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International «Putin ist stark, weil die USA und die EU schwach sind»

Nach Michail Chodorkowski nun auch die Musikerinnen von Pussy Riot: Gleich mehrere Kremlkritiker setzt Russlands Präsident Wladimir Putin auf freien Fuss. Sind die Freilassungen ein Zeichen für Putins Stärke in der Weltpolitik?

Russische und westliche Medien schreiben, Russlands Präsident sei so stark wie nie. Sie bezeichnen Wladimir Putin als zurzeit «allmächtig wie ein Kaiser». Eberhard Schneider hält das für übertrieben.

Zwar habe Putin in letzter Zeit «einige politische Pluspunkte einsammeln können», sagt der Professor für Politikwissenschaft an der Universität Siegen im Gespräch mit SRF. Dabei denkt der Experte für russische Politik nicht nur an die Freilassungen von verschiedenen bekannten Kremlkritikern in den vergangenen Tagen. Auch im Fall Snowden und im Syrien-Konflikt habe sich Putin geschickt verhalten.

Eine Porträtaufnahme vom russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Legende: Russlands Präsident Putin an der Jahresmedienkonferenz vor vier Tagen. Keystone

«Aber die Stärke Putins, die wir heute in der Weltpolitik erleben, ist keine Stärke aus sich heraus», sagt Schneider. «Vielmehr muss man die Stärke vor dem Hintergrund der Schwäche der USA und der Europäischen Union sehen.» So habe sich die EU beispielsweise im Fall der Ukraine ungeschickt verhalten. Denn der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch habe sich eigentlich der EU annähern wollen.

«Putin ist gegen jede Veränderung»

Lange wird Putin diesen Konfrontationskurs mit dem Westen nach Ansicht von Schneider nicht aufrecht halten können. «Putin hat grosse Probleme», sagt er mit Blick auf das schwache Wirtschaftswachstum des Landes und auf die hohen Erdölpreise. «Der Erdölpreis wird nicht immer so hoch sein. Und dann wird Putin echte Probleme kriegen mit seinem Haushalt.»

Was Russland brauche, sei eine Modernisierung der Wirtschaft. Doch das lehnt Putin ab. «Alles was nach Veränderung riecht kann er nicht ertragen», sagte der Experte. «Wahrscheinlich befürchtet Putin, dass wenn er jetzt einen grossen Veränderungsprozess einleiten würde, dieser zu einem Zerfall Russlands führen könnte.»

Putin werde niemals die europäischen Werte umsetzten, sagt Schneider. «Er kann Druck nicht ertragen.» Und er werde es auch nicht tun, um dem Westen einen Gefallen zu tun. «Putin wird das erst machen, wenn er einsieht, dass das gut ist für Russland. Und wir müssen ihm helfen, dass er das bald einsieht.»

22 Kommentare

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  • Kommentar von Reihart Faul, Owingen
    Es ist schon merkwürdig wie die Presse zu Russland und vorallem zu Putin steht.Es ist allesandere als objektiv.Man sollte den Argwon mal endlich beerdigen und Putin als Partner ansehen bei allem Wohlwollen-Solange man keine Verhandlungen führt , wird auch nichts Vernünftigess in den Zwischenstaatlichen Beziehungen sich ergebern.Man sieht dem zwiespältigen Verhalten der USA und Grossbritannien wird Glauben geschenkt. Geradezu lächerlich
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  • Kommentar von Markus Guggisberg, Busswil
    Was sind das wohl für europäischen Werte, die Putin umsetzen sollte? Erpressung, Schmiergelder, Vetternwirtschaft oder geheuchelte "Menschenrechte"? Da lobe ich mir die eigenverantwortliche und aufrechte russische Politik, die sich nicht durch amerikanische und europäischen Erpressung beugen lässt !!!
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    1. Antwort von Christian Schaich, 8303
      Sie haben noch das illegale Abhören und die rücksichtslose Verfolgung aller "Verräter" (Assange, Snowden) durch die USA vergessen, die von den kriecherischen Europäern mitgetragen werden.Ueber Assange und Snowden wird kaum noch berichtet. Die kriminellen Ex-Miliardäre Chodorkowski/Timoschenko werden dafür in westlichen Medien tagtäglich als "Regimekritiker" und "Demokraten"gefeiert.
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  • Kommentar von Walter Kathriner, Sarnen
    immer diese Linken Starken Männer, Schröder, Putin, Steinbrück, Obama, J. Kerry, Xi Jinping, usw....sowas kann man als Schweizerbünzli nicht verstehen.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Katriner - es ist entlarvend, dass Linke wie Sie auf Pseudodemokraten, Autokraten und Kommunisten von Schröder und Putin bis Xi Jinping auch noch stolz sind. Kim Jong-un und Castro haben Sie in ihrer Heldengalerie noch vergessen.
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    2. Antwort von B. Keller, Zürich
      @Walter Kathriner, Sarnen: Sie haben noch den grössten LINKEN vergessen: Der Adolf Hitler nannte sich auch Arbeits-Sozialist. Sowie der LINKE Nordkorea Präsident: Kim Jong Un. Und nicht zu vergessen der LINKE Massenmörder Stalin.
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    3. Antwort von Walter Kathriner, Sarnen
      ach meine Lieben, jetzt ist sogar Hitler noch linker als sie, typisch Blochergesellen. welch eine Schande!
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    4. Antwort von Albert Planta, Chur
      Hitler war kein Linker sondern ein Faschist und damit Gegner der Linken. Er eliminierte alle Parteifuntionäre der KPD und SPD oder zwang sie zur Flucht. Dem Grosskapital ausser dem Jüdischen stand er wollwollend gegenüber weil er ja Unterstützung finanzieller Art brauchte.
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    5. Antwort von Rainer Fauser, Augsburg
      @A.Planta Schlimmer noch, er wurde sogar von bürgerlichen Industriellen finanziert, wegen den Staatsaufträgen. Da haben sich viele Stahlindustrielle und Rüstungsbetriebsinhaber auf Volkskosten reich gestossen. Ich komme nicht umhin, Ihnen zuzustimmen.
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