Schwere Kämpfe in Bengasi

Die Lage in Libyen spitzt sich weiter zu: In Bengasi sind heftige Kämpfe im Gange, auch andernorts ist die Lage chaotisch. Drei Jahre nach dem Sturz Gaddafis drohen in Libyen syrische Zustände.

Ein Mann in grauem Trainingsanzug rennt über eine Strasse, zu sehen ausgebrannte Autowracks und durch Einschläge beschädigte Häuser. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Bengasi sind viele Häuser durch die Kämpfe beschädigt worden. Keystone

In der ostlibyschen Stadt Bengasi sind erneut heftige Kämpfe zwischen Soldaten und islamistischen Milizen ausgebrochen. Der arabische Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete, die Soldaten würden die Stadt aus mehreren Richtungen angreifen. Ziel sei es, die Islamisten zu vertreiben.

Viele Häuser zerstört

Soldaten unter dem Kommando des abtrünnigen Armeegenerals Chalifa Haftar gehen seit Monaten eigenmächtig gegen die Islamisten vor, zu denen auch die Gruppe Ansar al-Scharia gehört. Sie ist lose mit der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak verbunden.

Das libysche Nachrichtenportal Al-Wasat meldete, aus verschiedenen Vierteln Bengasis seien schwere Waffen und anderer Gefechtslärm zu hören. Der Parlamentsabgeordnete Issa al-Arabi sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Lage in Bengasi sei katastrophal. Viele Häuser seien zerstört und eine grosse Zahl von Menschen geflüchtet. Es fehle an Lebensmitteln und medizinischer Versorgung.

Machtkampf zerreisst das Land

Auch in vielen anderen Regionen Libyens ist die Sicherheitslage chaotisch. Vielerorts bekämpfen sich rivalisierende Milizen, die 2011 am Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi beteiligt waren. Die Armee ist zu schwach, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Das Land versinkt zudem in einem Machtkampf, weil zwei Parlamente und zwei Regierungen miteinander konkurrieren. Die westlichen Staaten hatten vor rund zwei Wochen in einer Erklärung gewarnt, die Freiheit Libyens sei in Gefahr, wenn einheimische und internationale Terrorgruppen das Land als Rückzugsort nutzen könnten.