Konservative Glaubensbewegung Ocariz wird neuer Chef von Opus Dei

Eine Frau stellt ein Kreuz auf den Altar. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Opus Dei ist vor allem in Spanien wie hier bei einer Open-Air-Messe in Madrid und in Lateinamerika aktiv. Keystone / Symbolbild

Das Wichtigste in Kürze

  • Spanier Fernando Ocariz wird oberster Chef der konservativen katholischen Glaubensbewegung Opus Dei.
  • Papst Franziskus bestätigte die Wahl.

Die erzkonservative katholische Glaubensbewegung Opus Dei (Werk Gottes) hat Interimsleiter Fernando Ocariz zum neuen Prälaten gewählt. Die in Rom erfolgte Wahl wurde von Papst Franziskus bestätigt, teilte die Prälatur mit.

Der 72-jährige Auxiliarvikar Ocariz wird damit der dritte Prälat der 1928 gegründeten Organisation. Ocariz wurde 1944 in einer spanischen Familie in Paris geboren und wuchs in Madrid auf. Er studierte Physik und Theologie und wurde 1971 zum Priester geweiht.

Bereits Auxiliarvikar

Er unterrichtete an der Opus-Dei-eigenen Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom und gehört als theologischer Berater der vatikanischen Glaubenskongregation, der Kleruskongregation sowie des Rates zur Förderung der Neuevangelisierung an.

Ab 1994 hatte er in der Leitung des Opus Dei das Amt des Generalvikars inne. 2014 übertrug ihm der damalige Prälat Javier Echevarría das Amt des Auxiliarvikars – eines besonderen Stellvertreters, den der Prälat berufen kann, wenn er meint, nicht alle seine Aufgaben selbst erledigen zu können.

Beim Amtsantritt älter als Vorgänger

Ocariz war seit dem Tod Echevarrías im vergangenen Dezember der interimistische Leiter der Organisation. Er ist mit 72 Jahren zum Zeitpunkt seiner Wahl deutlich älter als seine Vorgänger.

Der bisherige Leiter Echevarría, der die Prälatur seit 1994 leitete, war im vergangenen Dezember 84-jährig gestorben. Der Prälat des Opus Dei, intern «Vater» genannt, wird auf Lebenszeit gewählt und üblicherweise auch zum Bischof geweiht.

Rund 250 Mitglieder in der Schweiz

Opus Dei hat nach eigenen Angaben 90'000 Mitglieder in etwa 90 Ländern. Der Name steht für die abgekürzte Bezeichnung «Societas sacerdotalis Sanctae Crucis et Opus Dei». An der Spitze steht ein Prälat mit Sitz in Rom. In der Schweiz gehören der Laienorganisation, die ihren Sitz seit dem Beginn 1956 in Zürich hat, rund 250 Mitglieder an.

Wegen ihres oft im Hintergrund stattfindenden Wirkens und ihres politischen Einflusses gilt Opus Dei als von Geheimnissen umwittert. So wirkte die Organisation seit den 1950er Jahren als starke Stütze der Diktatur von Francisco Franco in Spanien – zuletzt bildeten Opus-Dei-Mitglieder die Mehrheit in Francos Regierung.

Bekannt durch Dan Brown

Auch für das Militärregime von Augusto Pinochet in Chile (1973-1990) hegten Mitglieder dieser Organisation Sympathien. Auf den Entwurf der Verfassung von 1980 sollen sie grossen Einfluss gehabt haben.

In die Schlagzeilen kam Opus Dei 2006 durch die Verfilmung von Dan Browns Bestseller «The Da Vinci Code - Sakrileg», in der sie als düstere Sekte präsentiert wird, deren Mitglieder sich blutig peitschen. Der Vatikan verurteilte den Thriller aufs Schärfste.

Einflussreich in Spanien und Südamerika

Bis heute wird Opus Dei ein grosser Einfluss zugesprochen. Die besonders in Spanien und Südamerika starke Organisation betreibt weltweit sechs Universitäten und zusätzlich verschiedene Schulen, Spitäler und Sozialstationen.

Vor gut einem Jahr sorgte die Festnahme eines zu Opus Dei zählenden spanischen Priesters im Vatikan für Aufsehen, der dort vertrauliche Informationen entwendet und enthüllt hatte. Papst Franziskus machte im Juli mit dem US-Bürger Gregory Joseph Burke ein Opus-Dei-Mitglied zum Mediensprecher.