Schweden öffnet die Grenze – Bulgarien mauert sie zu

Worte statt Taten am EU-Gipfel zur europäischen Flüchtlingspolitik. Die einzelnen Länder verhalten sich ganz unterschiedlich: Während Schweden die Tore für Syrer weit öffnet, baut Bulgarien einen Zaun gegen die Flüchtlinge aus Syrien.

Menschentraube vor einem Grenzübergang. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Flüchtlinge warten an der Grenze zur Türkei. Keystone

Vor knapp zwei Monaten preschte Schweden vor: Als erstes Land in Europa gab es allen Asylanträgen von syrischen Flüchtlingen statt. «Die Behörde hat diese Entscheidung getroffen, weil sie davon ausgeht, dass die Gewalt in Syrien in naher Zukunft nicht abreissen wird», sagte eine Sprecherin der schwedischen Einwanderungsbehörden damals.

Woher kommt diese Offenheit? «Es ist ihre Tradition. Schweden hat sich nie eingeigelt», erklärt Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. Es herrsche ein gesellschaftlicher Konsens: Wenn Menschen Schutz brauchen, dann werden sie aufgenommen. Nur eine kleine Rechtsaussenpartei hat sich gegen die Entscheidung gestemmt.

Einwanderungszahlen explodiert

Seither strömen wöchentlich 2000 Syrer in den Norden. «Die Zahlen sind in den letzten Wochen wahrlich in die Höhe geschnellt», betont Korrespondent Kaufmann. Schweden rechnet mit 50'000 bis 60'000 Flüchtlingen in diesem Jahr. «Es sind bedeutend mehr als in den letzten Jahren.»

Den Flüchtlingen werde bis auf Weiteres ein zeitlich unbefristeter Aufenthaltsstatus eingeräumt. Zudem können die Flüchtlinge ihre Familie nachziehen. «Für Schweden ist es nicht möglich, seinen offenen Kurs mittelfristig zu halten.» Vor allem angesichts der Prognose, dass in den nächsten Monaten mindestens noch zwei Millionen Menschen aus Syrien flüchten werden.

Bulgarien schliesst Grenze

Die Flüchtlingsmassen lösen bei Bulgarien das Gegenteil aus: Es mauert. Gestern gab das ärmste Land Europas bekannt, dass es einen 30 Kilometer langen Grenzzaun an der türkischen Grenze bauen will. So sollen keine syrische Flüchtlinge illegal ins Land eindringen.

Für Osteuropakorrespondent Marc Lehmann ist klar: Es ist eine Notmassnahme des Landes. «Bulgarien weiss sich offenbar nicht mehr anders zu helfen. Es ist überfordert mit den Flüchtlingen.»

Gemäss den Behörden seien die Flüchtlingslager total überfüllt. Es gebe zu wenig Nahrung und Medikamente. Die Situation sei nahe daran, ausser Kontrolle zu geraten. Daneben haben die bulgarischen Politiker Angst vor Islamisten.

Angespanntes Verhältnis

Wenn man die aber die Zahlen betrachtet, sieht die Lage weniger dramatisch aus. Bisher sind rund 8000 Flüchtlinge aus Syrien in Bulgarien gestrandet – wenig im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Schweden.

Bulgarien ist aber nicht auf Flüchtlinge ausgerichtet. «Als ärmstes Land Europas war es seit jeher ein Bittsteller», so Lehmann. Die Behörden seien mit den Anfragen überfordert, die Mauer sei ein Hilfeschrei an die EU.

Ob die EU Bulgarien unter die Arme greifen wird ist offen. Klar indes ist: «Brüssel kann die Ankündigung einer Mauer nicht gefallen haben», sagt Lehmann. Das sowieso schon gespannte Verhältnis zwischen Sofia und Brüssel dürfte weiter belastet werden.