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Neue Hülle für Tschernobyl Riesige Schutzkonstruktion über Reaktor-Ruine installiert

Die riesige Stahlkonstruktion ist über den bestehenden Beton-Sarkophag geschoben worden. Sie soll 100 Jahre halten.

Legende: Video AKW Tschernobyl bekommt Schutzhülle abspielen. Laufzeit 0:48 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 29.11.2016.

30 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl in der Ukraine haben Spezialisten eine gigantische Schutzhülle aus Stahl über die Ruine des ehemaligen Atomkraftwerks geschoben. «Yes, wir haben es geschafft», sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko anlässlich eines Festakts in der Nähe desehemaligen Atomkraftwerks.

Die neue Schutzhülle: Die über 36'000 Tonnen schwere Schutzhülle überdeckt den Beton-Sarkophag, der von der damaligen Sowjetunion nach der Reaktorschmelze vor 30 Jahren errichtet worden war. Die Hülle ist die grösste bewegliche Konstruktion, die jemals von Menschen gebaut worden ist. Die Kosten von mehr als zwei Milliarden Euro wurden vor allem durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) aufgebracht.

Strahlenschutz: Mit einem Hydraulik-System wurde die Konstruktion in den vergangenen zwei Wochen auf Spezialschienen über die AKW-Ruine geschoben. Die Abdeckung soll mindestens hundert Jahre halten und radioaktive Strahlung abhalten und den darunter liegenden alten Sarkophag abschotten. Er war nach der Reaktorschmelze 1986 eilig betoniert worden und droht einzustürzen.

Rückbau: In der Konstruktion sind Geräte vorhanden, die einen Rückbau des alten Sarkophags sowie die Aufbereitung der radioaktiven Abfälle ermöglichen sollen. Ausserdem werden noch Messgeräte, ein Belüftungssystem und Brandschutzvorrichtungen eingebaut. Diese technische Ausstattung wird erst Ende 2017 betriebsbereit sein.

Neue Zukunft: Dank dieser Konstruktion werde der Katastrophenort Tschernobyl sicher, sagte der ukrainische Umweltminister Ostap Semerak: «In naher Zukunft soll eine grosse Fläche des einst verlassenen Territoriums zu einem Zentrum für erneuerbare Energien werden.» In der Energiepolitik wolle die Ukraine ein unabhängiger und ökologisch sicherer Staat werden.

Positive Reaktionen: Man habe nun eine «nukleare Wunde geschlossen», sagte Hans Blix, der ehemalige Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace lobte die neue Hülle, aber der Wettlauf gegen die Zeit sei damit nicht gewonnen, meinte Sprecher Tobias Münchmeyer.

Der GAU von Tschernobyl: Am 26. April 1986 war ein Test im Atomkraftwerk ausser Kontrolle geraten und ein Reaktor explodierte. Eine radioaktive Wolke breitete sich von der Ukraine über Weissrussland und Teile Russlands auch bis nach Westeuropa aus. Bis heute gelten manche Landstriche als radioaktiv verstrahlt. Laut amtlichen Schätzungen starben mehr als 25'000 Menschen, die nach der Katastrophe an Rettungs- und Aufräum-Arbeiten beteiligt waren.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Lächerlicher Versuch, die Menschen in Siicherheit zu wähnen. Radioaktivität ist nicht zu bremsen und die tod-sichere Gefahr hält an! Das ist dazu zu sagen! Niemand kann irgend eine Garantie für eine Zeitdauer angeben, in welcher Radioaktivität harmlos wird!! Aber alle bauen AKWs weltweit weiter, absolut verantwortungslos! Nach dem Motto: "Nach uns die Sintflut" und vorher machen wir grosse Profite auf Kosten vom Leben weltweit!
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    1. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Gegen Radioaktivität kann man sich sehr wohl schützen. Je nach Material reichen schon wenige mm um die Strahlenbelastung signifikant zu reduzieren. Tief im Berg, kontrolliert und überwacht gibt es praktisch kein Szenario, die strahlenden Abfälle in irgend einer Art gefährlich machen. Die Strahlung erreicht nicht mal mehr den Wert, dem Sie in einem Jet ausgesetzt sind. Klar, wenn ein grosser Meteorit ins Tiefenlager donnert, könnte Radioaktivität austreten, aber dann hat man wohl andere Sorgen ..
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  • Kommentar von gabi bossert (goba)
    Erst der Profit. Dann viel Schaden und Tod. Dann Schutzgebäude in Millionen Höhe, nach hundert Jahren kümmern sich dann Ur- Enkel um unseren verursachten mörderischen Dreck. Ja, da muss man Kinder auf die Welt stellen, seine Enkel lieben und SEHR viel verdrängen um ihnen noch in' s Gesicht schauen zu können. Bravo ! Der Sonntag war in diese Richtung mal wieder ein grosser schizoider Erfolg.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Die Neinstimmer letzten Sonntag - betteln regelrecht nach so einem schönen Gebäude . Wir Ja Stimmer wandern dann als Atomflüchtige in die Wüste Gobi -weil uns sonst niemand wegen der Verseuchung will .
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