Pontifex auf Kuba – ein Bad in der Menge

Franziskus ist auf der Karibikinsel begeistert empfangen worden. In seiner Predigt in Havanna mahnte er dann die Politik, mehr im Dienste der Menschen zu stehen. Die Annäherung zwischen den einstigen Erzfeinden USA und Kuba ist ihm ein persönliches Anliegen.

Tausende Menschen stehen dicht an dicht um den Papst in seinem Papamobil in Havanna. (reuters) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Finde den Papst: Die Kubaner sind begeistert – und der 78-Jährige Franziskus freut sich auf eine volle Messe. Reuters

Zusatzinhalt überspringen

Junge in die Messe holen

Jahrelang war eine offene Ausübung des Glaubens auf Kuba nicht möglich – viele Priester verliessen das Land. Heute gilt Religionsfreiheit. Die Zahl von 60 Prozent getauften Katholiken hört sich nach viel an. Doch nur zwei Prozent besuchen laut Bischofskonferenz regelmässig eine Messe. Gerade um junge Menschen wirbt Papst Franziskus in Kuba.

Tausende Menschen haben Papst Franziskus auf Kuba herzlich empfangen. Sprechchöre begleiteten den Pontifex, während er im offenen Papamobil durch die Strassen von Havanna fuhr.

Danach hielt Franziskus eine Messe vor Hunderttausenden Menschen auf dem Revolutionsplatz in Havanna.

In seiner Predigt warnte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor einer Politik, die von Ideologie getrieben sei und nicht im Dienste der Menschen stehe. «Denn man dient nicht Ideen, sondern man dient den Menschen», so Franziskus. Eine Kritik, die direkt an die Adresse der kubanischen Regierung geht.

Weg der Versöhnung weitergehen

Der Papst hatte aber auch ein Lob auf die Karibikinsel mitgebracht. So sagte er etwa, die Annäherung zwischen den einstigen Erzfeinden USA und Kuba sei vorbildhaft für die ganze Welt. Er ermuntere die verantwortlichen Politiker, weiter auf dem Weg der Versöhnung voranzuschreiten. «Als Beweis für den erhabenen Dienst, den zu leisten sie berufen sind für den Frieden und das Wohlergehen ihrer Völker.»

Franziskus selbst hatte die Annäherung der einstigen Erzfeinde vermittelt. Seit Juli haben beide Staaten wieder Botschaften im anderen Land.

Vor dem Besuch des Papstes hatte Kubas Staatschef Raúl Castro mit US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat über eine weitere Annäherung gesprochen. Dieses Telefonat war deren erstes direktes Gespräch seit ihrer historischen Begegnung beim Amerika-Gipfel in Panama im April.

Ehrerbietung an Fidel

Papst Franziskus hat auch Fidel Castro – den Anführer der Revolution von 1959 – getroffen. Der Pontifex habe den 89-Jährigen in Havanna besucht, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

Papst Franziskus fordert religiöse Freiheiten

1:18 min, aus Tagesschau vom 20.9.2015

Das «sehr vertraute und formlose Gespräch» in der Residenz Castros habe 30 bis 40 Minuten gedauert. Anschliessend tauschten die beiden Männer Geschenke aus. Castro schenkte dem Papst ein Buch, Franziskus hatte ebenfalls Bücher für Castro dabei.

Zuvor hatte Franziskus über Staatschef Raúl dessen Bruder Fidel «den Ausdruck seiner speziellen Achtung und Ehrerbietung» übermittelt.

Am kommenden Dienstag wird der Franziskus in die USA weiterreisen. Er ist nach Johannes Paul II. (1998) und Benedikt XVI. (2012) als dritter Papst auf Kuba und der erste, der Kuba und die USA während einer Reise besucht.