Schimon Peres ist tot

Der Friedensnobelpreisträger und frühere Präsident Israels Schimon Peres ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Zuvor war er wegen eines Schlaganfalls in eine Klinik gebracht worden. Zu Beginn des Jahres hatte der weltweit angesehene Politiker einen Herzinfarkt erlitten.

Schimon Peres – Stationen im Leben eines Jahrhundert-Politikers

Der ehemalige Präsident Israels, Schimon Peres, ist tot. Er erlag in der Nacht auf Mittwoch den Folgen eines Schlaganfalls in einem Spital nahe Tel Avivs. Erst vergangene Woche hatte Peres einen Herzschrittmacher eingesetzt bekommen, nachdem er Anfang Jahr einen Herzinfarkt erlitten hatte. Bei einem öffentlichen Auftritt im Juli wirkte er gesundheitlich angeschlagen.

Peres' Familie war in den letzten Stunden bei ihm. Sein Sohn Chemi bestätigte am Mittwochmorgen den Todesfall. Der Tod wurde um zwei Uhr nachts festgestellt, wie das israelische Fernsehen berichtete. Nach dem Schlaganfall war Peres an ein Beatmungsgerät angeschlossen und in Narkose versetzt worden.

Peres hatte sich trotz seines hohen Alters unermüdlich für eine Verständigung zwischen Israelis und Arabern eingesetzt, unter anderem mit seinem Peres Center for Peace in Tel Aviv. Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern gab er zeitlebens nicht auf. Auch wegen seines beharrlichen Strebens nach Frieden war er einer der wenigen israelischen Politiker, die im Ausland beliebt sind.

Regierungschef, Staatspräsident, Friedensnobelpreisträger

Peres war mehrmals Minister in israelischen Regierungen und in den 1980er- und 1990er-Jahren zweimal Regierungschef des Landes. Von 2007 bis 2014 war er Staatspräsident – und äusserte sich auch in dieser Funktion immer wieder sehr politisch, was ungewöhnlich ist für das Amt.

«Peres war ein Visionär»

5:01 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.09.2016

1994 erhielt er als Aussenminister, zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Izchak Rabin und PLO-Chef Yassir Arafat, den Friedensnobelpreis für seine Verdienste im Oslo-Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern.

Peres wurde 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ost-Polen geboren und wanderte 1934 ins damalige Palästina ein. Er wurde auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt.

Mit dem Begräbnis wird am Freitag gerechnet, eine offizielle Mitteilung steht allerdings noch aus. Peres' Sarg soll laut Fernsehberichten am Donnerstag im Parlament aufgebahrt werden. Staatspräsident Reuven Rivlin kündigte an, einen Ukraine-Besuch vorzeitig zu beenden und noch heute nach Israel zurückzukehren.

«Peres war ein Visionär»

Schimon Peres sei ein Phänomen gewesen, erklärt Gisela Dachs in Israel. Sie ist Korrespondentin der Zeitung «Die Zeit» und hat mehrere Interviews mit Peres geführt. Während er im Ausland für seine zentrale Rolle beim Osloer Friedensabkommen grosse Anerkennung genoss, hatte er in Israel selber lange um Anerkennung gekämpft, wie Dachs sagt. «Wahrscheinlich waren seine Jahre als Präsident für ihn die schönsten, weil er im eigenen Land doch noch eine Popularität erreicht hat, von der er zuvor nur träumen konnte.» Peres sei unbeliebt gewesen, weil er ein Parteipolitiker gewesen sei. Sein ganzes Leben lang habe er einem politischen Amt gedient und daher immer an zweiter, aber wichtiger Stelle gestanden. «Er war aber auch jemand, der spaltete und aneckte. Massen konnte er keine hinter sich scharen», so Dachs weiter. Dennoch habe er immer Visionen gehabt und von der Zukunft geträumt. Oft habe man ihn deshalb als Träumer abgetan. «Wenn man sich seine Visionen im Nachhinein anschaut, stellt man jedoch fest, dass er einfach nach vorne geschaut hat. Damit stand er vielleicht nicht im Einklang mit der Realität in Israel, aber das war letztendlich Peres‘ Stärke.» Er war laut Dachs jemand, der selbst in scheinbar ausweglosen Situationen wie im Nahen Osten daran geglaubt hat, dass nichts unmöglich ist, es weiter geht und es Alternativen gibt. «Das hat personifiziert».