Polizeigewalt wird in Cleveland zum Politikum

Drei getötete Polizisten in Baton Rouge, fünf in Dallas: Die Ereignisse der letzten Tage haben viele Menschen in den USA erschüttert. Sie fragen sich, wohin das Land steuert. Auch in Cleveland, wo die Republikaner derzeit ihren Parteitag abhalten, ist die Gewalt von und gegen Polizisten ein Thema.

Eine Frau fotografiert Polizeikräfte in voller Montur mit Mountainbikes. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Black Lives Matter», skandieren Demonstranten vor dem von Polizisten beschützten Parteitag der Republikaner. Keystone

Corrigan Vaughn steht auf der Bühne in einem Park von Cleveland und hat sein Publikum im Griff. «Ja», rufen die Trump-Fans mit den Plakaten und den «Hillary ins Gefängnis»-T-Shirts, «wir sind hier für Donald Trump!» Vaughn ist Afroamerikaner und kommt aus Baltimore. Dort brachen vor mehr als einem Jahr Unruhen aus, nachdem der Schwarze Freddy Gray auf der Fahrt zum Polizeirevier gestorben war.

Wie in Ferguson seien die Leute von ausserhalb Baltimores gekommen und hätten Radau gemacht, behauptet er. Vaughn, der als Quereinsteiger gerne ins US-Parlament möchte, redet nicht über Polizisten und Rassismus, sondern über Law and Order, so, wie es auch Donald Trump tut. Und er stösst damit bei den angereisten Republikanern auf offene Ohren.

Nicht alle Polizisten in einen Topf werfen

Nicht nur draussen im Park, sondern auch in der Arena, wo sich die Delegierten der Partei versammelt haben, äussern sich die Menschen besorgt. George Flint trägt einen Cowboyhut und ein rot-weiss-blaues Hemd. Der Delegierte kommt aus Dallas, wo vor zehn Tagen fünf Polizisten erschossen wurden.

«Ich habe Angst, dass der Rechtsstaat zusammenbricht», sagt er. Er sei sicher, dass nicht alle Polizisten die Bürgerinnen und Bürger stets tadellos behandelten. Er sei Anwalt, und er kenne viele schlechte Anwälte. Doch das gebe niemandem das Recht, alle Anwälte in einen Topf zu werfen. Und das dürfe man auch mit Polizisten nicht tun, die ihr Leben für die Bevölkerung aufs Spiel setzten.

Ty Turner war früher selber Polizist. Am Parteitag vertritt der Afroamerikaner den Bundesstaat North Carolina. In den letzten drei Wochen seien die Flaggen öfter auf Halbmast gewesen als normal hochgezogen. So könne das nicht weitergehen.

Ehemaliger Demokrat enttäuscht von Obama

Er ortet das Problem in Washington. Präsident Barack Obama rede schön, aber er handle nicht, sagt er, und tönt dabei fast wie Trump. 2008 war Turner noch ein Demokrat und von Obama begeistert, erzählt er. Nun sei er nur noch enttäuscht. Obama habe das Land gespalten und nicht wie versprochen geeint. Trump wisse als Geschäftsmann, wie man auf die Leute zugehe und Probleme anpacke.

Draussen vor der Arena zieht ein Demonstrationszug gegen Trump vorbei. «Black Lives Matter», Schwarze seien genauso wichtig, skandieren die Menschen. Ein Afroamerikaner am Strassenrand sagt: Eigentlich seien alle Menschenleben wichtig.