Protestmärsche in Polen: Abtreibungsgesetz ist Fehlgeburt

Polnische Abtreibungsgegner sind für ein fast vollständiges Abtreibungsverbot auf die Strasse gegangen. Nach Angaben der Organisatoren gab es in rund 140 polnischen Ortschaften Protestmärsche.

Demonstranten mit Transparent Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Konservative Polen gehen seit Jahren gegen die nach ihrer Meinung zu liberalen Abtreibungsregeln vor. Keystone

Allein in der Hauptstadt Warschau versammelten sich rund 1000 Teilnehmer zum Protestmarsch gegen das nationale Abtreibungsrecht.

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Bis zu 1800 Abtreibungen

Im 38-Millionen-Einwohner-Staat Polen gibt es derzeit bis zu 1800 Abtreibungen pro Jahr. Zu illegalen Abtreibungen oder Fällen, in denen Polinnen für den Eingriff nach Deutschland, Österreich oder in die Slowakei reisen, gibt es keine amtlichen Statistiken. Frauenrechtsorganisationen schätzen, dass es jährlich bis zu 150'000 solcher Fälle gibt.

Das derzeitige restriktive Gesetz erlaubt Schwangerschaftsabbrüche nur bei Gefahr für Leben oder Gesundheit der Mutter, nach Vergewaltigung oder Inzest oder wenn der Fötus unumkehrbare Missbildungen aufweist.

Fünf statt zwei Jahre Haft

Einer Umfrage zufolge wollen dagegen 51 Prozent der Polinnen und Polen eine Lockerung des Abtreibungsverbots.

Die Abtreibungsgegner wollen Schwangerschaftsabbrüche nur noch dann erlauben, wenn das Leben der Frau in Gefahr ist. Statt mit bisher zwei Jahren soll illegale Abtreibung mit fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Die Abtreibungsgegner wollen bis Ende Juni 100'000 Unterschriften für eine entsprechende Petition sammeln.

Die rechtskonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) und die katholische Kirche unterstützen eine Gesetzesverschärfung.