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International Pussy Riot – ein Bandmitglied packt aus

Ekaterina Samutsevich von der bekannten russischen Protestband Pussy Riot ist auf Bewährung frei. Ihre beiden Kolleginnen sitzen in Lagerhaft. Die «Rundschau» konnte mit der Regimekritikerin über die Motivation und die Zukunftspläne der Band sprechen.

Legende: Video «Ein Pussy-Riot-Mitglied packt aus» abspielen. Laufzeit 7:10 Minuten.
Aus Rundschau vom 23.10.2013.

Pussy Riot Ekaterina Samutsevich gibt sich auf dem Roten Platz in Moskau kämpferisch – aber auch selbstkritisch: «Niemand hätte sich dies vorstellen können. Selbstverständlich haben wir jedes Mal diskutiert, ob es Risiken gibt. Aber niemals wäre es uns in den Sinn gekommen, dass es zu einem Strafverfahren kommen könnte», sagt sie im Interview.

«Wir haben eigentlich gegen fast alles protestiert, was derzeit bei uns im Land abläuft», sagt die Künstlerin. «Gegen unsere autoritären Machthaber und die repressiven Methoden, mit denen sie gegen die eigenen Bürger vorgehen.»

Verurteilt wurden Pussy Riot wegen «Hooliganismus» aus «religiösem Hass». Ekaterina Samutsevich jedoch spricht von ganz anderen Motiven: «Es gab viele Gründe für eine solche Gruppe. Wir sind Künstler, eine künstlerische Gruppe und Feministinnen. Wir haben gespürt, dass es in Russland einfach an Protest in der Form von Kunst fehlt.»

«Die Spannungen im Land steigen»

An den verschiedensten Orten Moskaus hatten Pussy Riot ihrem Ärger Luft verschafft. In Metrostationen, auf Dächern von Bussen, auf dem Roten Platz und eben auch in der grössten Kirche Russlands. Bei ihren Aktionen haben sich die Frauen immer selbst gefilmt. Lange fühlten sich Pussy Riot sicher und gingen bei ihren Aktionen immer einen Schritt weiter. Die «Rundschau» zeigt dieses exklusive Material: von der ersten kleinen Aktion bis zum Auftritt, welcher Pussy Riot weltberühmt machte.

Für Ekaterina Samutsevich gibt es keinen Grund aufzuhören. «Es scheint zwar alles ruhig. Aber die Spannungen im Land steigen.» Marija Alyochina und Nadja Tolokonnikowa, ihre beiden Pussy Riot-Mitstreiterinnen, werden voraussichtlich im März 2014 aus der Lagerhaft entlassen.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Ein wichtiges Thema, Pussy Riot (Vagina-Aufstand) um es etwas gepflegt auszudrücken, gehört in Russland zu den meistgehassten Band's, deshalb war es wohl wichtig, dass zumindest das Schweizer Fernsehen den armen Mädchen einen Beitrag widmet. Zugegeben, ich habe ihn nicht gesehen, ich habe sowieso langsam die Schnauze voll von diesem ewigen Theater, man könnte nämlich manchmal meinen, die Welt bestünde bald nur noch aus ewig-pubertierenden Kindsfrauen, die vor irgendwem gerettet werden müssten.
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    1. Antwort von laurent frick, langenthal
      Ein wichtiges Thema, in der Tat. Dass Sie die Schnauze voll haben, zeigt lediglich, in welchem Masse Sie - und viele andere - in Ihrem Wohlstand leben und sich nicht mit kritischen Äusserungen auseinandersetzen wollen. Warum auch? Es geht Ihnen ja gut, sie haben zu essen, profitieren von Meinungsfreiheit und werden in Ihrem falschen Glücksgefühl ruhig gestellt. Es gibt Menschen, die haben tatsächlich Probleme und fühlen sich und sind in ihrem Leben unterdrückt und bedroht.
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    2. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      Was mich wirklich krank macht, sind Leute, die ununterbrochen glücklich sein möchten, Glück gehört zwar manchmal dazu, Glück gehört aber zum eher Seltenen, was was man im realen Leben durchlebt. Sich aber 'generell' unterdrückt und bedroht zu fühlen, ist eine Frage des Selbstbewusstseins, mit pubertärem Zickengeschrei und Büppi-zeigen die Aufmerksamkeit der Medien auf sich lenken zu wollen, eher eine ganz billige Art, der Welt zu zeigen, dass man gern mehr Busen und eine schönere Stimme möchte.
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    3. Antwort von Albert Plants, Chur
      Wenn es keine solche von ihnen verabscheute Gruppierungen mehr gäbe würde in Russland bald wieder Verhältnisse wie zu Zeiten der Leibeigenschaft herrschen.
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    4. Antwort von laurent frick, langenthal
      Dass Sie diesen Menschen unterstellen, sie wollten 'ununterbrochen glücklich sein' zeigt nur, in welchem Mass Sie sich nicht mit der Situation auseinandergesetzt haben. Sie sehen die Videos und finden Sie peinlich. Dass eine junge Mutter für einen unbewilligten Auftritt in einer Kirche für Jahre von Ihrem kleinen Kind getrennt und in nicht nachvollziehbaren Umständen gequält wird, verbinden Sie mit Begriffen wie 'Büppi' und 'Zicke'. Ein Ausdruck von Ignoranz. Lesen Sie doch Dürrenmatt!
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    5. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      Herr Planta, bei den Russen wird es schon noch etwas länger gehen, zumindest verglichen mit uns Schweizern, wir stehen doch kurz davor, vollends zu Leibeigenen unseres Systems zu werden. Ueberwacht bis zum letzten Bankkonto, überwacht übers Telefon, überwacht übers Internet, staatlich lohnreglementiert, verdichtet angesiedelt und gewerkschaftlich organisiert behütet. - Was erahnst Du die Probleme in Russland, und Du erkennst nicht die Gefahr vor Deiner eigenen Haustür - so etwa spricht die Bibel
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    6. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      @laurent frick: Mütter, die ihre Kinder lieben, werden wohl eher weniger an z.B. unbewilligten Auftritten in einer Kirche in einem Land teilnehmen, dass in dieser Beziehung eine ganz andere Einstellung zur Kirche hat als es bei uns noch üblich ist. Und das Gerede von 'unter nicht nachvollziehbaren Umständen gequält' zu werden, eine haltlose Unterstellung, immerhin sind die Medien ja offenbar präsent. Die Story unschuldiger KindsMütter in den Händen brutaler Schänder passt so einfach nicht. Sorry
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    In den Sowjetzeiten hätten diese "Künstlerinnen" mindestens zehn Jahre Gulag bekommen, auch wenn die Kirche damals einen viel schwereren Stand hatte. Ein auffallend grosser Teil von dem, was heute als Kunst bezeichnet wird, ist sowieso Schrott. Übrigens hatten wir vor ein paar Jahren in Zürich etwas Ähnliches: Da liess ein "progressiver" reformierter Pfarrer in seiner Kirche ein paar Jesus-Bilder ausstellen, die ihn als Homosexuellen darstellten - und erst noch unter Polizeischutz.
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  • Kommentar von r.burri, rorschach
    Kunst soll das sein? Was diese Frauen machen hat weder musikalisch noch inhaltlich mit Kunst zu tun. Ihre Kunst besteht höchstens darin, sich weltweit in die Medien zu bringen. Es ist übrigens auch keine Kunst, gegen alle und alles zu protestieren. Siehe Greenpeace. Kunst wäre die Mitarbeit an konstruktiven Lösungsansätzen. Und die beginnen bekanntlich vor der eigenen Haustüre.
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