Protestwelle in Ägypten fordert erneut Todesopfer

Die politischen Beben in Ägypten haben erneut Todesopfer gefordert. Mindestens drei Menschen sind bei Zusammenstössen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi ums Leben gekommen.

Männer, die Arme heben und eine zusammengerollte Fahne vor sich halten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Proteststurm von Mursi-Anhängern in Kairo: Dabei gingen auch US-Flaggen in Flammen auf. Reuters

Bei den Opfern handle es sich um zwei Frauen und einen 13-jährigen Jungen, sagte
ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Sie seien bei Krawallen in der im Nildelta gelegenen Stadt Mansura umgekommen. Acht weitere Menschen seien verletzt worden.

Zehntausende für Mursi

1:53 min, aus Tagesschau Nacht vom 19.7.2013

Nach den Freitagsgebeten waren in ganz Ägypten Zehntausende Menschen für Mursi auf die Strassen gegangen. Die grösste Demonstration fand vor der Raba-al-Adawija-Moschee im Osten Kairos statt, wo die Muslimbruderschaft unmittelbar vor dem Sturz Mursis ein Protest-Lager eingerichtet hatte.

Demo an der Uni

Grosse Menschenmengen füllten auch im Westen Kairos den Platz vor der Universität. Gegner der Islamisten versammelten sich zur gleichen Zeit in weitaus kleinerer Zahl auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo.

Mursi war am 3. Juli nach Massenprotesten gegen seine Herrschaft vom Militär gestürzt worden. Seitdem kamen bei Krawallen und Zusammenstössen mit Sicherheitskräften Dutzende Menschen ums Leben. Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten am 3. Juli sind bei Gewaltakten mindestens 99 Menschen getötet worden.

«Militärputsch beenden»

«Das Ziel der heutigen Kundgebungen ist es, den Militärputsch zu beenden und die Unterstützer des Coups zur Änderung ihres Standpunkts zu bewegen», schrieb Essam al-Arian, ein Mitglied der Führung der Muslimbruderschaft, auf seiner Facebook-Seite.

Die Gegner von Mursis Herrschaft auf dem Tahrir-Platz wollten ihre Unterstützung für den Fahrplan zu Neuwahlen ausdrücken und dessen Umsetzung einfordern. Mit dem Höhepunkt der Kundgebungen war für späteren Abend gerechnet worden. Im Fastenmonat Ramadan werden die meisten Ägypter erst nach dem Abendessen aktiv.

Düsenjäger im Tiefflug

Das Militär hatte angekündigt, die Sicherheitskräfte würden jeden Versuch, bei den Protesten Gewalt anzuwenden, mit aller Härte beantworten. In Kairo zeigte die Armee stärkere Präsenz als sonst. An manchen Stellen waren Panzer zu sehen. Truppen der Bereitschaftspolizei sicherten verstärkt den Präsidentenpalast und die Zugänge zum Tahrir-Platz. Kampfflugzeuge donnerten im Tiefflug über die Stadt.

Am Vorabend hatte sich Übergangspräsident Adli Mansur zum ersten Mal seit seiner Einsetzung nach dem Umsturz direkt an die Bevölkerung gewandt. «Es gibt welche, die das Land ins Chaos stürzen wollen», sagte er in seiner Fernsehansprache. «Einige suchen einen blutigen Pfad. Aber es gibt keinen Weg zurück. Die Schlacht um die Sicherheit werden wir bis zum Ende ausfechten.»

Vereinte Nationen schalten sich ein

UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay kündigte an, einen Vertreter nach Kairo zu schicken, um die Menschenrechtslage nach dem Umsturz vor Ort zu beobachten. Ihr Hochkommissariat wünsche insbesondere, detaillierte Informationen über den Status und Aufenthalt von Mursi sowie über Verhaftungen und Tötungen von Demonstranten zu erhalten, erklärte ein Sprecher Pillays in Genf.

Diesbezügliche Anfragen der UNO-Institution vom 10. Juli habe die Führung in Kairo bislang nicht beantwortet, fügte er hinzu.