Rechter Aufmarsch gegen die Homo-Ehe

Frankreichs Nationalversammlung diskutiert in zweiter Lesung über die Homo-Ehe. Die Gegner der Gesetzesreform erhalten Verstärkung von rechtsradikalen Gruppierungen. Immer häufiger kommt es zu gewalttätigen Zusammenstössen.

Demonstration auf den Champs Elysées, die Polizei riegelt die Strasse ab. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seit Wochen kommt es in Paris regelmässig zu Protesten gegen die Homo-Ehe. Dahinter stehen vermehrt Rechtsextreme und... Keystone

Fast täglich kommt es in Paris zu Scharmützeln zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Sprecherin der Gegner der Homo-Ehe – sie nennt sich Frigide Barjot – sagt, sie lehne Gewalt ab. Doch Präsident Hollande setze sich mit Gewalt über den Willen des Volks hinweg, das erzeuge Gegengewalt. Gegen die könne sie nichts unternehmen.

Frigide Barjot beruft sich auf neue Umfragen. Sie zeigen, dass der Widerstand gegen das neue Gesetz wächst. Laut gewissen Forschungsinstituten sind die Gegner unter den Franzosen inzwischen in der Mehrheit. «François Hollande will Blut, er soll Blut haben», sagte Barjot gar in der Hitze des Gefechts.

Die Gewaltausbrüche sind keineswegs spontan

Doch so spontan, wie die Zusammenstösse zwischen Demonstranten und der Polizei scheinen, sind sie nicht. Sie wurden von radikalen Gruppen sorgfältig geplant. Zum Beispiel von der Organisation Printemps français. Der Name lehnt sich an den arabischen Frühling an. Die Organisation will den Wind der arabischen Revolutionen in Paris wehen lassen.

Wie die Online Zeitung «Mediapart» berichtet, steht hinter dem «Printemps français» ein ehemaliger Fallschirmjäger namens Phlippe Darantière. Er schwärmte im Internet schon Tage vor den ersten Gewaltszenen von einem Chaos in den Strassen von Paris; von Demonstranten, welche die Polizeischranken stürmten.

Ultra-konservative Katholiken

Auch das katholische Institut Civitas, das der Pius-Bruderschaft und den katholischen Traditionalisten nahe steht, ist auf den fahrenden Zug aufgesprungen. «Wir sind alle Kinder von heterosexuellen Paaren», rufen die Civitas-Anhänger.

Demonstranten - darunter Kinder - protestieren mit Christus-Kreuz und Fahnen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Anhänger des katholischen Instituts Civitas protestieren am 4. April gegen die Homo-Ehe. Reuters

Ihr Präsident Alain Escada warnt auf der Homepage des Instituts gar vor einer sexuellen Revolution, welche die Gesellschaft in ihren Fundamenten erschüttere: «Wenn wir diese Revolution zulassen, dann gibt es kein Tabu mehr, keine Regeln. Dann werden morgen die Anhänger des Inzests und der Polygamie das Recht auf Heirat einfordern.»

Ultrarechte setzen sich in Szene

Nicht nur katholische Integristen, auch ultrarechte Gruppierungen rechts des Front National, laufen mit in den Demonstrationszügen. Das sind Organisationen wie etwa der Bloc identitaire. Sie wurden bis jetzt kaum zur Kenntnis genommen. Nun nutzen sie die Gelegenheit, sich vor laufenden Kameras in Szene zu setzen. Minister und Befürworter der Reform werden bei öffentlichen Auftritten ausgebuht.

Und obwohl die meisten der Reformgegner sagen, sie hätten nichts gegen Homosexuelle, es gehe ihnen nur darum, dass jedes Kind einen Vater und eine Mutter habe, werden in Frankreich zunehmend homophobe Töne laut. Die Gruppe Union Défense in Nancy ruft auf ihrer Webseite mehr oder weniger deutlich dazu auf, Homosexuelle zu verprügeln.

Schwule werden verprügelt

Was offenbar auch immer öfter vorkommt: So erzählt der homosexuelle Winfred am Fernsehen, wie er auf offener Strasse zusammengeschlagen wurde. «Drei vier Typen. Sie sagten: 'da sind zwei Schwule!' Sie sahen, wie ich zu Boden stürzte und haben meinen Kopf als Fussball benutzt. Diese Debatte senkt die Hemmschwelle.»

Zwar verurteilt die Opposition jede Gewalt. Gleichzeitig sagt sie aber auch, Präsident Hollande habe es in der Hand, den Spuk zu beenden. Er solle das umstrittene Gesetz zurückziehen. Auch in diesem Fall gilt für die Opposition die Devise: was Hollande schadet, nützt uns. Und den Bürgern wird einmal mehr vorgeführt, worum es in der Politik zuerst geht: Um die eigene Macht. Tant pis, wenn sich das soziale Klima weiter verschärft, und das Land immer mehr in eine ernste Krise schlittert.