Zum Inhalt springen
Inhalt

International Pakistan antwortet mit Gewalt auf Gewalt

Pakistan vor knapp einer Woche: Taliban-Kämpfer greifen eine Schule in der nordwestlichen Stadt Peschawar an und töten über 130 Schüler. Es war der schwerste Angriff in der Geschichte Pakistans. Nun reagiert die Regierung und kündigt an, in den kommenden Tagen 500 verurteilte Terroristen zu hängen.

Aufnahme von Gefangenen in weissen Gewändern mit Säcken auf den Köpfen.
Legende: Gefangene Extremisten in Pakistan: Seit 2008 galt eine Aussetzung der Todesstrafe für Terroristen. Keystone/Archiv

Auge um Auge, Zahn um Zahn: Das ist die Antwort der pakistanischen Regierung auf den Angriff auf die Schule in Peschawar. Die Ankündigung der Regierung von heute Montag, in den kommenden Wochen 500 Gefangene hinzurichten, ist Teil dieser Antwort.

Sie hat mit Rache zu tun, nicht mit Gerechtigkeit. Denn es ist kaum anzunehmen, dass diese 500 Totgeweihten etwas mit dem Anschlag in Peschawar zu tun haben.

Einige glauben gar, dass Ministerpräsident Nawaz Sharif mit diesem radikalen Schritt vor allem eines will: Vom grossen Versagen der Armee und des Sicherheitspersonals der Schule ablenken.

Erste Hinrichtungen bereits vollzogen

Kurz nach dem Massaker erklärte Sharif, dass die Todesstrafe wieder vollstreckt werde. Er beendete damit eine Aussetzung der Todesstrafe für Terroristen, die seit 2008 in Kraft war.

Bereits am Freitag wurden die ersten beiden Todesurteile vollstreckt. Am Sonntag wurden vier weitere Verurteilte im Gefängnis von Faisalabad hingerichtet. Auch sie hatten nichts mit dem Anschlag in der Schule von Peschawar zu tun, sondern waren 2003 in einen Anschlag auf den damaligen Militärmachthaber Pervez Musharraf involviert gewesen, wie der Innenminister der Provinz Punjab, Shuja Khanzada, sagte.

Taliban drohen mit Gefängnisstürmung

Die pakistanischen Taliban, welche die Verantwortung für den Anschlag von vergangener Woche übernommen hatten, reagierten bereits mit Drohungen auf die angekündigten Hinrichtungen. «Ihr habt unsere Kinder getötet und wir haben eure getötet. Wir wissen immer noch, wie man Rache nimmt», hiess es in einer Mitteilung der Taliban am Samstag.

Bereits drohen sie, Gefängnisse zu stürmen. Dass die Extremisten das können, haben sie bereits 2012 bewiesen, als sie 400 Häftlinge aus einem Gefängnis im Nordwesten des Landes befreit hatten.

Nicht nur die Regierung und die Taliban üben sich in Drohgebärden und Vergeltungsschlägen. Seit vergangenem Dienstag hat auch die Armee ihre Offensive gegen die Extremisten verstärkt und 170 Personen getötet. Das dürfte den Rachehunger der Taliban vergrössern. Mehr Gewalt ist zu erwarten.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Markus Roth, 3001 Bern
    Die brutale Hinrichtungswelle in Pakistan richtet sich keineswegs gegen die Urheber des Kindermassakers, sondern sind ein Teil des schmutzigen Kriegs gegen in Geheimprozessen zum Tode verurteilte Gegner des Militärs und des Geheimdienstes ISI. Unabhängige Informationen über die Tausenden von missing people in pakistanischen Folterzentren gab es schon 2010: www.independent.co.uk/voices/commentators/fisk/robert-fisk-into-the-terrifying-world-of-pakistans-disappeared-1923153.html
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Es ist aus Studien bekannt, dass die Androhung von Todesstrafe die Delinquenten nicht stärker von ihren Vorhaben abhält, als eine lebenslange Haftstrafe. Terroristen sind auch nur Kriminelle, mit dem Unterschied, ihre Tatmotive mit religiösen oder politischen Ideologien zu begründen. Die Taliban wird dieses „Massenhängen“ nicht vor weiteren Schandtaten abhalten. Einziger "Vorteil", die Hingerichteten können nicht mehr befreit und in den Tötungskreislauf zurückkehren. Es bleibt barbarisch.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    H.B./Der Tod ist keine Strafe.Eher ein Geschenk.Hängen ist nicht unbedingt fair.Wenn der Staat schon der Meinung ist,sich ihrer"entledigen"zu müssen,wieso keine Wahl? Z.B.Natrium Pentobarbital?Dass sie sich so mörderisch,extremistisch entwickelt haben,muss angenommen werden,dass ihnen die Gesellschaftsstruktur nicht gut bekommen ist.Leben sollte freiwillig sein.Ergäbe weniger"Verzweiflungstaten".Mit der Proklamation zum Zwang zu leben,haben sich die Religionen eine grosse Schuld aufgeladen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen