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International So reagiert Europa auf den Brexit

In den Hauptstädten Europas laufen die Drähte heiss. An Medienkonferenzen und in Stellungnahmen reagieren Staatschefs und Aussenminister auf den Brexit-Entscheid der Briten. Die Voten.

Merkel, Holland, Juncker.
Legende: Die Mächtigen in der EU sagen tapfer, dass die EU fortbestehen wird. Doch ihre Gesichter sprechen eine andere Sprache. Keystone

Die EU-Spitzen

«Wir bedauern die Entscheidung der Briten, aber respektieren sie», sagten EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Parlamentschef Martin Schulz in einer gemeinsamen Erklärung. «Wir stehen zusammen und halten die Werte der Europäischen Union hoch, um Frieden und das Wohl der Menschen zu fördern. Die Union der 27 Mitgliedstaaten wird fortbestehen. Wir erwarten nun von der Regierung des Vereinigten Königreichs, dass sie die Entscheidung so schnell wie möglich umsetzt, so schmerzhaft der Prozess auch sein mag. Jede Verzögerung würde die Unsicherheit unnötig verlängern.»

Legende: Video Merkel: «Europäische Idee war eine Friedensidee» abspielen. Laufzeit 00:41 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.06.2016.

Deutsche Kanzlerin Merkel

Angela Merkel wirkte nachdenklich, als sie sagte: «Die Europäische Union ist stark genug, um die richtigen Antworten auf den heutigen Tag zu geben. ... Es gibt nichts drumherum zu reden: Der heutige Tag ist ein Einschnitt für Europa, er ist ein Einschnitt für den europäischen Einigungsprozess. ... Auch wenn es für uns kaum noch vorstellbar ist, sollten wir nie vergessen, dass die Idee der europäischen Einigung eine Friedensidee war.»

Legende: Video Hollande: «Eine schmerzhafte Entscheidung» abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.06.2016.

Frankreichs Präsident Hollande

François Hollande forderte nach dem Brexit-Votum ein Aufbäumen Europas. Europa müsse seine Werte wie Freiheit, Solidarität und Frieden bekräftigen. «Europa ist eine grosse Idee, nicht nur ein grosser Markt.» Er werde alles dafür tun, dass die EU-Partner tiefgreifende Veränderungen statt Abschottung wählen. «Frankreich wird deshalb die Initiative ergreifen, damit Europa sich auf das Wesentliche konzentriert.» Dabei verwies Hollande auf die Themen Sicherheit und Verteidigung, die Förderung von Investitionen, die steuerliche und soziale Harmonisierung sowie eine Stärkung der Währungsgemeinschaft.

Italiens Aussenminister Gentiloni

Paolo Gentiloni bezeichnet die Entscheidung der Briten als Weckruf für Europa. Die EU müsse aufgerüttelt werden, um Veränderungen in Angriff zu nehmen, damit sie für die Zukunft gestärkt werde.

Österreichs Aussenminister Kurz

Sebastian Kurz sieht ebenfalls grossen Veränderungsbedarf bei der EU. Es sei nötig, dass sich die EU schnell neu aufstelle, wenn sich ein solches Referendum nicht in einem anderen EU-Land wiederholen solle. Tempo und Ausmass dieser Veränderung müssten «enorm» sein. Die EU muss laut Kurz zentrale Probleme wie etwa das Thema Migration lösen. «Ein Dominoeffekt auf andere Länder ist nicht auszuschliessen.»

Polens Präsident Duda

Auch Polen sieht im Ausgang des britischen Brexit-Referendums ein Warnsignal an die gesamte EU. Statt das Votum der Briten zu kritisieren, sollte die Volksabstimmung zum Handeln mobilisieren. Die EU muss laut Andrzej Duda alles unternehmen, um den Austritt weiterer Länder zu verhindern.

Tschechischens Ministerpräsident Sobotka

Bohuslav Sobotka meinte: «Trotz der Gefühle der Enttäuschung vieler von uns über das Referendumsergebnis muss man sehen, dass es nicht das Ende der Welt bedeutet und schon gar nicht das Ende der Europäischen Union.» Auch er forderte Veränderungen bei der EU.

Frankreichs Chefin des Front National Le Pen

Marine Le Pen verlangte weitere Abstimmungen in den EU-Mitgliedsstaaten. «Wir brauchen jetzt dasselbe Referendum in Frankreich und in den Ländern der EU.»

Niederlands Chef der Partei für die Freiheit Wilders

Geert Wilders twitterte nach dem Ja zum Brexit, dass «die Niederlande die Nächsten sein werden«. Seine Partei fordere »ein Referendum über den Nexit».

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Die EU muss laut Kurz zentrale Probleme wie etwa das Thema Migration lösen. «Ein Dominoeffekt auf andere Länder ist nicht auszuschliessen.»" Hat dieser Kurz eigentlich kulturell noch was anderes anzubieten ausser Domino-Spiele?
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  • Kommentar von Chasper Stupan (kritischabündner)
    Danke Grossbritannien! Ihr habt das Undenkbare vollbracht, ein Tabu gebrochen - ihr seid aus der EU ausgetreten (bzw. werdet dies tun). Jetzt ist diese Option real geworden und wird nicht mehr nur als Vision irgendwelcher ewiggestriger Nationalisten abgestempelt. Das ist gut so. Denn fast alle wollen zwar Frieden, Wohlstand und wirtschaftliche Kooperation in Europa - nur mit der EU sind die meisten nicht glücklich, weil die sich selbst Aufgaben anmasst, die die Staaten gar nicht abtreten wollen.
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  • Kommentar von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
    Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteile der EU bestreitet niemand, Herr Chauvet, sie sind allerdings immer gegenseitig, es profitieren immer beide davon. Es braucht dazu aber keinen teuren politischen Wasserkopf in Brüssel, dazu reicht ein EWR. Die politische EU ist definitiv gescheitert, weil sich sie es versäumt hat die Abkommen durchzusetzen. Der letzte Witz ist die Verteilung von 150'000 Flüchtlingen innerhalb der EU. Schade um viel Geld für heisse Luft aus Brüssel.
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