«Schettino würde selbst einen Bus wie einen Ferrari fahren»

Die Würfel sind gefallen: Der Kapitän der havarierten «Costa Concordia» muss ins Gefängnis. Passend zum Anlass die denkwürdigsten Taten des Antihelden und eine wenig schmeichelhafte Einschätzung seiner Crew.

Francesco Schettino

Während anderthalb Jahren sass der Kapitän der gesunkenen «Costa Concordia», Francesco Schettino, auf der Anklagebank. Heute verkündete der Richter Giovanni Puliatti das Urteil: Francesco Schettino, der einzige Angeklagte für die Havarie der «Costa Concordia», bekommt 16 Jahre Haft für fahrlässige Tötung und Körperverletzung in mehreren Fällen.

Schettino kommt dabei noch mit einem blauen Auge davon. Die Staatsanwaltschaft forderte nämlich 26 Jahre und 3 Monate. Zum hohen Strafmass meinte sie damals: «Gott habe Gnade mit ihm, weil wir keine haben können.»

Vom Frauenheld zum Feigling der Nation

Schettino erlangte noch während des Kenterns des «Costa Concordia» zweifelhaften Ruhm. Als einer der ersten verliess er – der Kapitän – das sinkende Schiff. Auch liess er sich nicht durch das beherzte «Vada a bordo, cazzo!» (zu Deutsch: Gehen Sie an Bord, verdammt) des Kapitäns der Küstenwache zurück an Bord beordern.

Nicht minder in Verlegenheit brachte Schettino seine Anweisung, möglichst nahe an der Insel Giglio vorbeizufahren. Die riskante «Verneigung» mit dem Schiff überliess er jedoch dem indonesischen Rudergänger Jacob Rusli Bin. Während das Schiff auf Grund lief, dinierte der verheiratete Schettino mit seiner Geliebten, der Moldauerin Domnica Cemortan. Im Verlauf des Prozesses versuchte Schettino dann prompt, die Schuld für das Unglück Rusli Bin in die Schuhe zu schieben.

Von fauler Ausrede zu fauler Ausrede

Man könnte Francesco Schettino anrechnen, dass er an fast allen Gerichtsverhandlungen teilnahm. Tatsächlich nutzte der Süditaliener aber den Prozess hauptsächlich dazu, sich herauszureden. Sein riskantes Manöver erklärte er damit, dass er den Passagieren an Bord ein Spektakel bieten und einem Schiffskellner einen Gefallen hätte erweisen wollen.

Auf die Frage, warum er die Evakuierung an Bord nicht koordiniert habe, liess er verlauten: «Ich wollte nicht abhauen, sondern habe Passagieren geholfen, ein Rettungsboot ins Wasser zu lassen.»

Auch den Vorwurf, zu früh von Bord gegangen zu sein, liess der Kapitän der «Costa Concordia» nicht auf sich sitzen. «Ich bin gestrauchelt und lag plötzlich zusammen mit den Passagieren im Rettungsboot.»

Nicht sein erster Unfall

Schettinos Fehlverhalten auf der «Costa Concordia» lässt sich nicht mit mangelnder Erfahrung als Kapitän erklären. Der Süditaliener wurde bereits 2006 zum Schiffskapitän ernannt. Für die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Cruises arbeitete er seit 2002.

Eine andere Art «Erfahrung» Schettinos kann hingegen sehr wohl den Schiffbruch der «Costa Concordia» erklären. Wie die italienischen Zeitungen «La Stampa» und «La Repubblica» berichteten, zeichnete sich Schettino durch seine unheilvolle Vorliebe für Geschwindigkeit und riskante Entscheidungen aus.

«Schettino ist zu einer Unperson geworden»

2:59 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.02.2015

Im Jahr 2010 manövrierte er in Warnemünde die «Costa Atlantica» mit einer Geschwindigkeit von 7,7 bis 7,9 Knoten in den Hafen und verursachte Schäden am Kreuzfahrtschiff «Aida Blu».

In Marseille wiederum entschied Schettino wenige Wochen vor der Havarie der «Costa Concordia», bei schwerem Sturm aus dem Hafen auszulaufen. Trotz der Windgeschwindigkeiten von 50 bis 60 Knoten traute sich die Crew nicht, ihm zu widersprechen.

Einer seiner Offiziere sagte später passend dazu: «Schettino würde selbst einen Bus wie einen Ferrari fahren.»