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International «Putin steht unter einem gewissen Druck»

Der Hilfskonvoi ist ein Propagandacoup, der sich ans heimische Publikum richtet. Das sagt SRF-Korrespondent Christof Franzen. Dass Russland darin Waffen transportiere, sei eher unwahrscheinlich.

Der russische Hilfskonvoi fährt durch die Rostov-Region in Russland
Legende: Der russische Hilfskonvoi steuert offenbar einen Grenzübergang an, der von den Rebellen kontrolliert wird. Keystone

Trotz Warnungen der ukrainischen Regierung ist der russische Hilfskonvoi im Moment offenbar unterwegs Richtung Rebellengebiet. Was genau erhofft sich Putin von diesem Transport?

SRF-Korrespondent Christof Franzen: Die Aktion ist vor allem ein Propagandacoup, der sich in erster Linie an die Russen richtet. Denn selbst wenn Putins Zustimmungsraten sehr hoch sind, steht er unter einem gewissen Druck: Die Nationalisten und ein Teil der Kommunisten fordern einen Einmarsch in die Ukraine. Diese Stimmen sind noch lauter geworden, seitdem die Separatisten an Territorium verlieren. Solange Putin diesen Forderungen nicht nachgibt, muss er den Russen etwas bieten.

Der Hilfskonvoi als Beruhigungspille fürs heimische Publikum?

Ja, das ist sicher ein wichtiger Grund. Das sieht man nicht zuletzt daran, wie prominent die russischen Medien über die Hilfsaktion berichten – und daran, dass etwa ein orthodoxer Priester den Konvoi gesegnet hat.

Es gibt aber auch Stimmen, die den Hilfskonvoi als erstes Zeichen eines Richtungswechsels interpretieren.

Aus Kreisen der pro-ukrainischen Regierung in Donezk heisst es, der Hilfskonvoi sei möglicherweise ein Zeichen der Entspannung. Putin präsentiere sich als Helfer, was ihm erlauben würde, trotz einem Rückzug das Gesicht zu wahren. Insgesamt aber stehen die Ukrainer der Hilfsaktion sehr skeptisch gegenüber.

In der Ukraine gibt es Befürchtungen, dass Russland in diesen Lastwagen nicht nur Hilfsgüter transportiert, sondern auch Waffen versteckt hält.

Die Möglichkeit besteht natürlich – gerade, wenn keine unabhängige Organisation wie das Rote Kreuz den Inhalt der Ladungen kontrollieren kann. Sehr wahrscheinlich ist das aber nicht: Russland hat ganz andere Möglichkeiten, Kämpfer und Waffen in die Ostukraine zu schicken. Laut Berichten der OSZE gehen Uniformierte frei über die offene Grenze zwischen Russland und der Ostukraine.

Die Rebellen verlieren nicht nur die Kontrolle über die eroberten Gebiete. Heute gab Waleri Bolotow, der selbsternannte «Volksgouverneur» von Luhansk, seinen Rücktritt bekannt. Er ist bereits der zweite hochrangige Separatistenführer innerhalb einer Woche, der seinen Posten aufgibt. Ein Zeichen dafür, dass Moskau seine Unterstützung für die Rebellen zurückzieht?

Nein, das denke ich nicht. Bolotow tritt offenbar zurück, weil er verwundet ist. Und Putins schöne Worte bedeuten nichts, solange er die Separatisten nicht dazu auffordert, die Waffen ruhen zu lassen.

Christof Franzen

Christof Franzen

Der Journalist arbeitet seit 2003 für SRF, seit 2007 als Korrespondent in Moskau.

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    CNN berichtet, dass in Donezk Söldnertruppe der Neo Nazi geflüchtet sind und die Aufständischen Waffen erbeutet haben, das ist nur ein Mosaikstein, weil die Ukrainische Regierung selbst zugibt dass der ganze Ostteil von Auftändischen durchsetzt sei und die reguläre Armee nur schwerpunktmässig eingreifen kann. Fast alle Grenzübergänge im Osten sind in der Hand der Aufständischen. Langsam lichtet sich der Nebel.
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Gute alte Zeit. Da wurden noch die Filmrollen zum Entwickeln gegeben. Da konnte noch nichts "nachbearbeitet" werden.
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  • Kommentar von Peter Oppliger, Walenstadt
    @Redaktion:Gestern sachliche Kommentare geschrieben,nicht aufgeschaltet.Heute sachliche Kommentare geschrieben nicht aufgeschaltet.Die Kommentare der Gegnerschaft erscheinen jedoch,und darin wird mir sogar vorgeworfen nicht Stellung auf ihre Fragen zu nehmen. Was läuft da falsch auf der Redaktion? MfG P.O.
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    1. Antwort von Peter Oppliger, Walenstadt
      @Redaktion:Im übrigen sind meine Kommentare nie persönlich beleidigend,ich habe jedoch schon grenzwertig geschrieben das gebe ich zu,wer ist den schon ohne Fehler?Trotzdem meine Kommentare werden auch angegriffen,ich muss auch einiges einstecken,die Gegnerschaft scheint allerdings ausserordentlich empfindlich zu sein,und reagiert jeweils unverhältnismässig.
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    2. Antwort von Martin Lopez, Zürich
      Herr Oppliger, mir geht es nicht anders. Heute sind wir einmal der gleichen Meinung. ;)
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    3. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Peter Oppliger: War wohl doch nicht so sachlich. Aber immerhin schreiben sie von Gegnern und nicht von Feinden..........
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Ach Mensch, wie soll es jemals Friede in der Ukraine geben, wenn selbst hier Menschen mit einer anderen Meinung als Gegner bezeichnet werden? Diskussionen leben von unterschiedlichen Meinungen, aber der respektvolle Umgang unter einander sollte dabei immer selbstverständlich sein. Aber vorrangig sollte jetzt sein, dass die Menschen in der Ost- Ukraine endlich Hilfe erhalten & zur Ruhe kommen. Friede für die Ukraine!
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    5. Antwort von Martin Lopez, Zürich
      Herr Oppliger, als Gegnerschaft habe ich sie nie gesehen. Wir haben einfach sehr verschiedene Meinungen. Ich habe versucht vorzuschlagen mit Ihnen mal auf ein Bier in Walenstadt abzumachen um unsere verschiedenen Standpunkte friedlich zu besprechen. Leider kamen diese Kommentare auch nicht durch. Nun fliege ich für 10 Tage ins Ausland. Vielleicht anschliessend einmal?
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