Pussy Riot wollen Putin vertreiben

Kaum aus der Lagerhaft entlassen, schiessen die Pussy-Riot-Aktivistinnen scharf gegen den Kreml. Sie wollen an Präsident Putins Stuhl rütteln. Doch vorerst machen sie sich für einen humaneren Strafvollzug stark.

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Pussy Riot bleiben auf Konfrontationskurs

3:17 min, aus Tagesschau vom 27.12.2013

Fast zwei Jahre sassen die Frauen der Punkband Pussy Riot in russischen Straflagern. Seit Montag dieser Woche sind sie wieder auf freiem Fuss – und bereits richten sie wieder scharfe Worte gegen die russische Regierung und Präsident Wladimir Putin.

Die 24-jährige Nadeschda Tolokonnikowa wird in russischen Medien zitiert, ihre Haltung gegenüber Putin habe sich nicht verändert. Sie wolle weiterhin tun, wofür sie eingesperrt wurde: «Wir wollen ihn vertreiben.» Und: Der freigelassene Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski solle für die Präsidentschaft kandidieren.

Maria Alechina kritisierte ihre Freilassung als reine Imagepflege Putins. Die Amnestie sei ein PR-Trick des Präsidenten hinsichtlich der bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Sotschi.

«Russland ist ein autoritäres Land»

Auch SRF-Korrespondent Christoph Wanner sieht in der Amnestie lediglich eine Charmeoffensive Putins. Die Amnestien seien nicht als Kurswechsel gegenüber kritischen Stimmen zu deuten. Deshalb gingen die Pussy-Riot-Aktivistinnen mit ihren Äusserungen «ein grosses Risiko ein».

Wanner: «Nach den olympischen Winterspielen werden die Karten neu gemischt. Alle, die sich gegen den Kreml wenden, riskieren wieder vor Gericht zu landen.» Für ihn steht fest: «Russland ist ein autoritäres Land und daran hat auch diese Amnestie nichts geändert.»

Keine spektakuläre Aktion geplant

Bei der heutigen Pressekonferenz zeigten sich die Aktivistinnen ungebrochen. «Wir werden nicht ins Ausland ausreisen, wir haben genug in Russland zu tun», sagte Tolokonnikowa.

Nach ihren bitteren Erfahrungen in 20 Monaten Lagerhaft wollen sie sich erst einmal für die Menschenrechte und einen humaneren Strafvollzug einsetzen. «In Russlands Straflagern gibt es Menschen, die sich am Rande des Todes befinden», erklärte Tolokonnikowa.

Dafür haben sie die neue Organisation «Sona Prawa» – Rechtszone – gegründet. Mit dieser wollen sie eine «Stimme der Gefangenen» sein. Als Partner für ihre künftige Hilfe für Häftlinge sehen sie den Oppositionsführer Alexej Nawalny, aber auch den kürzlich aus der Haft entlassenen Michail Chodorkowski.

Kein Aufruf zum Olympia Boykott

Die beiden Aktivistinnen riefen nicht zu einem Boykott der Olympischen Winterspiele in Sotschi auf. «Jeder soll selbst darüber entscheiden, ob er bereit wäre, nach Sotschi zu kommen und das zu unterstützen, was Putin tut», sagte Tolokonnikowa.

Die Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot wurden nach einer Protestaktion Anfang 2012 wegen Rowdytums zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Sie hatten in der Christ-Erlöser-Kathedrale gegen Putin und die orthodoxe Kirche protestiert. Ihre ebenfalls wegen der Aktion verurteilte Mitstreiterin, Jekaterina Samuzewitsch, kam später auf Bewährung frei.