So verschwand die Sowjetunion von der Landkarte

1991 war ein Schicksalsjahr für Russland. Es besiegelte das Ende der UdSSR. Ein Untergang in zehn Kapiteln.

Im Sommer vor 25 Jahren hielt die Welt den Atem an: In Moskau versuchten konservative Kommunisten mit einem Putsch zu halten, was nicht mehr zu halten war. Nur wenige Monate später sollte das Ende der Sowjetunion besiegelt werden. Wie konnte die Atommacht, die den ersten Mann in den Weltraum schickte, von der Weltkarte verschwinden? Die zehn Schritte zum Untergang in unserem Listicle.

    • Frauen bei der Ernte Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Keystone

      1. Ein System der Korruption

      Den Traum der Oktober-Revolutionäre von 1917 nach einer egalitären Gesellschaft konnte die Sowjetunion nie einlösen. Die Gesellschaft war gespalten zwischen dem Durchschnittsrussen, der in den 1980er Jahren stundenlang für Brot anstehen musste und Partei-Funktionären, die in einer anderen Realität lebten. Sowjetpräsident Michail Gorbatschow kämpfte vergeblich gegen die tief verwurzelte Korruption.

    • Langes Anstehen für Brot Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Keystone

      2. Gescheiterter Aufbruch

      Mit Reformen sollte die sowjetische Planwirtschaft Schritt für Schritt in eine Marktwirtschaft geführt werden. Doch die sowjetische Wirtschaft war zu stark überdehnt, die Abhängigkeit von den eingebrochenen Rohstoffpreisen zu hoch. Das System, welches auf ständige Produktions- statt Effizienzsteigerung aufbaute, konnte den Wandel nicht überstehen. Die Reformen unter Sowjetpräsident Michail Gorbatschow bremsten den Zerfall, verhindern konnten sie ihn jedoch nicht.

    • Atomkraftwerk Tschernobyl 1998 Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Keystone

      3. Tschernobyl

      Eine ökologische, gesundheitliche und politische Katastrophe für die Sowjetunion war der Reaktorunfall in Tschernobyl am 26. April 1986 auf dem Gebiet der Ukraine, unweit der weissrussischen Grenze. Nur spärlich gelangten die Informationen an die sowjetische Öffentlichkeit und es zeigte sich beispielhaft, wie das System der Informationszensur nicht aufrechterhalten werden konnte.

    • Sowjetische Truppen verlassen Kabul Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Keystone

      4. Krieg in Afghanistan

      Während knapp zehn Jahren kämpfte die sowjetische Armee in Afghanistan einen Krieg, der verheerende innenpolitische Auswirkungen haben sollte. Die Sowjets versuchten vergeblich die kommunistische Ordnung in Afghanistan zu erhalten und sich damit einen Bündnispartner zu sichern. Im Krieg fielen an die 14‘500 sowjetische Soldaten. 1989 gestand Moskau durch den Abzug der eigenen Truppen die Niederlage indirekt ein.

    • 5. Unabhängigkeitswille der Republiken

      Michail Gorbatschow versuchte die nach Unabhängigkeit strebenden, baltischen Staaten in der Union zu halten. Doch mit dem Armeeeinsatz in der litauischen Hauptstadt Vilnius im Januar 1991, bei welchem 13 zivile Demonstranten ums Leben kamen, wurde der Unabhängigkeitswille in den Sowjetrepubliken gestärkt statt geschwächt.

      0:42 min, aus 10vor10 vom 25.7.2016

    • März 1991: Treffen der Top-Generäle in Moskau Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Keystone

      6. Auflösung des Warschauer Paktes

      Der sowjetische Gegenpart zur Nato – der Warschauer Pakt – wurde nach fast 40 Jahren im Juli 1991 aufgelöst. Das atomare Abrüsten hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seinen Lauf genommen.

    • 7. August-Putsch

      Mit Panzern versuchten Hardliner der kommunistischen Partei im August 1991 an der Macht zu bleiben und das alte System am Leben zu erhalten. Doch sie hatten die Rechnung ohne Boris Jelzin gemacht, dem damaligen Präsidenten der Unionsrepublik Russland. Er stieg am 19. August 1991 auf die aufgefahrenen Panzer vor dem Parlament und hielt eine Rede gegen die Putschisten. Den Präsidenten der Sowjetunion, Gorbatschow, hielten die Putschisten derweil während seiner Ferien auf der Krim-Halbinsel fest. Zehntausende Demonstranten sollten sich Boris Jelzin in den nächsten Tagen anschliessen. Bis die Putschisten selbst das Handtuch warfen und sich am 22. August Hals über Kopf aus Moskau zurückzogen.

      1:07 min, aus 10vor10 vom 25.7.2016

    • Volkskongress September 1991 Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Keystone

      8. Kongress der sowjetischen Volksdeputierten

      Durch den Beschluss die Sowjetunion in eine demokratisch-bürgerliche Gesellschaft umzuwandeln, gestanden auch die Sowjetfunktionäre am Kongress der Volksdeputierten am 5. September 1991 ein, dass der Traum von der Herrschaft des Proletariats selbst auf dem Papier gescheitert war.

    • 9. Rücktritt von Gorbatschow

      Sein Wille, Konservative und Reformer zu einen, kostete dem Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow die politische Karriere. Mit seinem Rücktritt am 25. Dezember 1991 erledigte Gorbatschow nur noch eine Formalität. Doch sollten seine letzten Worte als Generalsekretär «Ich wünsche Ihnen allen, alles Gute!» im Gedächtnis der nun wiederhergestellten souveränen Nationen bleiben.

      8:20 min, aus 10vor10 vom 25.7.2016

    • Russische Fahne Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Keystone

      10. Einzug Sowjetfahnen

      Nach fast 70 Jahren Sowjetmacht wurde am 25. Dezember um kurz nach 19:30 Uhr die Fahne mit Hammer und Sichel über dem Kreml eingezogen. Die neue Fahne Russlands wurde gehisst. Ein scheinbar kleiner Moment, mit einer unvorstellbaren Strahlkraft.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • «10vor10»-Serie: Untergang der UdSSR

    Aus 10vor10 vom 25.7.2016

    Im Sommer 1991 hielt die Welt den Atem an. konservative Kommunisten putschten in Moskau gegen den Sowjetpräsidenten und Reformer Michail Gorbatschow. Doch der Putsch scheiterte und beschleunigte den Untergang des sowjetischen Riesenreichs.

  • «10vor10»-Serie: Untergang der UdSSR – Religion

    Aus 10vor10 vom 25.7.2016

    Insbesondere in der Anfangsphase der Sowjetunion wurden die Kirchen massiv verfolgt. Offizielle Staatsdoktrin war der Atheismus. Heute identifiziert sich die Mehrheit der Russen mit dem orthodoxen Glauben. In ihrem ersten Teil zeigt die Serie, wie sich die Kirche ihren Platz Stein für Stein zurückerobert.