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International Polizisten erschiessen 12-Jährigen wegen Spielzeugpistole

Notruf bei der Polizei im US-Staat Ohio: Ein Zwölfjähriger richtet auf einem Spielplatz angeblich eine Waffe auf andere Personen. Beamte stellen den Jungen. Kurz darauf ist er tot.

Legende: Video USA: Polizisten erschiessen Kind abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 24.11.2014.

Polizisten in der US-Stadt Cleveland (Ohio) haben einen schwarzen Zwölfjährigen erschossen, nachdem der Junge nach einer Druckluft-Spielpistole gegriffen hatte. Der Polizei zufolge ähnelte sie einer halbautomatischen Waffe. Ein orangefarbenes Zeichen, das sie als ungefährlich ausweisen sollte, sei abgekratzt gewesen. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein, die beiden Beamten wurden vorläufig beurlaubt.

Der abgesperrte Tatort in Cleveland.
Legende: Der Tatort in Cleveland: Laut Informationen der Polizei wussten die Polizisten nichts von der Spielzeugwaffe. Keystone

Ein Augenzeuge hatte die Polizei alarmiert und von einer Person berichtet, die auf dem Spielplatz eines Freizeitzentrums eine Waffe auf andere Menschen richte. Laut Polizei haben zwei Beamte den Verdächtigen dann gestellt und ihn aufgefordert, die Hände hoch zu nehmen. Der Junge habe das nicht befolgt und stattdessen in seinen Hosenbund gegriffen, um seine Waffe zu ziehen. Daraufhin hättenn die Beamten geschossen und ihn im Bauch getroffen.

Der Zeitung «Plain Dealer» zufolge starb der Junge am Sonntag in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen. Der Augenzeuge hatte offenbar in seinem Anruf bei der Polizei darauf hingewiesen, dass die Waffe wahrscheinlich nicht echt und die Person wahrscheinlich ein Jugendlicher sei. Das sei den beiden Polizeibeamten aber nicht kommuniziert worden, sagte der Chef der Vereinigung der Streifenpolizisten.

Wut und Trauer

Familie und Freunde des zwölfjährigen Tamir sind wütend und schockiert. Viele legten am Unglücksort Poster, Kerzen und Kuscheltiere nieder. «Ich versuche nicht zu weinen, aber es tut so weh», sagte der Vater des getöteten Jungen der Onlineausgabe von «USA Today». «Er war doch erst zwölf Jahre alt und wusste nicht, was er tat. Die Polizisten aber wussten, was sie tun.»

Die Spielzeugwaffe des 12-Jährigen
Legende: Diese Spielzeugwaffe soll der 12-Jährige bei sich getragen haben. Keystone

Der stellvertretende Polizeichef von Cleveland Ed Tomba bedauerte den «sehr sehr tragischen» Vorfall, verteidigte jedoch das Vorgehen der beiden Beamten. «Sie machten ihren Job», sagte Tomba.

Anders als in der Kleinstadt Ferguson in Missouri, wo eine Jury darüber entscheiden muss, ob ein weisser Polizist vor Gericht kommt, der einen unbewaffneten schwarzen Teenager erschossen hatte, wird in Cleveland ein möglicher rassistischer Hintergrund ausgeschlossen. «In dem Fall geht es nicht um das Thema schwarz und weiss, sondern richtig und falsch», sagte der Anwalt der Familie des ebenfalls schwarzen Jungen laut CNN.

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48 Kommentare

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  • Kommentar von G. Gubler, Zürich
    Gewiss, so eine realitätsgetreue Spielzeugwaffe, noch dazu im Besitz eines Kindes, welches damit in der Öffentlichkeit spielt, ist fraglich. Die Verhaltensweise der zuständigen Polizisten ist jedoch zutiefst beschämend. Zwei Männer schiessen einem 12 jährigen in den Bauch? Mir fehlen die Worte.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    übrigens, der unbewaffnete schwarze Teenager war ein 18-Jähriger grosser und breiter Mann, der offenbar kurz vorher einen Ladenbesitzer um etwas 'erleichtert' hatte. Es tönt einfach zu einfach, wie's oben steht.
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    1. Antwort von D. Thrum, Zuerich
      Ahja, gross zu sein ist jetzt ein Verbrechen? Die Sache mit den gestohlenen Cigarillos alles andere als ein Fakt: Die Ueberwachungskamera zeigt die falsche Uhrzeit und der Taeter hat andere Kleidung an. Selbst wenn es aber so gewesen sein soll: 30 Cent Cigarillos sind ein Grund zu sterben? Zudem: Ohio hier ist ein 'open carry' Staat. Scheint aber offenbar nur fuer Weisse zu gelten.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    In den 50/60-er war es auch in der Schweiz üblich, dass Schulkinder mit, an Kirmes erworbenen, „Chäpsli“ Pistolen Räuber&Poli oder Cowboy&Indianer spielten. Das lasen wir in Büchern. Karl May & Co. lässt grüssen. So erlebte ich es und wuchs noch ohne TV auf. Meine Eltern waren darüber nie begeistert, aber tolerierten es mit der Auflage: „Man zielt mit Schusswaffen nicht auf Menschen!“ In der RS lernte ich dann das Gegenteil. Hyperventiliert hat darob die Gesellschaft damals nicht. Heute schon!
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