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International So wirbt Disney um 300 Millionen Chinesen

Fünf Jahre lang wurde es gebaut, fünf Milliarden hat es gekostet: Das erste chinesische Disneyland. Obwohl es in China bereits eine Reihe an Vergnügungsparks gibt. SRF-China-Korrespondent Martin Aldrovandi erklärt, weshalb das Disneyland in China trotzdem Potenzial hat.

Chinesin mit Minnie-Mouse Ohren macht ein Peace-Zeichen
Legende: Die ersten Disney-Fans wurden bereits von Journalisten erwartet. Keystone

SRF News: China wird von einer kommunistischen Partei regiert, wie passt ein Disneyland dorthin?

Martin Aldrovandi: Es stimmt, dass die chinesische Regierung vor allem in letzter Zeit von westlichen Ideologien warnte. Ein chinesischer Abgeordneter hat im Vorfeld sogar ein Gesetz vorgeschlagen, das die Anzahl der Disneylands in China begrenzen würde – aus Angst vor einer kulturellen Unterwanderung. Dieser Vorschlag wurde aber nicht ernst genommen, es gibt bisher ja auch erst ein Disneyland auf dem chinesischen Festland.

Chinesen der jüngeren Generationen kennen Disney-Figuren und Disney-Filme seit ihrer Kindheit. Ausserdem ist der chinesische Staat über eine Unternehmergruppe sowohl an der Baugesellschaft als auch an der Betreiberin des Disneylands beteiligt.

Ein schlecht kopierter Captain America
Autor: Martin AldrovandiSRF-Chinakorrespondent

China ist noch immer ein Entwicklungsland, können sich die Chinesen den Eintritt in den Vergnügungspark überhaupt leisten?

Die Eintrittspreise sind mit rund 70 Franken pro Ticket am Wochenende relativ hoch. Die Hauptzielgruppe von Disney befindet sich denn auch nicht in ganz China, sondern in Schanghai selbst und in den angrenzenden Provinzen. Es ist für chinesische Verhältnisse eine wohlhabende Region, mit über 300 Millionen potenziellen Besuchern, die bereit sind für die Marke «Disney» etwas mehr zu bezahlen.

Gibt es in China noch andere Vergnügungsparks?

Ja, es gibt in China Parks mit verrückten Achterbahnen, Parks mit Nachbildungen von europäischen Wahrzeichen oder ganze Themenparks, die Disney ähnlich sind. Der chinesische Wanda-Konzern hat wenige Wochen vor der Disneyland-Eröffnung zum Beispiel einen eigenen Park eröffnet, vierzehn weitere sollen folgen. Im Wanda-Park in Nanchang wurden aber bereits ein schlecht kopiertes Schneewittchen und ein Captain America gesichtet, es fehlt also noch an eigenen Ideen.

Teigklösse mit Mausohren
Autor: Martin Aldrovandi

Wie amerikanisch ist das Disneyland in Schanghai? Hat sich Disney dem chinesischen Markt angepasst?

Die Chinesen mit denen ich gesprochen habe, wünschen sich ein möglichst originalgetreues Disneyland. Trotzdem hat Disney einige chinesische Elemente eingebaut. So gibt es einen Garten mit den zwölf chinesischen Tierkreiszeichen, und ganz wichtig: Auch das Essen wurde den chinesischen Geschmäckern angepasst: So gibt es im Shanghaier Disneyland chinesische Nudeln oder gedämpfte Teigklösse – diese natürlich mit runden Mickey-Mouse-Ohren.

Martin Aldrovandi

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Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Brot und Spiele funktioniert seit Ewigkeiten global in unterschiedlichen Formen. Ausserdem kann man mit Spielen/Vergnügen enorme Gewinne erzielen und gleichzeitig Unruhen beruhigen. Chinas Bevölkerung ändert sich und seine sozialen Ansprüche. Alle grossen Reiche organisierten für die Masse Spiele und Politiker lassen sich gerne bei Großveranstaltungen sehen (siehe Fussball). Im vorliegenden Fall behält China die Kontrolle.
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