Zum Inhalt springen
Inhalt

International Sahra Wagenknecht: «Erfolg der Rechten ist nicht verwunderlich»

Eine Diskussion über die wahren Probleme unserer Gesellschaft findet nicht mehr statt. Zu diesem Schluss kommt Sahra Wagenknecht. Die Vorsitzende der Linken im Deutschen Bundestag wundert es denn auch nicht, wenn die Leute in ihrer Ohnmacht jene wählen, die einfache Lösungen versprechen.

Portrait von nachdenklicher Sahra Wagenknecht
Legende: Sahra Wagenknecht: Nachdenken über eine neue Wirtschaftsordnung. Keystone/Archiv

Sahra Wagenknecht kommt eine halbe Stunde später als vereinbart zum Interview. Krisensitzung bei ihrer Partei. Die Linke hat bei den Landtagswahlen vom Wochenende verloren, gleich in drei Bundesländern ihre Ziele verfehlt.

Die Fraktionsvorsitzende im Bundestag steht in der Kritik. Unter anderem auch wegen einer Bemerkung, die sie vor einigen Wochen in der Diskussion über kriminelle Flüchtlinge gemacht hat: «Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht dann eben auch verwirkt.» Das kam bei vielen Linken nicht gut an.

Ich glaube, dass diese Landtagswahlen auch eine Momentaufnahme sind, die natürlich sehr viel mit der völlig absurden Art und Weise der Flüchtlingspolitik in Deutschland zu tun hat.
Autor: Sahra WagenknechtVorsitzende der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag

Für den Erfolg der rechten AfD und die Verluste bei den anderen Parteien macht sie aber die Flüchtlingspolitik der Regierung verantwortlich.«Ich glaube, dass diese Landtagswahlen auch eine Momentaufnahme sind, die natürlich sehr viel mit der völlig absurden Art und Weise der Flüchtlingspolitik in Deutschland zu tun hat.» Dies habe die Menschen extrem verunsichert, weil sie einfach das Gefühl und eine riesige Angst hätten, diese Regierung habe gar nichts mehr im Griff. Diese Angst sei nun der AfD zugute gekommen. In einem halben Jahr könne es aber schon wieder anders aussehen.

Diese Angst ist nun der AfD zugute gekommen. Das kann in einem halben Jahr schon wieder anders aussehen.
Autor: Sahra Wagenknecht

Zur Frustration und Verunsicherung der Menschen trage bei, dass es vielen in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung immer schlechter gehe. Eine Diskussion darüber aber finde fast gar nicht statt. Diese Diskussion will Wagenknecht mit ihrem Buch «Reichtum ohne Gier: Wie wir uns von dem Kapitalismus retten» anstossen.

Wir müssen uns mit dem Totschlagargument ‹Na zeig mir ein Land, wo's schon mal besser funktioniert hat als im Kapitalismus!› nicht davon abbringen lassen, kreativ über neue Lösungen nachzudenken.
Autor: Sahra Wagenknecht

Es könnte uns nämlich besser gehen, ist Wagenknecht überzeugt. Zurück zur Planwirtschaft der DDR, wo sie aufgewachsen ist, will sie allerdings nicht. Sie schlägt eine Wirtschaftsordnung vor, in der Unternehmen nicht Gewinn für Shareholder machen, sondern um diesen in Innovation und echten Fortschritt zu stecken.

Der Kapitalismus behindere nämlich Wettbewerb und den freien Markt, auch wenn er das Gegenteil behaupte, sagt Wagenknecht. Dass ihr unter anderem die CDU vorwerfe, sie habe früher das System in der DDR unterstützt, findet sie eine «ziemliche Verleumdung».

Während sie in der DDR nicht studieren durfte, weil sie das System kritisierte, sei Kanzlerin Angela Merkel eine recht angepasste Frau gewesen, stellt Wagenknecht fest. Das mache sie ihr nicht zum Vorwurf. Nur, dann solle man ihr nicht vorwerfen, sie habe die DDR unterstützt. Studieren konnte Wagenknecht erst nach der Wende.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Escher (Peter)
    " « Ich glaube, dass diese Landtagswahlen auch eine Momentaufnahme sind, die natürlich sehr viel mit der völlig absurden Art und Weise der Flüchtlingspolitik in Deutschland zu tun hat. » " - aha, doch noch " Jemand " der zur Wahrheit steht. Nun, ROTE, LINKE und Co. ?!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Es ist zu hoffen, dass die Flüchtlingskrise den Industrieländern vor Augen führt, dass der Kapitalismus, wie er sich heute präsentiert, kein zukunftsträchtiges Modell mehr ist. Er macht die Welt kaputt und bedroht auch die reichen Länder. Dass aber aus Schuldgefühlen heraus alle wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen in Europa aufgenommen werden müssen, wäre auch ein falscher Umkehrschluss....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Mach einen schlauen Vorschlag... weil RECHT hast Du.. aber ich glaube einfach, es geht nicht mehr anders.. das Zauberwort wuerde heissen "Sozialkapitalismus" aber wer macht es den ganzen Systemwechsel.. Das Beste waere Geld abschaffen, alles ist gratis jeder kann kaufen ohne Geld was er will, soviel er will.. dafuer arbeitet er gratis... aber???? TUT er das denn auch???
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "Es ist zu hoffen, dass die Flüchtlingskrise..." braucht man nur zu schreiben, schon scharen sich Leute um einen, obwohl man möglicherweise noch gar nie einen Flüchtling getroffen hat.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
    Wenn wir weniger Flüchtlinge wollen, müssen wir einfach den Leuten aus den ärmeren Region der Welt weniger Lebensgrundlage klauen. Dann haben die nämlich gar keine Lust, hierherzukommen. Wann begreifen wir hier endlich, dass dies ein globales Wirtschaftsproblem ist, von uns Wohlhabenden selbst verursacht?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen