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International Obamas letztes Versprechen an Griechenland

Zum ersten und gleichzeitig letzten Mal besucht Barack Obama als US-Präsident Griechenland. Bei einem Treffen mit der Regierung sicherte Obama seine Unterstützung im Kampf gegen die Schuldenkrise zu. Doch Spannung ist vor allem für Mittwoch angesagt.

Legende: Video «Obama auf Abschiedstour durch Europa» abspielen. Laufzeit 3:33 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.11.2016.

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat Europa zum grosszügigeren Umgang mit dem hoch verschuldeten Griechenland gemahnt. «Die Strategie kann nicht einfach ‹Sparen› lauten», sagte Obama in Athen bei seiner letzten Auslandsreise als Präsident. Das Land müsse mehr Luft bekommen, um seine Wirtschaft wieder auf tragfähige Füsse zu bekommen.

Bei einem Treffen mit Regierungschef Alexis Tsipras hob Obama hervor, dass Griechenland Fortschritte im Kampf gegen die Finanzkrise erzielt habe. Und versicherte: «Wir beabsichtigen, Schulter an Schulter mit dem griechischen Volk in diesem Prozess zu stehen». Das Land habe dramatische Zeiten durchgemacht.

Ministerpräsident Alexis Tsipras fordert Schuldenerleichterungen, um die Konjunktur wieder anzukurbeln. Nach sieben Jahren mit schrumpfender Wirtschaft könne sein Land nicht mehr sparen, deshalb müsse es einen substanziellen Schuldenerlass geben, sagte er. Deutschland allerdings lehnt dies zum derzeitigem Zeitpunkt ab.

Ein US-Präsident wird in Griechenland immer wie ein Samichlaus empfangen.
Autor: Werner van GentSRF-Korrespondent in Athen
Legende: Video «Van Gent: «Griechenland hofft, dass Obama alle Probleme löst»» abspielen. Laufzeit 2:39 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.11.2016.

In Griechenland wird der Besuch Obamas nicht von allen wohlwollend akzeptiert. SRF-Korrespondent Werner van Gent erklärt, zwar würde in Griechenland «ein US-Präsident immer wie ein Samichlaus empfangen – in der Hoffnung, dass man sämtliche Probleme lösen wird». Doch es gebe auch den Reflex des Protestes, sobald ein US-Präsident zu Besuch sei.

So demonstrierten am Abend rund 5000 Menschen im Zentrum Athens gegen den Besuch Obamas. «Er ist unerwünscht», skandierten die Demonstranten. Die Menschen protestierten gegen die «imperialistische Politik der USA», die, egal wer im Weissen Haus sitze, andauere.

Obama mahnte die Länder Europas zudem zur Solidarität in der Flüchtlingsfrage: «Es ist wichtig, dass kein Land die Last dieser Herausforderungen allein trägt.» In Griechenland sitzen fast 60'000 Migranten fest, weil sie durch die weitgehende Schliessung der Balkanroute im Frühjahr nicht mehr wie geplant in den Norden Europas weiterreisen konnten. Viele von ihnen sind in verlassenen Armeekasernen oder Fabriken untergebracht.

Spannung vor Ansprache

Gespannt sind politische Beobachter nun vor allem auf Obamas Rede, die für Mittwochmittag vorgesehen ist. Ursprünglich ging man davon aus, dass Obama mit der Ansprache sein Vermächtnis hinterlassen wolle. Nun glaubt man, dass er den Wahlsieg des künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump kommentieren wird.

Lange wird Obama nicht in Griechenland verweilen. Am Mittwochnachmittag wird er bereits in Berlin erwartet.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Ja gut, diesen Blödsinn können wir ihm mit gutem Gewissen schenken. 1) wir wissen, dass wir Griechenland nicht mehr finanzieren wollen, 2) warten wir nur ab, dass sich Trump in der Griechenlandfrage äussert. Das wird dann garantiert anders tönen.
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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    was mischt sich Obama in europäische Angelegenheiten? Der soll zuerst seine Wirtschaft sanieren.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Obama fürchtet ein "Abdriften" Griechenlands, einem strategisch wichtigen Nato-Stützpunkt, in Richtung Osten.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Eine wichtige Entwicklung im Mittelmeer. Die NATO unterstützt die EU-Mission SOPHIA. Klartext: Die NATO übernimmt. Für die USA ideal, um legal weitere verdeckte Missionen und Überwachungen durchzuführen. Mit etwas "gutem Willen" kann man SOPHIA jahrelang fortführen. Wie schön sich doch Alles arrangieren lässt. Das Leid von Menschen war schon immer lukrativ, so oder so. Und die 1. Weltmacht kann sich wieder als Held aufspielen, obwohl sie zumindest massiv mitschuldig ist (Syrien, Libyen etc.)
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