Proteste und Blockaden in ganz Frankreich

Die geplante Arbeitsmarktreform in Frankreich treibt weiter viele Menschen auf die Strasse. In zahlreichen Städten versammelten sich hunderttausende Gewerkschafter und Studenten zum Protest. Sie befürchten Einbussen bei der sozialen Sicherheit.

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Schüler blockieren Gymnasium in Paris

0:17 min, vom 31.3.2016

Gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform der Regierung sind in Frankreich erneut hunderttausende Menschen auf die Strasse gegangen. Die Gewerkschaft CGT zählte 1,2 Millionen Teilnehmer bei Veranstaltungen in 250 Städten. Nach Angaben des Innenministeriums kamen die Behörden auf etwa 390'000 Demonstranten.

Seit dem frühen Donnerstagmorgen liefen Streiks bei der französischen Staatsbahn SNCF und bei den Pariser Verkehrsbetrieben. Der Betreiber SNCF berichtete von Ausfällen bei etwa der Hälfte aller Regionalzüge. Rund 25 Prozent der Beschäftigten hätten sich daran beteiligt, hiess es. Wegen eines Fluglotsenstreiks wurde jeder
fünfte Flug von Paris-Orly abgesagt, teilte die Luftfahrtbehörde mit.

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Auswirkungen auf die Schweiz

Nach Abgaben der SBB fallen am Donnerstag die TGV-Züge zwischen Basel und Marseille sowie jene von Paris nach Basel, und von Genf nach Paris aus. Auch die Eurocity-Züge zwischen Basel und Brüssel verkehren nicht. Zudem dürften auch die Regionalzüge zwischen Genf und Lyon vom Streik betroffen sein, melden die SBB.

Einige Auseinandersetzungen

Aus Protest gegen die Pläne der Regierung blockierten Schüler im ganzen Land den Zugang zu ihren Schulen: das Bildungsministerium in Paris vermeldete rund 180 gesperrte Gymnasien, die Schülergewerkschaften sprach von bis zu 250.

Versammlungen und Protestzüge wurden nicht nur aus grossen Städten wie Paris, Marseille, Lyon oder Bordeaux gemeldet. Auch in kleineren Orten gab es zahlreiche Demonstrationen. Vereinzelt kam es dabei auch zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und militanten Teilnehmern. In Paris und Marseille berichteten die zuständigen Behörden von mehreren Festnahmen.

Protest der Gewerkschaften

Seit Wochen schon gehen die Gewerkschaften gegen die Pläne von Präsident François Hollande auf die Barrikaden: Sie wehren sich gegen eine geplante Lockerung des französischen Arbeitsrechts.

Bereits Anfang März hatten landesweit nach Angaben der Behörden mehr als 200'000 Menschen gegen die Reform demonstriert – die Organisatoren sprachen sogar von 450'000 Demonstranten. Bei Protesten von Schülern vor einer Woche kam es zu schweren Ausschreitungen.

Gymnasiasten kritisieren Massnahmen der linken Regierung

0:32 min, vom 31.3.2016

Lockerung der 35-Stunden-Woche

Präsident Hollande möchte die 35-Stunden-Woche lockern, und auch die Regeln für betriebsbedingte Kündigungen vereinfachen. Damit erhofft sich der Staatspräsident die Rekordarbeitslosigkeit zu drücken: Ende Februar waren auf französischen Arbeitsämtern 3,59 Millionen Menschen als arbeitslos gemeldet.

Gewerkschaften und Studentenorganisationen, aber auch der linke Parteiflügel der regierenden Sozialisten kritisieren die Reform als zu unternehmerfreundlich. Sie seien «erstaunt», dass eine linke Regierung solche Massnahmen beschliesse, sagten protestierende Schüler vor einem Pariser Gymnasium.

Das Kabinett hatte die Reform vergangene Woche beschlossen. Die Nationalversammlung wird ab dem 3. Mai im Plenum über das Vorhaben beraten. Bis dahin haben die Gewerkschaften bereits weitere Proteste angekündigt.