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International Russland rüstet auf

Für fast 400 Milliarden Dollar wurden 2012 Waffen gehandelt. Kurzfristig sind die Rüstungsausgaben damit leicht gesunken. Die Einschnitte in den Militärbudgets westlicher Länder machen sich bemerkbar. Doch ein Land rüstet auf: Russland.

Putin auf einem Militärstützpunkt, hinter ihm ein stehendes Kampfflugzeug und eine Gruppe Leute.
Legende: Russland ist das grösste Land der Welt. Putin will es auch zur grössten Militärmacht machen. Keystone

Der Verkauf von Rüstungsgütern ist im Jahr 2012 weltweit um 4,2 Prozent zurückgegangen. Das gab das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri an der Sicherheitskonferenz in München bekannt. Allerdings sei der Rückgang der Verkäufe nicht einheitlich.

So lässt Kreml-Chef Wladimir Putin seinen Worten Taten folgen: Russland soll wieder zu einer Supermacht werden, kündigte er an. Auch militärisch. Eine Supermacht ist das Land im Moment bloss noch bei den Atomwaffen. Russlands konventionelle Streitkräfte hingegen sind nur noch ein Schatten dessen, was sie während des Kalten Krieges so bedrohlich machte.

Doch jetzt will Putin bis 2020 zusätzlich 700 Milliarden Dollar in die militärische Aufrüstung stecken. Wie die neusten Zahlen über die russische Rüstungsindustrie zeigen, beginnt dieses gewaltige Investitionsprogramm zu wirken.

Korruption bremst Putins Pläne

Die vom Kreml verordnete Aufrüstung verlaufe jedoch nicht problemlos, sagt Sam Perlo-Freeman. Er ist Spezialist für die Rüstungsindustrie beim Friedensforschungsinstitut Sipri. Viele Waffen aus russischer Herstellung seien veraltet. Auch die Korruption und organisatorische Mängel bremsten Putins Pläne.

Dennoch beruht das abrupte Wachstum der russischen Waffenschmiede hauptsächlich auf den einheimischen Rüstungsprogrammen. Und das wiederum irritiere vor allem Russlands Nachbarn, nicht zuletzt jene in Osteuropa, sagt Sipri-Waffenhandelsexperte Pieter Wezeman.

Im Westen – zunächst in Europa, neuerdings aber auch in den USA – wird nämlich seit einigen Jahren kräftig abgerüstet. In manchen Ländern sanken die Rüstungsbudgets um bis zu 40 Prozent.

Es droht eine neue Rüstungsspirale

Doch die neue russische Aufrüstung, gekoppelt mit den forschen Tönen aus Moskau, bewege nun einige Länder dazu, selber wieder mehr ins Militär zu investieren, etwa Polen, sagt Wezeman. Es droht also eine neue Rüstungsspirale.

Auch beim Export läuft es für Russlands Waffenhersteller nicht schlecht: Vor allem Schwellenländer wie Indien, Algerien oder Venezuela sind gute Kunden. China hingegen wird immer mehr zum Selbstversorger und kauft weniger russische Waffen, wie Perlo-Freeman sagt.

Das syrische Regime wiederum würde zwar gerne noch mehr Kriegsgerät kaufen, kann dieses aber nicht bezahlen. Laut Sipri-Informationen ist die russische Rüstungsindustrie nicht bereit, beliebig gratis Waffen zu liefern. Doch was an Waffen aus Russland nach Syrien gelangt, beeinflusse das Kriegsgeschehen bereits massiv zugunsten des Regimes, sagt Wezeman.

«Ja, Russland liefert Assad Waffen»

Denn die Rebellen verfügen nach wie vor bloss über vergleichsweise bescheidene Waffenarsenale. Zwar fehlen gesicherte Informationen. Aber es gibt viele Hinweise, dass Moskau durchaus nicht nur Kleinwaffen ans Assad-Regime liefert, sondern auch Munition für Kampfflugzeuge, Raketen, Aufklärungs- und Fliegerabwehrgerät.

Ja, Moskau liefere Waffen nach Syrien und mache kein Geheimnis daraus, räumte der russische UNO-Botschafter Vitaly Tschurkin gegenüber dem US-Sender CNN freimütig ein. Sein Land erfülle damit bloss Verträge mit dem syrischen Regime, die älter seien als der Bürgerkrieg. Ausserdem gebe es ja gar kein UNO-Waffenembargo gegen Syrien.

Zuhause, in der Nachbarschaft und im Nahen Osten: Putins politisches und nun zunehmend auch militärisches Muskelspiel hat unangenehme Konsequenzen.

(amka;eglc)

Das Institut Sipri

Schwedens Parlament hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri 1966 ins Leben gerufen. Es versorgt Wissenschaftler, Politiker und Medien mit Daten, Analysen und Empfehlungen zu internationalen Militärfragen. In Peking und Washington unterhält das Institut Zweigstellen. Finanziert wird es zum grossen Teil von der schwedischen Regierung.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von G.Riedo, Bern
    Die Arroganz der USA sowie der Europäischen Staatengemeinschaft zwingen Putin zum Handeln. Es kann nicht sein, dass Russland in allen Belangen einfach übergangen wird. Der Kalte Krieg brachte ein Gleichgewicht des Schreckens, welche beide Seiten von Aktionen abhielt. Aber wer sieht schon gerne seine Gegner im benachbarten Ausland Partner und Verbündete zu stürzen? Nur ein starkes und Russland kann den Grössenwahn der EU und der USA verhindern, die Welt zu einer riesigen Kolonie zu machen.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Vor allem kann ein Gleichgewicht des Schreckens die Welt an den Rand einer Nuklearkatastrophe bringen. Es ist keinesfalls garantiert, dass die Wiedersacher wieder vernünftig bleiben wie zu Zeiten des Kalten Krieges.
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  • Kommentar von pembunuhan besar-besaran, Zürich
    Da es weltweit nur noch Polithalunken gibt ist es logisch, dass 20'000 Atombomben zu wenig sind! Das reicht um die Erde 200 mal zu zerstören! Das sind tolle Erungenschaften und sinnvolle Investitionen. Diese Investitionen sind auch nachhaltig, wir werden lange, sehr lange auch in Friedenszeiten damit "sinnvolle" Kosten produzieren. Stell dir vor, es wäre Krieg und keiner geht hin. Ich werde für kein Land kämpfen, ich setze mich für die Erde und Tiere ein und gegen den Politabschaum.
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  • Kommentar von kari huber, surin
    Putin ist ein reiner Machtmensch. Zu strategischem Denken fehlt dem ehemaligen KGB-Zwerg der Grips. Sonst würde er wissen, dass die Sovietunion aus wirtschaftlichen, nicht militärischen Gründen untergegangen ist. Er hat zwar viel Geld aus Öl- und Gasexporten. Dieser Zufluss wird in den nächsten 5 Jahren auf weniger als die Hälfte schrumpfen, parallel mit der Selbstversorgung der USA dank Fracking. Und dann? Keine leistungsfähige Industrie oder Dienstleistung. Also: Nächster russischer Kollaps!
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    1. Antwort von Llov Tschrarev, Zürich
      Man kann zwar finden, dass Putin ein Machtmensch sei, doch schlussendlich geht es darum, ob die Bürger seines Landes in einem sicheren und stabilen Staat leben können und in diesem belangen haben die letzten 15 Jahre gezeigt, dass Putin's Strategien erfolgreich sind. Ich bin jedoch auch der Meinung, dass er seine wichtigsten Leistungen bereits vollbracht hat und ein neues Gesicht nicht schaden könnte. Jedoch: Putin ist einer der intelligentesten Politiker des 21. Jahrhunderts.
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