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Unsicherer Schutz der Nato Russland im Nacken – Aufrüstung im Baltikum

In Estland, Lettland und Litauen herrscht Unbehagen wegen des zunehmend aggressiven Nachbarn Russland. In Bürgerwehren bereiten sich Balten auf einen bewaffneten Konflikt vor.

Legende: Video Im Baltikum bewaffnen sich Bürger abspielen. Laufzeit 08:08 Minuten.
Aus Rundschau vom 15.02.2017.
  • Die Einwohner in den baltischen Staaten haben Angst vor Russland.
  • In Bürgerwehren bereiten sich die Menschen zur Selbstverteidigung vor.
  • Die Nato stellt Soldaten und Panzer an die russische Grenze.
  • Aber die USA wollen ihr Engagement für die Nato zurückfahren.

Russlands Annexion der Krim und das aggressive Vorgehen in der Ostukraine waren auch für die baltischen Staaten ein Schock. Die drei Länder Estland, Lettland und Litauen sind wie die Ukraine ehemalige Sowjetrepubliken. Und alle drei Staaten haben eine mehr oder weniger grosse russische Minderheit.

Sollte nun auf einmal das Unmögliche wieder möglich werden, also ein militärisches, russisches Eingreifen im Baltikum? Etwa, wenn der Kreml von innenpolitischen Problemen in Russland ablenken oder die Wehrbereitschaft der Nato testen möchte?

Trauma der Sowjet-Besatzung

Diese Ängste gibt es heute im Baltikum wieder. Tausende von Balten wollen ob dieser Unsicherheit nicht einfach die Hände in den Schoss legen. Sie trainieren regelmässig an Wochenenden in Bürgerwehren, um für den schlimmsten Fall gewappnet zu sein.

Die «Rundschau» war bei einer solchen Übung in Estland mit dabei und traf auch auf eine Kommandantin einer estnischen Bürgerwehr. Aber viele Bürger würden Estland verlassen, falls die Nato zu bröckeln beginnt – aus Angst, sagen sie.

Auch die ehemalige Aussenministerin Lettlands, Sandra Kalniete, erinnert sich an das Trauma der sowjetischen Besatzung, das viele Balten bis heute beschäftigt.

Ein Panzer wird mit einem mobilen Kranwagen von einem Eisenbahnwagen abgeladen.
Legende: Rund 3000 Nato-Soldaten und Panzer aus Nordamerika und Europa werden derzeit an die russische Grenze verlegt. SRF

Trumps Kritik an der Nato

Es gibt aber auch grosse Unterschiede zwischen Baltikum und der Ukraine. Die baltischen Staaten sind seit Jahren Mitglieder der Europäischen Union und der Nato. Jahrelang hat das in diesen Ländern für Sicherheit gesorgt.

Doch mit dem russischen Tabu-Bruch in der Ukraine, bestehende europäische Grenzen in Europa gewaltsam zu verändern, scheint vielen diese Sicherheit nicht mehr ganz so absolut. Insbesondere, weil US-Präsident Donald Trump zwischendurch mit kritischen Aussagen über die Nato aufhorchen liess. Er bezeichnete das westliche Militärbündnis als veraltet und überflüssig.

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68 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Wie in Georgien, könnten Extremisten, mit den Nato-Truppen im Rücken, sich gestärkt fühlen Russland zu provozieren. Diese Nato- Truppen an der Grenze zu Russland sind nur gefährlich und bringen als Schutz weniger als nichts. Dass Merkel, welche versprochen hat, Leid vom Deutschen Volk nach Kräften fernzuhalten, sowie andere EU-Politiker lassen es zu, dass in Europa solch eine gefährliche Situation entsteht.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Als Verteidigung gegen einen russischen Angriff sind die Trup pen natürlich völlig ungenügend. Aber sie reichen zum provozieren, um Russland zu zwingen, Truppen an die Grenze zu mobilisieren und die Spannung zu erhöhen. Zu welchem Zweck? Zur Sicherung des Friedens? Es ist wie im Stück "Biedermeier und die Brandstifter", mit der EU als Biedermeier. Die Pulverfässer werden installiert und mit der Zündschnur gespielt.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Würden die baltischen Staaten ihren russischen Minderheiten volle Rechte zugestehen, bräuchten sie vor Russland keine Angst zu haben. Dieser Gesichtspunkt bleibt in unseren Medien unbeleuchtet. In den baltischen Staaten betrifft das ca. 1/3 der Menschen - in deren Ausweis steht "Nichtbürger". Sie haben weder russisches, noch Litauend oder Estlands Bürgerrecht. Russisch wird nach wie vor auf den Ämtern abgelehnt - genauso, wie das in der Ukraine der Fall war vor dem Putsch...
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