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International Schlepper rechnen mit Rettungsaktionen

Italien und andere Länder Europas sind seit Jahren im Mittelmeer präsent, um in Seenot geratene Migranten und Flüchtlinge zu retten. Diese Rettungsaktionen nützen auch den Menschenschmugglern. Das belegt eine Studie der Universität Palermo. Helfen müsse man trotzdem, sagt Italiens Regierung.

Afrikaner auf einem Gummiboot, das schon halb unter Wasser steht. Hinten ein Schiff.
Legende: Ein seeuntaugliches Gummiboot, voll mit Flüchtlingen, wird am 17. April vor Lampedusa aufgegriffen. Keystone

«Wer in Seenot gerät, wird von uns gerettet.» Mit diesen eindeutigen Worten beschreibt Enrico Credendino seinen Auftrag. Der italienische Admiral leitet die europäische Rettungsaktion im Mittelmeer, die «Operation Sophia».

Italiens Innenminister Angelino Alfano sagt das gleiche, lässt dabei aber jede Zurückhaltung fallen: «Wir sind Weltmeister der Menschlichkeit.»

Tatsächlich haben vor allem die italienische Küstenwache und die Marine in den letzten Jahren zehntausende Flüchtlinge und Migranten aus akuter Seenot gerettet. Die Italiener legen dabei eine Zuverlässigkeit an den Tag, die auch den Schleppern nicht verborgen blieb.

Darum sind sie längst dazu übergegangen, die meist vollkommen überfüllten Schlauch- und Fischerboote vom libyschen Strand aus nur noch knapp über die 12-Meilen-Grenze in internationale Gewässer zu schieben, weil sie wissen, dass die meisten von ihnen dort gerettet werden.

Keine Seerettung bedeutet tausende Tote

Die Regierung von Matteo Renzi hat bisher nie auch nur mit dem Gedanken gespielt, dieses menschenverachtende Kalkül zu durchbrechen, indem sie die Seerettungen einstellt. Denn die Folge wären mit grösster Wahrscheinlichkeit tausende Tote in kürzester Zeit.

Leben zu retten ist tatsächlich die erste italienische Priorität. Erst an zweiter Stelle steht das Bestreben, die Fluchtbewegung zu reduzieren oder zu stoppen. Italien will das vor allem erreichen, indem man der neuen libyschen Regierung dabei hilft, wieder eine eigene Küstenwache aufzubauen.

Vieles hängt von der Situation in Libyen ab

Optimisten sagen, bis in drei oder vier Monaten könne Libyen wenigstens einen Teil seiner Küsten wieder selber kontrollieren und Flüchtlingsboote stoppen. Pessimisten sagen, dass in Libyen längst zu viele Clans von den Migranten und ihrem Geld profitieren. Dieses Geschäft werde weiter florieren.

Anfänglich hoffte Italien, durch eine rigorose Strafverfolgung im Meer aufgegriffener Schlepper Nachahmer abzuschrecken. Trotz zahlreicher Urteile hat sich aber nichts geändert, denn die Schlepper, die man bisher fasste, waren stets die kleinen Fische.

Die Drahtzieher im libyschen und afrikanischen Hinterland blieben unbehelligt. Und das Elend in vielen dieser Länder treibt ihnen täglich neue Leute zu, die alles riskieren, um nach Europa zu gelangen.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Hr.Bächler schauen sie sich mal das Bild oben an! Alles junge Männer, keine alten, Frauen und Kinder. Die wollen alle ein besseres Leben, aber dafür nichts leisten. Ich habe es ihnen schon einmal geschrieben. Jeder Schweizer hat min. 9J. Schulbildung. Wenn er zu einem besseren Leben gekommen ist, nur durch seine arbeit. Alle diese Illegalen haben nicht einmal Schulbildung geschweige denn einen Beruf, und die haben keine Berechtigung hier zu sein!
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Herr Baechler, Herr Brotbeck, begreifen denn nicht, das da nur ein Geschaeft, ein sogar sehr lukratives Geschaeft gemacht wird? Den Schleppern & Schleusern sind diese Mensch nachdem sie bezahlt haben "schei..,egal" ! Mehr noch, sie rechnen in deren Businessmodell mit ihren Fuersprache und planen dies in deren Kalkuel ein.
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    1. Antwort von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
      Herr Haller natürlich sind Schlepper skrupellos, da bin ich mit ihnen absolut einverstanden. Die Tatsache, dass sich Flüchtlinge auf diese skrupelosen Schlepper einlassen, zeigt doch wie verzweifelt ihre Lage ist. Doch wie bekämpfen wir wir die Schlepper? In dem wir nicht mehr konsequen jede Person retten und damit nehmen wir Kauf, dass unschuldige Menschen ertrinken nur, um damit die Schlepper zu bekämpfen? Hm kann man überlegen... Für mich ist dies KEINE Option.
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  • Kommentar von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
    Wir lassen in der "Dritten Welt" Kinder verhungern, Menschen in Mienen, Fabriken und auf Plantagen wie Sklaven schuften ohne Schutzbestimmungen, privatisieren deren Wasser, zerstören deren fruchtbaren Böden & ihre Umwelt, plündern ihre Bodenschätze & Rohstoffe und tragen Blutdiamanten, exportieren munter Waffen, horten Milliarden von Gelder von korrupten Machthabern und verstecken Steuergelder von Millionären & Konzernen. Aber wir empören uns halt lieber über die EU, Schlepper und Migranten!
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    1. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Da Sie von "wir" schreiben gehe ich davon aus, das Sie beteiligt sind! Dann sollten Sie das umgehend stoppen! Guter Vortrag unter "Hans Werner Sinn erklärt die neue Völkerwanderung", ab der 27. Minute wird es interessant. Vor allem die Analyse zwischen Gesinnungsethiker und Verantwortungsethiker am Beispiel Spanien, zeigt die ganze Verlogenheit der selbstgerechten "Gutmenschen".
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    2. Antwort von Beatrice Mayer (signorinetta)
      @Herr Brotbeck Wooher wissen Sie, über was und wen "wir" uns aufregen? Abgesehen davon spielt ja die EU munter mit bei den Spielchen, die Sie hier anklagen. Es geht auch diesen Herrschaften um Profit und persönliches vorankommen, oder glauben Sie, die EU sei ein Samariterverein?
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