Politisches Chaos im Urlaubsparadies

Auf den Malediven sind die geplanten Neuwahlen für das Präsidentenamt erneut verschoben worden. Die Polizei verhinderte die Öffnung der Wahllokale.

Ein Strandbild von den Malediven. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Idylle trügt: Auf den Malediven herrscht derzeit politisch kein Sonnenschein. Keystone

Kurz vor der Öffnung der Wahllokale um 7.30 Uhr (4.30 Uhr MESZ) am
Samstagmorgen verhinderte die Polizei die Durchführung der Wahl. «Wir waren in den Vorbereitungen der Wahl, als die Polizei uns sagte, dass kein einziges Wahldokument die Büros der Kommission verlassen kann», teilte die unabhängige Wahlkommission des Inselstaates im Indischen Ozean mit.

Soldaten fahren auf Motorrädern auf einer überfluteten Strasse in Male. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Keine Regierung – überflutete Strassen: Malediven versinkt momentan im Chaos. Keystone

Erste Runde annuliert

Damit sei die Abstimmung gestoppt. «Die Situation ist sehr angespannt, es herrscht viel Unsicherheit», sagte Aiman Rasheed von der Antikorruptionsorganisation Transparency International in der Hauptstadt Male.

Der neue Urnengang war nötig geworden, weil das Oberste Gericht des Landes die erste Runde der Präsidentschaftswahl von Anfang September wegen Unregelmässigkeiten annulliert hatte. Dies, obwohl alle nationalen und internationalen Beobachter die Abstimmung in der jungen Demokratie als fair und frei einschätzten.

Unklare Zukunft

Den ersten Wahlgang hatte der vor anderthalb Jahren gestürzte frühere Staatschef Mohammed Nasheed mit rund 45 Prozent der Stimmen gewonnen. Gefolgt wurde er von Abdullah Yameen, einem Halbbruder des früheren Machthabers Maumoon Abdul Gayoom. Dieser hatte das Land bis zur ersten demokratischen Wahl 2008 dreissig Jahre lang mit harter Hand regiert.

Wie es nun in dem Urlaubsparadies politisch weitergeht, ist völlig offen. Die Verfassung des muslimischen Landes sagt nichts darüber aus, was passieren soll, wenn die Amtszeit des derzeitigen Präsidenten Mohammed Waheed Hassan am 11. November endet und bis dahin kein neuer Präsident gefunden wurde.