Schutzlos in der Gewaltspirale: Immer mehr Afghanen flüchten

Anhaltende Gewalt und fehlende Sicherheitskräfte treiben in Afghanistan mehr und mehr Menschen in die Flucht. Das stellen die Vereinten Nationen in einem neuen Bericht fest. Im vergangenen Jahr habe sich der Flüchtlingsstrom fast verdoppelt.

Afghanische Mutter mit Kind auf dem Arm Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Keine Hoffnung mehr auf Frieden in der Heimat: Über 37'000 Afghanen flüchteten bereits in diesem Jahr. Reuters

Mehr als 37'000 afghanische Familien sind in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres vor Gefechten aus ihren Heimatgemeinden geflohen.

260'000 Flüchtlinge in diesem Jahr

Das geht aus einem jetzt veröffentlichten «Bulletin zu Bevölkerungsbewegungen» der Vereinten Nationen in Afghanistan hervor. Bis zum 30. April habe die UNO 37'294 Familien gezählt, die neu zu Binnenflüchtlingen geworden seien. Bei einer durchschnittlichen Familiengrösse von sieben Personen wären das fast 260'000 Menschen.

Der Bericht stellte auch bereinigte Zahlen aus 2015 vor. Im vergangenen Jahr seien 384'480 Menschen vor der Gewalt in ihren Dörfern in andere Landesteile geflohen. Das sei ein Anstieg von 96 Prozent gegenüber 2014 gewesen. 61 Prozent waren demnach Kinder.

«Minimale Unterstützung» aus dem Ausland

Insgesamt übertrifft die Zahl der Binnenflüchtlinge nun 1,2 Millionen Menschen. Die UNO warnte, dass es derzeit nur «minimale internationale Unterstützung» für sie gebe. Seit Ende 2014 das Kampfmandat der Nato endete, ist die Gewalt im Land rasant angestiegen. Seit die Taliban vor einem Monat ihre neue Frühjahrsoffensive begonnen haben, haben sich die Kämpfe ausgeweitet.