Zum Inhalt springen
Inhalt

Weltweites Ranking Pressefreiheit unter Druck – auch in demokratischen Ländern

Zensur, Drohungen, Morde – Journalisten leben weltweit gefährlich. Reporter ohne Grenzen zieht Fazit.

Legende:
Journalisten weltweit in Haft Quelle: Reporter ohne Grenzen

Links:

Der Spielraum für Journalisten wird weltweit immer enger. So das Fazit der Organisation Reporter ohne Grenzen in ihrem jährlichem Bericht zur Pressefreiheit. Hier eine Zusammenstellung der zentralen Punkte zum Ranking des Jahres 2016:

Wichtige Auf- und Absteiger

Grösster Absteiger in der Rangliste der Pressefreiheit ist Nicaragua (neu Rang 92, -17). Die Wiederwahl von Präsident Daniel Ortega für eine dritte Amtszeit im November 2016 ging einher mit Zensur, Einschüchterung und Drohungen gegen unabhängige Journalisten.

Italien (neu Rang 52) hat seine Platzierung um 25 Ränge verbessert. Dennoch gehört es zu den europäischen Ländern, in denen besonders viele Journalisten durch organisierte Kriminalität bedroht werden. Sechs Journalisten stehen wegen Todesdrohungen insbesondere durch die Mafia derzeit rund um die Uhr unter Polizeischutz.

Die Türkei hat sich um vier Plätze verschlechtert und steht nun auf Platz 155 der Rangliste. Seit dem Putschversuch im Juli 2016 hat die Repression gegen unabhängige Journalisten und Medien zugenommen. Rund 150 Journalisten sitzen im Gefängnis, etwa 150 Medien wurden geschlossen und Hunderte Presseausweise annulliert. In den vergangenen zwölf Jahren hat sich die Türkei um insgesamt 57 Plätze auf der Rangliste verschlechtert.

Legende:
Getötete Journalisten weltweit während ihrer Berufsausübung, Quelle: Reporter ohne Grenzen

Spitzenreiter und Schlusslichter

Erstmals seit sechs Jahren muss Finnland (neu Rang 3) den ersten Platz räumen. Ende 2016 stoppte der öffentlich-rechtliche Rundfunk YLE offenbar auf Druck von Ministerpräsident Juha Sipilä seine Berichterstattung zu mutmasslichen Interessenkonflikten des Politikers. Im Frühjahr 2016 hatten die Finanzbehörden den Sender unter Androhung von Hausdurchsuchungen aufgefordert, die Panama Papers und alles damit zusammenhängende Material an die Behörden zu übergeben.

Vor Finnland nehmen nun Norwegen (neu Rang 1, +2) und Schweden (2, +6) die Spitzenplätze ein. Dazu tragen etwa liberale Regelungen über den Zugang zu Behördeninformationen sowie der Schutz journalistischer Quellen bei.

Eritrea (neu Rang 179) hat sich um einen Rang verbessert und steht damit erstmals seit zehn Jahren nicht mehr auf dem letzten Platz der Rangliste der Pressefreiheit. 2016 durften einige wenige ausländische Journalisten in das Land reisen und berichten, wenn auch unter strenger Aufsicht. Auf den letzten Platz ist Nordkorea (180, -1) gerückt.

Die Schweiz unter Top 10

Die Schweiz belegt wie bereits im Vorjahr Platz 7. Reporter ohne Grenzen beurteilt die Pressefreiheit insgesamt als gut und stabil. Die Organisation begrüsste zudem, dass die Schweiz die Schaffung eines Mandats für einen Sondervertreter des UNO-Generalsekretärs für die Sicherheit von Journalisten unterstützen will.

Zu den negativen Trends in der Schweiz zählt die prekäre wirtschaftliche Lage vieler Pressetitel, die zunehmende Konzentration von Medieneigentum und der mangelnde investigative Journalismus.

Globale Lage

Die Lage für Journalisten und unabhängige Medien wird prekärer. In autoritär geführten Staaten und Diktaturen ist der Umgang mit den Medien nach wie vor von Zensur und Verfolgung gezeichnet. Aber auch in demokratischen Ländern steht die Presse unter zunehmendem Druck.

In den USA, in Polen oder Grossbritannien äusserten Politiker öffentlich ihre Geringschätzung für Journalisten. So tragen «Überwachungsobsessionen» und Verletzungen des Quellenschutzes zu einer negativen Wende bei. Donald Trumps Aufstieg an die Macht in den USA und die Brexit-Kampagne in Grossbritannien waren geprägt von Medien-Bashing.

Die Methode

Die Rangliste von Reporter ohne Grenzen versucht, den Grad der Freiheit wiederzugeben, die Journalisten, Blogger und Medien in 180 Ländern haben. Ihre Grundlage ist ein Fragebogen zu unabhängiger journalistischer Arbeit, den Reporter ohne Grenzen in 20 Sprachen an Journalisten, Wissenschaftler, Juristen und Menschenrechtsverteidiger weltweit verschickt. Das neue Ranking bezieht sich auf das Jahr 2016.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Journalisten müssen sich ihrem jeweiligen Chefredaktor anpassen, wenn sie Karriere machen wollen. Dieser Umstand allein erklärt schon einiges. Die Zusammenlegung vieler Medienhäuser auf weniger fördert diese Entwicklung zusätzlich. Ein weiteres Problem ist die Vermischung von Tatsachen und Meinungen. Früher waren Berichte und deren Analysen klar von Kommentaren getrennt - heute ist alles zusammen ein "insalata mista".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Wenn die europäische Presse gemeinhin so frei und unabhängig ist, dann kann das nur bedeuten, dass viele Journalisten und Redakteure entweder völlig naiv, gehirngewaschen oder korrupt sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Graf (U.G)
    Pressefreiheit bedeutet freie Berichterstattung. Das bedeutet aber nicht das alles wichtige gebracht wird. Wir leben in einer Meinungszensur. Enorm wichtige Themen werden von den MainstramMedien bewusst verschwiegen. Beispiele gefällig? Riesen Truppenversch. Richtung RU durch USNATO, Viele Expertenstimmen zu Giftgastäter in Syrien, ganze Stadtgebiete in SW, B, F, D, unter Islamischer Sharia (noGo Aeris) grosse Gewalt in EU Flüchtlingsheimen und Redeverbot bei Sanität, NGOs usw. Freie Presse??
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Die Verschiebung von NATO Truppen an die Ostgrenze wurde ausführlich durch die Presse berichtet. Ebenfalls waren in den ach so bösen MSM Berichte über Zweifel an den Tätern beim Giftgaseinsatz zu lesen. Die Berichte über NoGo Areale werden zudem massivst aufgebauscht und geben oft nicht die wahren Gegebenheiten wieder. Hier findet keine Zensur statt, da "Alternative Medien" nicht an der Berichterstattung gehindert werden. Hier wird wieder etwas propagiert, was nicht ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Urs Graf (U.G)
      Sorry, Mica stimmt einfach nicht: WO? genau wurde AUSFÜHRLICH berichtet? Eine kurze Meldung, danach eisernes Schweigen. Zensur in den Kommentaren inkl. Antworten und Inhalten sind Realität. Auch korrekte Antworten zu Kommentaren werden verweigert. Lesen sie doch z.B. mal einen Monat lang mal täglich: epochtimes.de, RU.com, pjmedia.com, expresszeitung.com usw. uns sie werden sehen was alles nicht berichtet wird. Und selbst wenn mal was erwähnt wird: Ein echter Bericht ist definitiv was anderes.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Es wurde in einem Jahr 3 mal über die Truppenverlegung berichtet. Anscheinend informieren die MSM besser als ihre Medienfavoriten. Ich lese auch sonst viele Newsseiten, welche ich eher zweifelhaft finde aber ich lasse mich nicht ganz so einfach manipulieren. Höre alles - glaube nichts.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen