Söldnerfirmen wittern Syrien-Geschäft

Mit Luftschlägen allein ist der Kampf gegen die Islamisten in Syrien kaum zu gewinnen. Doch eigene Bodentruppen nach Syrien schicken will kaum eine Regierung. Die Russen setzen deshalb Söldner ein. Die USA erwägen es. Söldnerfirmen buhlen gar aktiv um das Syrien-Geschäft.

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Bildlegende: Söldner waren vor Jahren im Irak in grosser Zahl im Einsatz. Keystone/Archiv

An Selbstvertrauen fehlt es den Chefs von Söldnerfirmen nicht. Das beweist Erik Prince, als Ex-Chef der berüchtigten ehemaligen Söldnerfirma Blackwater immer noch eine Art Sprecher der Branche: «Die US-Armee ist zwar stark in klassischen Kriegen. Doch gegen Aufständische sind private Söldnertruppen besser», erklärt er im Sender «Russia Today».

Russland setzt im Syrienkrieg bereits auf gekaufte Kämpfer. Auch in westlichen Ländern ertönt der Ruf, sie gegen die Terrormiliz «Islamischee Staat» in Syrien einzusetzen. Die private Sicherheitsindustrie bringe das ins Spiel und biete sich da als Lösung an, sagt Professor Ulrich Petersohn, der an der Universität Liverpool zum Thema Söldner forscht.

Nachfrage nach Söldnern ging stark zurück

Der Grund ist klar: Waren in Afghanistan und im Irak vor ein paar Jahren noch über 100‘000 Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen engagiert, ist dieser Markt inzwischen stark geschrumpft. Nun suchen sie nach neuen Geschäftsfeldern. Völlig abwegig seien solche Einsätze nicht, räumt Petersohn ein: «Wenn man sie in Kampfaufgaben einsetzt, können sie schon einen Unterschied machten, wie die 1990-er Jahre in Afrika zeigten.»

Zum Beispiel in Sierra Leone, wo südafrikanische Söldner die Lage vorübergehend beruhigten. Bequem ist der Einsatz von Söldnern für Regierungen, weil sie – anders als Armeen – kaum der demokratischen Kontrolle unterliegen. Hier habe eine Regierung viel mehr Flexibilität. Sie könne freier entscheiden, wann und wo sie solche «Sicherheitsdienstleister» einsetze.

IS ist einer Nummer zu gross

Doch für Syrien rät der Experte entschieden von Kampfeinsätzen mit Söldnern ab. Erstens sei unklar, welche Gruppierung die angeheuerten Krieger überhaupt unterstützen sollten. Zweitens sei der sogenannte Islamische Staat ein viel potenterer Gegner als es die Rebellen in Sierra Leone waren. Drittens stiessen die Söldner vor Ort kaum auf Sympathie.

Laut Petersohn ist die Bevölkerung Söldnern gegenüber sehr skeptisch eingestellt. Ihr rücksichtsloses Vorgehen vor Jahren im Irak ist unvergessen. Regierungen, allen voran die amerikanische, täten deshalb gut daran, dem Werben der Branche zu widerstehen und keine Söldner für Syrien anzuheuern.