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Mindestlohndebatte in den USA Protest der Tieflohn-Arbeitenden zeigt erste Wirkung

Fastfood-Angestellte, Putzfrauen und Abwarte fordern einen Mindestlohn von 15 Dollar. Und sie werden immer lauter.

Legende: Audio USA: Proteste für höhere Mindestlöhne abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
03:56 min, aus Rendez-vous vom 30.11.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • In 340 US-Städten haben Tieflohnarbeiterinnen und -Arbeiter für einen Mindestlohn von 15 Dollar in der Stunde demonstriert.
  • Der nationale Mindestlohn in den USA beträgt heute 7,25 Dollar.
  • Vor vier Jahren entstand die «Fight-for-Fifteen»-Bewegung als Initiative von Fastfood-Angestellten.
  • Seattle, San Francisco, Los Angeles und New York haben reagiert und entschieden, den lokalen Mindestlohn auf 15 Dollar zu erhöhen.
  • McDonalds und Walmart haben unter dem Druck ihre Mindestlöhne auf 10 Dollar erhöht.

In 340 Städten der USA sind Fastfood-Angestellte, Putzfrauen, Landschaftsgärtner und Uber-Fahrer auf die Strasse gegangen. Es ist die soweit grösste Demonstration der «Fight-for-Fifteen»-Bewegung, die einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde verlangt.

Zum Beispiel Rosa Elena Equinosa

Am Flughafen von San Francisco demonstrieren rund 700 Menschen für höhere Löhne. Viele tragen rote T-Shirts mit der Aufschrift «Fight for Fifteen». Eine davon ist Rosa Elena Equinosa. Sie arbeitet bei McDonalds und verdient zehn Dollar dreissig pro Stunde.

Es ist schwierig, so zu überleben. Alle McDonalds-Angestellten müssen noch eine zweite Stelle haben, um zu überleben.
Autor: Rosa Elena Equinosa

Equinosa arbeitet am Wochenende in einer Gärtnerei, nur so kann sie die Miete zahlen und ihre zwei Kinder unterstützen. In San Francisco sind die Kosten für Miete und Essen sehr hoch.

Oder Schulhaus-Abwart John

Er sei hier, weil die Reichsten zu reich geworden seien und viele Leute litten, sagt John. Er ist Abwart in einer Schule. Er frag sich, weshalb Menschen in den USA leiden müssen, wo es doch so viel Reichtum gebe.

Weshalb müssen Menschen in den USA leiden, wo es doch so viel Reichtum hat? Deshalb kämpfen wir heute für bessere Löhne.
Autor: JohnSchulhaus-Abwart

Und Uber-Fahrer Richard Ortiz

Bei der Demonstration ist auch eine neue Gruppe von Tieflohnarbeitern dabei: Chauffeure des Fahrdiensts Uber. Richard Ortiz, ein Mann mit langem weissen Bart war früher Schreiner und hat vor ein paar Jahren begonnen, für Uber zu fahren.

Zu Beginn habe er nicht schlecht verdient, sagt er. Seither habe Uber sukzessive ihren Anteil am Fahrpreis erhöht und die Preise gesenkt.

Es ist, wie wenn sie uns ein Steak auf dem Tisch zeigen. Dann nehmen sie es weg, legen Brot hin und brechen Stücke davon ab, bis nur noch Brosamen bleiben.
Autor: Richard Ortiz

Sein Auto sei kaputt gegangen und er habe die Reparatur nicht zahlen können. Er verlor deshalb seine Wohnung und musste bei Bekannten Unterschlupf suchen. Ortiz fühlt sich ausgebeutet und fordert, dass Uber gerechte Löhne zahlt.

Ob die Firma ihn erhört, bleibt offen. Aber der landesweite Protest hat die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der vielen Tieflohnarbeiter wie Ortiz gelenkt. Die Forderung nach höheren Mindestlöhnen in den USA wird immer lauter.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Das ist der Vorbote dessen, was in anderen Teilen der Welt noch ansteht. Der Nährboden für die weitere Polarisierung ist bestellt, die Saat ausgebracht. Beide Pole bringen ins Spiel, gegen das Establishment zu kämpfen. Gewinner solcher Konstellationen waren bislang immer Nationalisten und Bewegungen, die am rechten Rand des Politspektrums zu Hause sind. Diese verfügen über greif- und sichtbare Feindbilder. - Gut, bin ich nicht 20 Jahre jünger...
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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    In den USA (Europa ist auf dem Weg dazu) kann man gut sehen was die Globalisierung alles bewirkt hat. 23% Arbeitslose, der Reichtum der Reichsten ist ins Unermessliche gestiegen, Mittelklasse verschwindet und viele brauchen zum Überleben zwei Jobs. Mit anderen Worten die Regierungen von den USA und Europa arbeiten nicht zum Wohle des Volkes sondern zum Wohle der Grosskonzerne.
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