Pro-russische Kräfte stürmen Kaserne auf Krim

Russisch sprechende Uniformierte sollen nahe der Hafenstadt Sewastopol auf der Krim in eine Militärbasis der ukrainischen Streitkräfte eingedrungen sein. Schüsse seien nicht gefallen. Die rund 20 Bewaffneten seien später wieder abgezogen.

In der aufgeheizten Stimmung auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist es am Freitag zu einem Zwischenfall bei einer ukrainischen Militärbasis nahe Sewastopol gekommen. Eine Gruppe aus rund 20 bewaffneten, Russisch sprechenden Uniformierten habe sich mit einem Lastwagen Zugang zum Areal verschafft, teilten die Behörden in Kiew am Freitagabend der Agentur Interfax mit. Von Schüssen war nicht die Rede.

Ein Korrespondent der britischen Zeitung «Daily Telegraph» berichtete unter Berufung auf den stellvertretenden ukrainischen Kommandeur, dass die Uniformierten später wieder abgezogen seien.

Widersprüchliche Angaben

Das Motiv der Angreifer sei unklar. Unbestätigten Berichten zufolge sollen bei Zusammenstössen am Rande Journalisten verletzt worden sein. Der moskautreue Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow widersprach im ukrainischen Fernsehen Vorwürfen, prorussische Uniformierte hätten einen Konflikt provoziert oder Journalisten angegriffen.

SRF-Korrespondent Wanner über die Lage auf der Krim

2:00 min, vom 7.3.2014

«Es geht um die Übergabe dieser Militärbasis, in der sich angeblich 100 Soldaten der Ukraine verbarrikadiert haben», berichtet SRF-Korrespondent Christoph Wanner aus Simferopol. Momentan sei es nach Angaben von Kollegen vor Ort wieder ruhig. Allerdings sei es nicht möglich, die Kaserne zu betreten, um die Fakten zu verifizieren. «Fakt ist: Die Lage ist aufgeheizt und explosiv – es könnte jederzeit zu einem Flächenbrand kommen», sagt Wanner.

«Selbstverteidigungskräfte» oder moskautreue Einheiten?

Russland, das in Sewastopol seine Schwarzmeerflotte stationiert hat, kontrolliert seit einer Woche die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim. Moskau bestreitet aber, Soldaten ausserhalb vereinbarter Bereiche einzusetzen. Bewaffnete in Uniformen ohne Hoheitsabzeichen seien «Selbstverteidigungskräfte». Die prowestliche neue Führung in Kiew beklagt hingegen, die ukrainischen Kasernen auf der Halbinsel würden von moskautreuen Einheiten blockiert.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Russischer Drohfinger weiter erhoben

    Aus Tagesschau vom 7.3.2014

    Der staatliche russische Konzern Gazprom droht, der Ukraine kein Gas mehr zu liefern, wenn das Land seine Schulden nicht begleicht. Und Moskau zeigt seinen Drohfinger auch der EU: Bei weiteren Sanktionen werde man sich revanchieren.

  • Augenschein im Osten der Ukraine

    Aus Tagesschau vom 7.3.2014

    Nach der Krim befürchten viele, dass sich auch der Osten der Ukraine Russland zuwenden möchte. Das Schreckgespenst der Abspaltung scheint zumindest im Moment etwas übertrieben dargestellt zu werden.