Russische Waffenschmieden boomen

Der internationale Trend geht in Richtung Abrüstung – doch nicht überall ist das der Fall. In Russland haben Rüstungskonzerne im letzten Jahr deutlich mehr Waffen verkauft. Auch die Schweiz macht mehr Geld mit Exporten von Kriegsmaterial.

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Das Geschäft mit dem Krieg

1:44 min, aus Tagesschau vom 14.12.2015

Russische Rüstungskonzerne haben im vergangenen Jahr entgegen dem internationalen Trend deutlich mehr Waffen verkauft. Dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri zufolge setzten die russischen Hersteller 2014 über 48 Prozent mehr um als im Vorjahr.

«Russische Unternehmen reiten auf der Welle der zunehmenden nationalen Militärausgaben und Exporte mit», sagte Sipri-Experte Siemon Wezeman. Die Zahl der russischen Produzenten in der Liste der 100 grössten Rüstungsunternehmen stieg von neun auf elf.

Internationale Rüstungsindustrie erreicht Talsohle

Weltweit sanken die Verkäufe der grössten Rüstungsunternehmen zum vierten Mal in Folge leicht. Zusammen setzten die Hersteller 401 Milliarden US-Dollar und damit 1,5 Prozent weniger um als im Vorjahr, wie das Sipri berichtete. Vor allem die Hersteller in Nordamerika und Westeuropa machten 2014 weniger Kasse. Die westeuropäischen Waffenverkäufe gingen um 7,4 Prozent zurück.

SRF-Korrespondent Fredy Gsteiger meint, die westlichen Länder würden ihre Militärausgaben kaum noch weiter herunterfahren. «In drei, vier Jahren dürften auch im Westen wieder bessere Geschäfte gemacht werden.»

Ausnahmen Schweiz und Deutschland

Keine schlechten Geschäfte haben 2014 auch die Schweiz und Deutschland gemacht. Nach einem Taucher im Vorjahr legte die Schweizer Kriegsmaterialexporte wieder zu. Insgesamt führte die Schweiz gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) Kriegsmaterial im Wert von 563,5 Millionen Franken aus. 2013 hatten sich die Exporte auf 461 Millionen Franken belaufen.

Der Schweizer Rüstungskonzern Ruag hält sich nur noch ganz knapp in den Top 100 – hingegen hat es Pilatus auf Rang achtzig geschafft. Markant stiegen die Ausfuhren nach Indonesien an.

Auch deutsche Rüstungsunternehmen verdienten im vergangenen Jahr mehr. Den Forschern von Sipri zufolge lag das vor allem an einem starken Umsatzwachstum beim Industriekonzern ThyssenKrupp.

Spitzenreiter sind die USA

Die Liste wird jedoch immer noch von den USA dominiert. Von dort kommen mit 38 Rüstungsunternehmen in den Top 100 die meisten Hersteller. Sieben davon waren 2014 unter den Top 10. Spitzenreiter ist Lockheed Martin mit 37,5 Milliarden Umsatz 2014. Patz zwei belegt Boeing mit 28,3 Milliarden Dollar.

Aufgrund mangelnder Daten sind Unternehmen aus China nicht Teil des Berichts der Friedensforscher.