Piraterie-Vorwurf gegen Greenpeace fallen gelassen

Für Russland sind die Greenpeace-Aktivisten offenbar doch keine Piraten: Die Ermittler haben die Anklage gegen die Festgenommenen abgeschwächt. Der neue Vorwurf lautet nun: Rowdytum. Trotzdem ist keine rasche Freilassung der Inhaftierten zu erwarten.

Die «Arctic Sunrise» vor Anker im Russischen Hafen Murmansk. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sieht für Russland offenbar doch nicht wie ein Piratenschiff aus: Die «Arctic Sunrise» vor Anker in Murmansk. Reuters

Nach internationaler Kritik am Vorgehen gegen 30 inhaftierte Umweltschützer der Organisation Greenpeace hat Russland überraschend die Anklage wegen Piraterie fallen gelassen. Die Vorwürfe gegen die Besatzung des Schiffs «Arctic Sunrise» seien auf den Tatbestand des Rowdytums abgemildert worden. Das teilte ein Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde mit.

Damit drohen den Aktivisten nun höchstens sieben Jahre Haft. Zuletzt hatten den Männern und Frauen 15 Jahre Gefängnis als Höchststrafe gedroht. Die Anklage war international als völlig überzogen kritisiert worden.

«Die russischen Justizbehörden versuchen dadurch – zumindest vorerst mal – ihr Gesicht zu wahren», sagt SRF-Korrespondent Peter Gysling. Trotzdem bleiben die Greenpeace-Leute vorerst in Haft in Murmansk. Auch könne die Untersuchungshaft über Ende November hinaus verlängert werden, betont der Korrespondent. Ausserdem bestehe die Möglichkeit, dass die Anklage auf «versuchten Terrorismus» oder «Spionage» ausgeweitet werden könnte.

Als unrealistisch schätzt Gysling die Chance dafür ein, dass die Anklage gegen die Greenpeace-Aktivisten ganz fallen gelassern werden könnte. Immerhin rechnet er damit, dass zumindest die Ausländer unter den Inhaftierten noch vor Ende Jahr frei kommen könnten – schliesslich stehen im Februar im russischen Sotschi Olympische Spiele an. Negative Schlagzeilen sind da nicht gut fürs Image.