Pressefreiheit: Zeichner sind am meisten bedroht

Um die Pressefreiheit steht es so schlecht wie seit vielen Jahren nicht mehr. Am härtesten betroffen sind vielerorts die Karikaturisten, also die Beobachter mit der spitzesten Feder. Deshalb schenkt ihnen die UNO ein besonderes Augenmerk.

Charlie Hebdo erste Ausgabe nach dem Attentat Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Unvergessen das Attentat auf die Redaktion von «Charlie Hebdo», bei dem 11 Menschen getötet wurden. Keystone/Archiv

Sie bezeichnen sich selber mitunter als die «Infanterie der Demokratie». Als jene, die am besten wissen, wo man eine Granate platzieren muss, damit die Detonation spektakulär ausfällt. Ihre Waffen sind Bleistift und Filzstift, Pinsel und Feder. Weil die aber äusserst potent sind, geraten sie immer stärker unter Druck. Deshalb widmet die UNO den Karikaturisten am Tag der Pressefreiheit gleich mehrere Sonderveranstaltungen.

Vor allem eines vermöchten Karikaturisten, meinte da Liza Donnelly, Zeichnerin beim Magazin «New Yorker»: «Wir helfen, die Welt besser zu verstehen und zwar über das Lachen.» Der Humor erhalte heute zu wenig Respekt, sagt Donnelly.

Nicht alle vertragen Karikaturen

Jean Plantu wiederum, der seit Jahrzehnten den französischen «Le Monde» mit seiner Titelseitenkarikatur prägt, spricht von einem Dialog, von einer pädagogischen Wirkung. Ganz offensichtlich funktioniert diese ziemlich gut. Sonst würden die Mächtigen nicht immer wieder besonders Karikaturisten angreifen. Gegen sie gehen sie viel hartnäckiger vor, viel heftiger noch als gegen Schreiber oder Berichterstatter von Radio und Fernsehen.

Die Beispiele dafür reichen von den Mohammed-Karikaturen in Dänemark über das Massaker bei «Charlie Hébdo» in Paris bis hin zu den Wutausbrüchen des türkischen Präsidenten gegen Zeichnungen oder den Exzessen des syrischen Diktators, der einem Karikaturisten sämtliche Finger brechen liess. Wenn Menschen lachen, dann haben sie etwas begriffen. Und das macht Potentaten und religiösen Fanatikern Angst.

Immer wieder habe selbst Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy wegen seiner Zeichnungen beim Chefredaktor angerufen, erzählt Plantu. Sein Sarkozy sei halt echter gewesen als jener, als den sich Sarkozy inszeniert habe.

Alle verstehen Karikaturen

In Ländern mit Millionen von Analphabeten kommt hinzu, dass Karikaturen auch jene verstehen, die nicht lesen können, erzählt ein Zeichner aus Burkina Faso.

Die gezeichneten Aussagen von Karikaturisten sind meist viel zugespitzter als Texte. Jeff Danziger von der «New York Times» räumt offen ein, dass er am liebsten Politiker zeichne, «diesen Haufen aufgeblasener, wankelmütiger Kerle».

Während in freiheitlichen Ländern oft die «Political Correctness» der ärgste Feind der Karikaturisten ist, sind sehr viele in autoritären Staaten an Leib und Leben bedroht.

Es ist höchste Zeit, dass die UNO die Aufmerksamkeit auf diese journalistische Gattung lenkt. Denn wie Plantu sagt, politische Karikaturen sind wie Sauerstoff. Es gebe ihn in jedem Land der Welt. Und jeder Mensch brauche ihn zum Überleben: «Der Kampf um die Demokratie muss täglich geführt werden. Nicht zuletzt mit spitzer Feder.»