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International Politologe zu Gefangenenaustausch: Russland will Donezk nicht

In der Ukraine werden derzeit Gefangene ausgetauscht; 150 ukrainische Soldaten gegen 225 Separatisten. Für den Moskauer Politologen Piotr A. Fedosov ist das ein bescheidener, aber positiver Schritt. Er sieht aber weitere Schwierigkeiten auf das Land zukommen.

Ein ukrainischer Soldat begleitet eine Gruppe gefangener Separatisten, die jetzt freigelassen werden.
Legende: Ein ukrainischer Soldat begleitet eine Gruppe gefangener Separatisten, die jetzt freigelassen werden. Keystone

Die Separatisten in der Ostukraine und Vertreter der Regierung in Kiew haben am Freitagabend mit dem bisher umfangreichsten Gefangenenaustausch im achtmonatigen Konflikt begonnen. Der Austausch dauert weiter an.

Russland kein Verhandlungspartner

Für den Moskauer Politologen Piotr A. Fedosov kann man dieses Ereignis als «bescheidenen, aber positiven Schritt» werten. Der Austausch sei ein ganz reales Ergebnis. Weitere Schritte könnten folgen, wenn man die Verhandlungen beharrlich fortsetze, sagt Fedosov im Interview mit Radio SRF.

Doch zwischen der Ukraine und den von pro-russischen Separatisten besetzten Gebieten in Donezk und Lugansk herrscht eine Patt-Situation. Denn laut Fedosov ist die russische Regierung nicht daran interessiert, die umkämpften Gebiete einzuverleiben. Moskau wolle auch keine Verantwortung übernehmen für das Finanzsystem in den Gebieten.

Die Lösung wäre gemäss dem Politologen, dass Kiew die Separatisten-Regierungen in Donezk und Lugansk als Verhandlungspartner anerkenne. Russland würde allenfalls Hilfe leisten als Aufsichtsgremium oder für die Vermittlung, aber nicht als Verhandlungspartner.

Einzige Gewinnerin: die USA

Dass die Ukraine die Blockfreiheit aufgehoben und damit den Weg für einen Nato-Beitritt freigemacht hat, werde in Russland mit Skepsis betrachtet, sagt Fedosov. Dies sei eine wesentliche Neuerung.

Russland hatte nach Bekanntwerden dieser Nachricht die Verteidigungsdoktrin überarbeitet. Eine ausführliche Analyse dieser Doktrin sei bisher nicht möglich gewesen, betont Fedosov. Eine erste Lektüre der Doktrin habe aber gezeigt, dass die Formulierungen von 2010 teilweise erhärtet worden seien.

Kein Erstschlag geplant

Gefahren, die in der Doktrin von 2010 aufgezählt worden, seien, würden heute als akuter eingestuft. Doch Russland werde bei seiner Verteidigungsstrategie bleiben – ein Erstschlag sei nicht geplant.

Dennoch habe man in Russland das Gefühl, bedroht zu werden. Die wirtschaftliche Situation der Ukraine sei kompliziert – ohne eine Finanzspritze von 10 bis 15 Milliarden Dollar drohe ein Staatsbankrott. Verlieren würden dann nach Ansicht des Experten Russland und die EU als grösste Handelspartner.

Die Situation in der Ukraine entspreche aber den Interessen der USA, glaubt der Politologe. Europa sehe sich gezwungen, mehr Wert zu legen auf die Vorherrschaft der USA und die Rolle der Supermacht in der Nato.

Gefangene werden ausgetauscht

150 ukrainische Soldaten gegen 225 Separatisten: Der Gefangenenaustausch in der Ukraine hat begonnen. Von einem Friedensplan sind die Ukraine und die Separatisten aber weit entfernt. Das Treffen vom Freitag wurde abgesagt. Lesen Sie hier mehr dazu.

Zu Piotr A. Fedosov

Piotr A. Fedosov ist Politologe in Moskau. Er arbeitet für ein privates Büro für Polit-Analysen. Er ist Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von M.Krebser, BE
    @Michael Schneider. Erinnern Sie sich noch als die Kiever Junta die Stadt Lugansk am 2.Juni aus dem Flugzeug bombardiert hat und viele Leute dadurch starben? Darunter war Ukrainerin Irina Kukuruza. Jetzt ist ihre Tochter bei den Aufständigen in Donbass. Nach dem Massaker in Odessa, als ukrainische Neo-Nazi die pro-russische Föderalisten ermordet haben, beim lebendigem Leib verbrannt haben, darunter viele ältere Menschen, Kinder, haben sich die Verwandte ebenfalls den Widerstand angeschlossen.
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  • Kommentar von Stanic Drago, Delemont
    Was unsere Medien nicht schreiben. Seit Monaten reden wir über russische Urlauber in Ukraine. Leider niemand redet über Urlauber aus Polen, Schweden, Deutschland, Kroatien, USA, oder Baltische Länder. Es gibt mehrere Bilder in Internet mit diesen Soldaten. Polen hat zugegeben, seit 2013 Ausbildung Camps für National Garde zu unterhalten. Während dieses Jahr bis Oktober Russland 300 mal entlang EU Grenze flog, hat NATO über 3000 Flüge entlang Russische Grenze unternommen. Sind NATO Quelle.
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    1. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Einer der Gründe, warum ich meinen Internetanschluss per 31. Dezember gekündigt habe. Es bringt niemandem weiter, wenn man die Schäfchen mit einseitigen Halbwahrheiten informiert. Ich mag nicht mehr, die Menschen aufklären zu wollen. Es wird immer welche geben, die lieber in einer propagierten Scheinwelt leben wollen. Mit einem einfachen Weltbild hat der Tag eben Struktur. Und die können ihre Medien-Märchen (zB. russische Invasion) erzählen, es wird dadurch aber nicht wahrer... Also; was solls!?
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  • Kommentar von Stanic Drago, Delemont
    Was unsere Medien nicht schreiben. Heute Morgen um 06:00 ist zu neue Panne in AKW Zaporozje gekommen. Block 6 würde abgeschälten. Freiwillige in UA bekommen für Ihre Einsatz in Kirowgrad Bauland Parzellen. Wieder Bomben Anschäge in Odessa Chrakiv und Cherson. Neue Demo vor Parlament in Kiew. Polizei Einsatz war notwendig. In mehrere Ortschaften Stromunterbruch. Russland liefert Kohle und Strom ohne Vorkasse an Ukraine.
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