Schlepper machen mit Flüchtlingen Milliardengewinne

Schlepperbanden haben im vergangenen Jahr fünf bis sechs Milliarden Dollar durch ihr illegales Geschäft mit Flüchtlingen und anderen Migranten eingenommen. Interpol sieht darin eine der wichtigsten Einnahmequellen der organisierten Kriminalität in Europa.

Einschätzungen von Aus- landredaktor Fredy Gsteiger

6:34 min, aus SRF 4 News aktuell vom 18.05.2016

Der internationale Polizeiverbund Interpol geht davon aus, dass internationale Schlepperbanden 2015 fünf bis sechs Milliarden Dollar eingenommen haben. 90 Prozent der nach Europa kommenden Menschen würden über kriminelle Netzwerke eingeschleust.

Schlepper würden dabei in locker miteinander verbundenen Netzwerken arbeiten. Interpol spricht von einem internationalen Geschäft, bei dem die Verdächtigen aus mehr als 100 Ländern stammen.

Schlepper-Kapitäne vor Gericht

Derweil hat die Staatsanwaltschaft auf Sizilien ein Jahr nach der Flüchtlingstragödie im Mittelmeer mit 800 Toten für den mutmasslichen Kapitän des Unglücksschiffs eine Haftstrafe von 18 Jahren gefordert.

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Flucht aus der Ukraine

Weil sie mit Segelbooten ukrainische Migranten illegal nach Grossbritannien gebracht haben sollen, sind in Frankreich fünf Männer festgenommen worden. Die ungewöhnliche Überfahrt im Segelboot war laut Polizei mit Kosten in Höhe von 6000 bis 7000 Euro vergleichsweise teuer.

Bei dem Verdächtigen handele es sich um einen 27-jährigen Mann aus Tunesien, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die Behörden in Catania werfen ihm vielfache fahrlässige Tötung, Verursachen eines Schiffsuntergangs und Beihilfe zur illegalen Migration vor. Für einen weiteren mutmasslichen Schlepper, einen 25-jährigen Syrer, seien sechs Jahre Haft beantragt worden.

Beide Männer haben bisher jede Schuld bestritten und betont, sie seien einfache Passagiere auf dem Schiff gewesen. Sie waren kurz nach dem Unglück, das sich am 18. April 2015 vor der libyschen Küste ereignet hatte, festgenommen worden. Nur 28 Menschen überlebten die Tragödie. Derzeit versucht die italienische Marine, das in einer Tiefe von 360 Metern liegende Wrack zu bergen.