Offshore-Leaks: Informationsfluss von Singapur in die Schweiz

Offshore-Leaks: Zwei Quellen haben die Unterlagen über mutmassliche Steuerhinterzieher publik gemacht. Eine Person in deren Umfeld hat wohl Diplomatenstatus in Bern.

Koffer bei Kontrolle. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Diplomatengepäck wird nie kontrolliert. Keystone

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Riesiges Datenleck

80 Journalisten aus 46 Ländern hatten die Unterlagen bearbeitet. Die Datenmenge von 260 Gigabytes entspricht einer halben Million Büchern im Umfang der Bibel. Dies sind 160 Mal mehr Unterlagen als Wikileaks 2010 publiziert hatte. Die Veröffentlichung ist damit das grösste Datenleck der Geschichte.

Anonyme Quellen haben einem Journalistennetzwerk einen riesigen Datensatz über geheime Geschäfte in Steueroasen zugänglich gemacht. Wie zahlreiche Medien weltweit – unter ihnen «SonntagsZeitung», «Süddeutsche Zeitung» oder «Le Monde» – berichteten, finden sich in den Unterlagen Hunderte Fälle von Steuerhinterziehung. Gelder erhielten die Journalisten nach eigenen Angaben für ihren Recherchedienst nicht.

Auch Schweizer Banken betroffen

Eine der zwei Quellen ist nach übereinstimmenden Meldungen die Portcullis Trustnet in Singapur. Verwaltungsratspräsident ist Tee Tua-Ba. Trustnet teilte im März mit, dass er zum nicht-residierenden Botschafter Singapurs in der Schweiz ernannt worden ist. Die Behörden Singapurs führen Tee ebenfalls als Botschafter auf. Auf der Liste des diplomatischen Corps des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) findet sich sein Name nicht.

20 Schweizer Banken sind von den Vorwürfen betroffen. Die Unterlagen kamen aus Singapur und aus der Karibik. In der Schweiz sind 300 Personen und 70 Gesellschaften verdächtig. Sie arbeiten vor allem in Zürich, Genf, Lugano und Zug. Einer der bekanntesten Steuerhinterzieher soll der 2011 verstorbene Gunter Sachs sein. Er war Schweizer und lebte im Berner Oberland. Sachs' Willensvollstrecker reagierten umgehend. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Der Kanton Bern will nun Sachs' Steuerdossier nochmals unter die Lupe nehmen. Gegebenenfalls will die bernische Steuerverwaltung auch «mit den  ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten und Mitteln Massnahmen ergreifen».

«Eine Million auf Schweizer Konto»

Die UBS alleine ist laut Unterlagen in über 2900 Gesellschaften in einem Dutzend Steueroasen involviert. Die Credit Suisse in über 700. Die Dokumente zeigen, wie 2006 die Credit Suisse Tochter Clariden Leu verlangte, dass die Offshore-Gesellschaften so gegründet wurden, dass die Eigentümer völlig im Dunkeln blieben.

Die Dokumente enthüllen brisante Schweizer Einzelfälle. Die Daten zeigen etwa, dass hinter diversen Scheinfirmen das Schweizer Konto des Sohnes eines Pakistanischen Ministers steht. Hinter einem Genfer Finanzberater steht eine Freundin von Mutter Theresa. Ein mongolischer Parlamentarier hat nach der Veröffentlichung zugegeben, eine Million Dollar auf einem Schweizer Konto liegen zu haben.

Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen. Den Staaten entgingen dadurch pro Jahr Steuereinnahmen von mindestens 190 Milliarden Dollar.

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Grosse Enthüllung um Steuernetzwerk

1:27 min, aus Tagesschau am Mittag vom 4.4.2013