Rentenreform: Ein Schritt näher in Frankreich

In Frankreich hat die Rentenreform die erste parlamentarische Hürde genommen. Die Nationalversammlung in Paris stimmte für die Reform. Damit soll das enorme Defizit in der französischen Pensionskasse bekämpft werden. Frankreichs Gewerkschaften sträuben sich.

Menschen, Ballone im Hintergrund steht die Französische Nationalversammlung Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch wenn Frankreichs Nationalversammlung für die Rentenreform stimmte. Die Gewerkschaften sind dagegen. Keystone

270 Abgeordnete votierten in erster Lesung für das Projekt, 249 dagegen. Steigende Sozialbeiträge sowie eine schrittweise Anhebung der Beitragszeiten auf 43 Jahre: Das sieht die die Rentenreform vor. Allerdings: Es bleibt beim vergleichsweise niedrigen Renteneintrittsalter von 62 Jahren. Ohne eine Reform droht der französischen Rentenkasse im Jahr 2020 ein Defizit von 20 Milliarden Euro.

Gewerkschaften laufen Sturm

In Paris gingen tausende Menschen gegen die Reform von Staatschef François Hollande auf die Strasse. Der Chef der Gewerkschaft Force Ouvrière, Jean-Claude Mailly, bezeichnete das Vorhaben als «historischen Fehler, der eine tiefe Narbe hinterlassen wird». Der Chef der Gewerkschaft CGT, Thierry Lepaon, warf Hollande vor, Wahlversprechen gebrochen zu haben.

Gegen die Reformpläne waren im September laut Polizeiangaben landesweit 155'000 Menschen auf die Strassen gegangen. Die Gewerkschaften sprachen sogar von 370'000 Demonstranten. Damit fielen die Proteste deutlich kleiner aus als bei einem Reformvorhaben von Hollandes konservativem Vorgänger Nicolas Sarkozy vor drei Jahren. Damals gingen bei mehreren Demonstrationen bis zu 3,5 Millionen Menschen auf die Strasse.