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Wikileaks im US-Wahlkampf «Politische Beeinflussung durch Geheimdienste wird es mehr geben»

Internet-Angriffe auf die US-Demokraten: Hacker im Auftrag Russlands? Experte Thomas Rid über neue politische Einflussnahme.

Legende: Audio Hackerangriffe auf Demokraten – Erfolg für den Kreml? abspielen. Laufzeit 07:59 Minuten.
07:59 min, aus Echo der Zeit vom 15.12.2016.

Russische Hacker drangen vor den US-Präsidentschaftswahlen in Computersysteme der Demokratischen Partei ein. Später wurden Dokumente veröffentlicht, die Hillary Clinton schaden sollten. Sicherheitsexperte Thomas Rid geht davon aus, dass solche Operationen in anderen Ländern wiederholt werden.

SRF News: Deutet diese Art von Angriffen auf den Kreml hin?

Thomas Rid: Es deutet sehr viel auf den Kreml und auf russische Akteure hin. Wichtig ist aber der historische Kontext: Schon seit 20 Jahren hackt Russland amerikanische Ziele. Und seit fast 90 Jahren macht Russland Desinformations-Kampagnen mit speziellen Abteilungen in den Nachrichtendiensten. Was wir hier sehen, ist die Kombination dieser beiden Fähigkeiten.

Laut US-Geheimdiensten war Wladmir Putin über diese Angriffe eingeweiht. War das tatsächlich Chefsache?

Seit rund zwei Jahren ist Russland an mehreren Fronten sehr aktiv im militärischen und diplomatischen Bereich, vor allem im Nachrichtendienst: Ukraine und Syrien sind nur die zwei sichtbarsten. Hier läuft ein Wettbewerb um Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel zwischen den Nachrichtendiensten innerhalb Russlands. Die Wahlbeeinflussung in den USA war aber anfangs nicht von Putin kontrolliert worden. Als es dann politisch immer brisanter wurde, würde ich es für sehr plausibel halten, dass Putin dann mal mitreden wollte.

Wollten die russischen Hacker und Wikileaks Donald Trump helfen?

Die russischen Akteure haben Server sowohl der demokratischen wie auch der republikanischen Partei gehackt. Sie haben aber nur die Daten der Demokraten veröffentlicht! Das bedeutet, dass es eine Bevorzugung von demokratischen Zielen gab.

Zwei Polizisten laufen an der Mauer des Moskauer Kremls vorbei.
Legende: Wie wirkungsvoll ist die Einflussnahme des russischen Machtzentrums hinter den Mauern des Moskauer Kremls? imago

Wikileaks hat die Dokumente veröffentlicht. Hat sich Julian Assanges Plattform damit vom Kreml instrumentalisieren lassen?

Es ist nicht das erste Mal. Es gibt vier Fälle, bei denen mit grosser Wahrscheinlichkeit Wikileaks von Nachrichtendiensten als Veröffentlichungsplattform genutzt wurde. Aus Sicht der Nachrichtendienste ist es noch wirkungsvoller, wenn Assange nicht glaubt, dass er ein verlängerter Arm eines Nachrichtendienstes ist, sondern wenn er glaubt, für einen guten Zweck zu arbeiten.

Es liegt doch in der Natur der Sache, dass eine Plattform, die freien Zugang zu Informationen fordert, solche Dokumente auch veröffentlicht.

Ja, aber man muss auch hinter die Kulissen schauen. Die beiden russischen Leak-Websites, die speziell für die US-Wahlen eingerichtet wurden – Guccifer 2.0 , Link öffnet in einem neuen Fensterund DC Leaks, Link öffnet in einem neuen Fenster – haben sich aktiv auf Journalisten des gesamten Medienspektrums in den USA hin bewegt und ihnen gezielt Daten von gehackten demokratischen Servern gegeben, die nicht veröffentlicht wurden.

Das ist hoch innovativ und das muss man respektieren. Daraus stellt sich aber die Frage, wie Medien mit gehacktem, geleaktem Material umgehen.

Der russische Nachrichtendienst hat sich also verhalten wie eine Public-Relations-Agentur und gezielt den Wettbewerb zwischen Journalisten ausgenutzt.

Legende: Video Clinton wirft Trump Einmischung Russlands vor abspielen. Laufzeit 02:30 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.10.2016.

Wird diese Art der Einflussnahme in politischen Prozessen in Zukunft vermehrt vorkommen?

Es ist extrem schwierig zu sagen, wie erfolgreich diese Operation war und ob die Wahl von Donald Trump wirklich beeinflusst worden ist. Aber die Leute, die diese Operation durchgeführt haben, werden nun mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Chefs sagen:

Ich gehe absolut davon aus, dass solche Operationen in anderen Ländern wiederholt werden. Und ganz wichtig: Diese Operation und deren Effekt ist noch nicht abgeschlossen. Der Riss zwischen den US-Nachrichtendiensten und der kommenden Regierung Trump ist so tief und zerstörerisch wie noch nie in der Geschichte des US-Sicherheitsapparats. Das ist ein direkter und auch der wichtigste Erfolg diese Operation, eine inneramerikanische Spaltung in der Regierungsadministration hervorzurufen.

Wir haben Erfolg gehabt und das sehr kosteneffizient und mit geringem Risiko.

Sehen sie Anzeichen dafür, dass die USA oder andere westliche Staaten mit ähnlichen Hackerangriffen versuchen, im Ausland politische Prozesse zu beeinflussen?

Die Frage ist: Welche Art von nachrichtendienstlichen Operationen wollen wir als liberale Demokratien tolerieren und durchführen?

Aktive, verdeckte Einflussnahme auf Wahlen in anderen Demokratien ist nicht vertretbar.

Aber die Amerikaner scheinen darüber nachzudenken, möglicherweise Informationen über Wladimir Putins Finanzaffären öffentlich zu machen. Das würde dann aber nur das legitimieren, was Russland mit seinen Operationen getan hat. Die Debatte muss jetzt geführt werden, das ist ethisch richtig und strategisch klug.

Das Gespräch führte Roman Fillinger.

Thomas Rid

Thomas Rid
Legende: Kings' College London

Der Deutsche ist Professor für Sicherheitsstudien am King‘s College in London. Thomas Rids Spezialgebiet ist die Rolle von Informations-Technologien in Konflikten.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Man erinnere sich an die Geschichte mit Merkels Hand und anschliessend Merkes Entrüstung. Es liegt mir noch im Ohr: "Ausspionieren unter Freunden - das geht gar nicht!". Und diese Oberausspionierer USA, die u.a. auch in Genf auf dem Dach der US-Botschaft, nahe der Uno-Gebäude, eine Spionagestelle betreiben (selbstverständlich geduldet von unseren Behörden), wollen nun glaubhaft Russland bezichtigen? Die USA haben tausende Spione, verteilt über die ganze Welt - auch bei "Freunden"...
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Natürlich werden die Russen versuchen die Politik in Europa zu beeinflussen. Warum auch nicht? Der "Westen" macht nichts anderes, um sein Interessen in anderen Ländern durchzusetzen. Denke man nur an die Art, wie europäische Medien in Einigkeit über D. Trump hergezogen sind. Nicht viel anders wird V. Putin dargestellt. Aber, hat das bis jetzt irgend etwas beeinflusst? Nein! Genau sowenig sind die Russen in der Lage, die Wahlen in Deutschland, Frankreich, Italien etc. nachhaltig zu beeinflussen.
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    1. Antwort von marlene Zelger (Marlene Zelger)
      Eher werden die EU Bosse die nächsten Gesamtereuerungswahlen in der Schweiz beeinflussen.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Wer hat Merkel zur Wahl geholfen oder zu mindestens massiv eingegriffen? Wer hat DSK wegen Nichtigkeiten politisch ins Abseits gestellt? etc. etc. etc. etc. ... Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt, war bei Pippi Langstrumpf charmant und entlarvend. In der realen Politik ist es einfach nur fieser Betrug mit weltweiten katastrophalen Konsequenzen.
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