.

Seine Klimapolitik gleicht einer Slalomfahrt. Trotzdem sind Umweltschutzgruppen milde mit ihrer Kritik: Denn Obama hat bisher mehr gegen die Erderwärmung unternommen als jeder US-Präsident vor ihm.

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Wettlauf um die Arktis

4:56 min, aus 10vor10 vom 1.9.2015