Rebellen starten Gegenoffensive in Aleppo

Mehrere Rebellengruppen haben am Morgen eine Offensive auf die syrische Stadt Aleppo begonnen. Der Westteil der Stadt – kontrolliert von den Regierungstruppen – kam unter heftigen Granatenbeschuss.

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Rebellen-Attacke in Aleppo

1:14 min, aus Tagesschau vom 28.10.2016

Syrische Rebellengruppen haben in Aleppo eine Offensive gestartet, um die Belagerung der Stadt zu durchbrechen. Zu Beginn des Angriffs seien Dutzende Granaten auf den von der Regierung kontrollierten Westen der Stadt abgefeuert worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London. Dabei seien mindestens 15 Zivilisten getötet und mehr als 100 verletzt worden.

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Der unendliche Krieg

Bombenschäden in Aleppo, Aufnahme von 2012.

In Syrien scheint eine Lösung in weiter Ferne. Auch, weil sich geopolitische und regionale Interessen überlagern. Ein Überblick über die wichtigsten Akteure.

Mit Sprengstoff ausgerüstete Autos hätten versucht, den Belagerungsring der syrischen Armee zu durchbrechen, sagten die Beobachter. Nach Angaben der Beobachtungsstelle nahmen die Rebellen auch den Militärflughafen Nairab und den internationalen Flughafen von Aleppo unter Beschuss. Beide liegen östlich der Stadt und werden von den Regierungstruppen kontrolliert.

Flughäfen unter Beschuss

Von der Provinz Idlib aus seien zudem Raketen auf die Küstenprovinz Latakia abgefeuert worden, eine Hochburg von Präsident Baschar al-Assad. Die Geschosse schlugen den Angaben zufolge am Militärflughafen Hmeimim, der von der russischen Luftwaffe genutzt wird, und in der Nähe von Kardaha, dem Heimatort der Familie Assad, ein.

An der Offensive sollen alle Gruppen des islamistischen Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fateh (Armee der Eroberung) beteiligt sein. Dem Bündnis gehören unter anderem die Dschihadisten der Fateh-al-Scham-Front an, die bis vor kurzem Al-Nusra-Front hiess.

Seit vier Jahren umkämpft

Aleppo ist seit mehr als vier Jahren in einen von den Aufständischen gehaltenen Osten und einen von Regierungstruppen kontrollierten Westen geteilt. Der von Rebellen kontrollierte Ostteil der Stadt wird seit Monaten von syrischen Regierungstruppen belagert.

Im September hatten die Regierungstruppen eine Offensive gestartet, um die Stadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei werden sie von der russischen Luftwaffe unterstützt. Die Vereinten Nationen schätzen, dass bis zu 300'000 Menschen von der Aussenwelt abgeschnitten sind.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Russland streitet Verantwortung ab

    Aus Tagesschau vom 28.10.2016

    Bei einer Bombardierung einer syrischen Schule in der Provinz Idlib sind 28 Personen ums Leben gekommen, darunter auch Schüler. Russland hat bisher die Verantwortung für die Bombardierung abgestritten.

  • Vorzeitige Feuerpause in Aleppo

    Aus Tagesschau vom 18.10.2016

    Russland und die syrische Armee haben überraschend mitgeteilt, ihre Luftangriffe auf die Grossstadt Aleppo auszusetzen - schon vor der angekündigten Feuerpause am Donnerstag. Rebellen und Zivilisten sollen die Stadt ungehindert verlassen können.

  • Aleppo - «Wer noch hier ist, braucht die Hilfe von jedem»

    Aus Rendez-vous vom 12.8.2016

    Der Kampf um die Stadt Aleppo im Nordosten Syriens spitzt sich dramatisch zu. Bis zu 300'000 Menschen sind laut Uno in der Stadt eingeschlossen. Inmitten des Chaos befindet Ismael Al Abdullah. Der 29jährige bezeichnet sich als «White Helmet».

    Er sei ein Freiwilliger, der versuche, die Leiden der Bevölkerung zu mindern. Im Gespräch schildert er die derzeitige Situation in Aleppo.

    Thomas Zuberbühler