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International Schaukelpolitiker Orban trifft auf Russlands Präsidenten

Russlands Präsident Wladimir Putin trifft heute mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban zusammen. Orban will von Moskau Geld für den Bau eines AKWs. Und Putin wiederum sucht in Orban innerhalb der EU einen Verbündeten. Wie bringt Orban alles unter einen Hut?

Putin (l.) und Orban
Legende: Wladimir Putin (l.) trifft Viktor Orban: Der eine will Loyalität, der andere Geld für ein AKW. Reuters

SRF News: Wie bedeutsam ist Orban für Putin?

David Nauer: Er ist eine wichtige Figur. Moskau sieht in Orban eine Art natürlichen politischen Verbündeten, eine Art Bruder im Geiste. Orban ist wie der Kreml auch konservativ, er hat autoritäre Züge und ist skeptisch gegenüber der EU. In Zeiten wie diesen, in denen Russlands Beziehungen zum Westen sehr angespannt sind, ist so ein verbündeter Regierungschef aus dem Westen natürlich viel wert.

Braucht Putin Orban, um die Einheit des Westens quasi zu sprengen?

Russland sucht derzeit gezielt Verbündete in Europa und findet sie vor allem im rechtspopulistischen Lager. Es ist wie ein böser Witz der Geschichte, früher hatten vor allem Linke in Europa gute Beziehungen zum Kreml. Jetzt sind es rechte bis rechtsextreme Kräfte, die sich mit Putin gut verstehen. Der Front National in Frankreich, die AfD in Deutschland oder eben der ungarische Premier Orban. Der Kreml weiss, dass er gegen ein geeintes Europa wenig ausrichten kann. Zerfällt jedoch die EU, oder löst sie sich auf, kann Russland mit einzelnen Ländern Sonderabkommen schliessen. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass Moskau in Europa vor allem EU-Gegner stützt.

Aber Orban trägt ja zum Beispiel die Sanktionen des Westens gegen Russland mit?

Das stimmt schon, Putin hat den ungarischen Premier nicht einfach in der Tasche. Orban weiss natürlich auch, dass die EU für ihn viel wichtiger ist als Russland, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Deshalb scheint mir, fährt Orban eine Art Schaukelpolitik. Mal wendet er sich Moskau zu, dann wieder Brüssel. Der Kreml versucht in dieser Situation einfach, so viel für sich herauszuschlagen, wie er kann.

Das Gespräch führte Iwan Santoro.

David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Wenigstens ein vernünftiger Politiker in der EU. Der Rest ist total US-gesteuert und politisiert am Volk bzw. der Sicherheit Europas vorbei. Deutsche und Schweizer, welche in Russland leben, sind entsetzt ob der Berichterstattung in den MSM der EU über Russland. Gleiches gilt wohl für viele Länder, daher ist es gut wenn ma Leute kennt die im entsprechenden Land wohnen um sich ein Bild zu machen, wie es wirklich aussieht.
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  • Kommentar von u. Felber (Keule)
    Na, wenn man solche freunde hat, braucht man keine Feinde mehr :-)
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  • Kommentar von Cornelius Jaschko (Politically Correct Player)
    Der Orban ist im Europa der einzige der für sein Land arbeitet und nicht nur wie ein Roboter sich den Wünschen Deutschlands mit einem Ja Mutti unterworfen hat :-) Europa braucht mehr Köpfe wie Orban um sich den Klauen der DUSA Diktatur zu entziehen den man soll frei sein zu wählen was für einen gut oder schlecht ist :-)
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Immerhin ist es so, dass dieses kleine Land von der "DUSA Diktatur" schon seit vielen Jahren mit ca. 6 Milliarden Euro jährlich finanziert wird und ohne das Geld ganz schön dumm aus der Wäsche gucken würde, ganz zu schweigen, wie Ungarn sonst noch von der EU profitiert. Mir persönlich ist es völlig egal, wenn sich renitente osteuropäische Länder Putin an den Hals werfen. Dann aber in voller Konsequenz, nämlich mit dem Ausscheiden aus der EU. Südeuropa bräuchte das so frei werdende Geld nötiger.
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    2. Antwort von u. Felber (Keule)
      Als ob man in Russland frei wählen kann. Dass sie was gegen die Frau Merkel haben, wissen wir nach dem 100sten Post von ihnen, gibt's denn nicht mal was faktenkundiges?
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    3. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Und wenn Orban gerade nicht arbeitet, macht der eher komische und "private" Reisen durch die Schweiz... http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Viktor-Orbans-seltsame-Wege-durch-die-Schweiz/story/17397205 Er kann ja frei reisen. Und ist nicht ständig einem Wirrwarr von Zäunen ausgeliefert.
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    4. Antwort von u. Felber (Keule)
      Hmm ja Frau Schüpbach. Gibt es eigentlich viele Zäune bei Biel?
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    5. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "Hmm ja Frau Schüpbach. Gibt es eigentlich viele Zäune bei Biel?" Ja, es gibt viele. Und in Luzern?
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