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International Saudi-Arabien: Frauen schaffen die Wahl in den Gemeinderat

Erstmals konnten Frauen in Saudi-Arabien wählen und sich wählen lassen. Mindestens 17 Frauen sollen nach ersten Ergebnissen Sitze in Lokalparlamenten gewonnen haben.

Eine Gruppe Frauen an der Urne
Legende: Von den rund 1,5 Millionen Wählern waren etwa 130'000 weiblich. Keystone

In der Hauptstadt Riad holten laut der staatlichen Nachrichtenagentur SPA drei Frauen Sitze. In der Hafenstadt Dschidda im Westen des Landes seien zwei Frauen gewählt worden, meldete die Nachrichtenseite Okaz. Eine weitere Frau zog in das Lokalparlament von Mekka ein. Auch aus anderen Städten gab es Berichte über Erfolge von Kandidatinnen bei den Wahlen für 284 Gemeinderäte.

Eine Kandidatin sagte dem arabische Nachrichtensender Al-Arabija, die Erwartungen vor den Wahlen seien gering gewesen, weil es Hemmnisse gegeben habe. Kandidatinnen hätten etwa nicht direkt in Kontakt mit Wählern und Wählerinnen treten können.

Menschenrechtler begrüssen Wahlen

Menschenrechtler und Aktivistinnen begrüssten die Wahlen als wichtigen Schritt für mehr Gleichberechtigung. Zugleich beklagten sie, die Kandidatur und die Wahl-Registrierung sei Frauen schwer gemacht worden.

Unter den mehr als 6900 Kandidaten waren nach offiziellen Angaben etwa 980 Frauen. Von den rund 1,5 Millionen Wählern waren nur 130'000 weiblich, also weniger als zehn Prozent.

Generell sind die Rechte von Frauen in dem islamisch-konservativen Königreich weiterhin stark eingeschränkt. Sie dürfen weder Auto fahren noch ohne männliche Erlaubnis reisen oder heiraten. In der Öffentlichkeit sind die meisten Frauen verschleiert.

Strenge Trennung der Geschlechter

Wegen der strengen Trennung der Geschlechter in Saudi-Arabien mussten Frauen und Männer in unterschiedlichen Wahllokalen abstimmen. «Ich bin sehr glücklich, dass ich zum ersten Mal meine Stimme abgeben konnte», sagte eine Wählerin. Auch die Frauenrechtsaktivistin Hatun al-Fasi erklärte über Twitter, sie habe ihre Stimme abgegeben. «Das ist ein neuer Tag. Der Tag der saudischen Frau», schrieb sie.

Es waren nach 2005 und 2011 die dritten Kommunalwahlen im Königreich. Der im Frühjahr verstorbene König Abdullah hatte 2011 erlassen, dass diesmal auch Frauen das aktive und passive Wahlrecht haben. Allerdings entscheiden die Wähler nur über zwei Drittel der Vertreter in den Gemeinderäten. Der Rest wird von der Regierung bestimmt.

Zudem verfügen die Gemeinderäte nur über geringen politischen Einfluss. Ihre Befugnisse beschränken sich weitgehend auf Strassenbau, öffentliche Anlagen und Müllabfuhr.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Binggeli (Demokrat)
    Heute hat Frank A. Meyer ein Interview in der AZ gegeben. Sensationell von einem Journalist der jetzt Politisch wirklich nicht am Rechten Rand einzuordnen ist! Vokalem für Linke und Frauen Lesenswert!
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Republic of Lakotah)
    Die Religionspolizei der Saudis wird die Damen schon wieder auf den Boden der Scharia bringen wenn sie es wagen sollten mit lackierten Nägeln einkaufen zu gehen. Unsere Medien versuchen ja schon lange, auf lächerliche Art und Weise den Brötchengebern gerecht zu werden und aus den syrischen, saudischen, und türkischen Salafisten harmlose Demokraten herbei zu lügen ( Hauptsache es geht gegen eine säkulare Regierung welche nicht macht wie die Wahhabiten und ihre westlichen Verbündeten wollen).
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Das ist toll. Jetzt erwarten wir, dass Frauen Velo alleine fahren dürfen oder sich alleine auf Strasse bewegen können. Unsere engste Freunde aus Arabien haben geschaft, dass auch Gesselschaft hier sich radikalisiert. Es wird nicht mehr lange gehen, wo auch gesteuerte Medien in Deutschland und Schweiz anfangen über finanzierung und unterstüzung von Islamische Bewegungen zu berichten. Ich freue mich darauf.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Schon vor mehr als einem Jahr haben deutsche und schweizer Medien über die Finanzierung des IS berichtet und wer da gerne mal ein Auge zu drückt. Von wegen gesteuerten Medien. Ich sehe hier vor allem Meinungsmache durch Menschen wie sie, welche es mit der Wahrheit nicht besonders genau nehmen, gelinde gesagt.
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